Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 5 (28.1.1868)
- Date
- 1868-01-28
- Page
- Seite 100 (sequence 20)
- Language
- German
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100 O bestehen können. Diese Wonne ist um so reiner und höheren Grades, je mehr und schöner jene Handlungen waren, deren Lohn sie sind. So wird dieser jenseitige Glanz einigen Frommen wie die Sonne strahlen, andederen wie der Mond leuchten, noch anderen — wie die Sterne; für Manche wird er immer derselbe bleiben, für Andere wird er immer stärker, oder er schwächt sich ab. Ebenso sind die Qualen verschieden, welche dieses Feuerelement den Bösewichtern verursacht. Da nun dieses Lohnes mit Körper und Geist versehene Menschen theilhaftig werden, ist für sie ein gewisser Raum erforderlich, der folgendermaßen hergestellt wird. Gott wird statt unserer Erde eine neue schaffen, über welcher, da das Mittel der Belohnung Licht ist, eine ewige Sonne herrschen wird; dort werden die auferstandenen Menschen wohnen; die Frommen in einer angenehmen, wunderschönen Gegend, welche wir, um sie mit einem Worte zu charakterisiren, Paradies nennen, während die Frevler an einem dunkeln, schrecklichen Ort wehklagen werden, welcher den Namen „Tofeth" oder „Gehinnom^ nach einem schauervollen Thale in der Nähe von Jerusaleln erhalten hat. Dort, auf der neuen Erde wird zur Wirklichkeit werden jenes süße Ahnen, welches jede menschliche Brust bewegt, jene Hoffnung, welche schon so vielen Herzen Trost gespendet, welche schon viele tiefe Wunden geheilt. Dort werden sich endlich finden Alle, die sich im Leben gegenseitig so sehr geliebt; der Vater wird seine Kinder, der Gatte seine Frau, ein Freund den anderen Wiedersehen und sogleich erkennen, und Alle werden in ewigem Frieden und ewigem Wohlsein leben, Krankheit und Elend wird unbekannt sein, und der Tod wird keine Verheerungen mehr anrichten. Nach dieser Ansicht wird dies Alles aber erst nach der einstigen Auferstehung stattfinden; sagen wir nun noch Einiges über diese. Die Wiedervereinigung der Seele mit dem Körper, die Auferstehungslehre, findet sich fast in jeder orieutalischen Religion. Am reinsten finden wir sie in der Lehre Zoroaster's, weniger ausgebildet als Seelenwanderungslehre bei den Aegyptern und Indern, nach welcher der Mensch, zwar nicht als solcher, wohl aber als Thier, in den verschiedensten Gestalten wieder ins Leben tritt. Diese Auferstehungslehre entstand aus der Furcht vor der gänzlichen Verwesung. Der Mensch kann den Gedanken nicht ertragen: ich werde nicht mehr sein; er beruhigt sich nicht in dem Glauben, daß seine Seele auch nach dem Tode fortdauert, und kann sich auch seiner Natur nach nicht begnügen damit. Er fühlt sich nicht bloß als geistiges, sondern auch als körperliches, materielles Wesen, und deßhalb giebt er sich gern der Hoffnung hin, daß wie seine Seele, so auch sein Körper nicht ganz verschwinden wird. Er hat sich ferner so sehr gewöhnt an die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele, er fühlt es so lebhaft, daß seine Seele nur durch Vermittelung des Körpers sich kundgeben und wirken kann, daß er leicht voraussetzen konnte, daß jene zwei verschiedenen Elemente, deren Zusammenwirkung er allein als Leben kennt, sich wieder vereinigen werden. Die jüdische Religion hat die Auferstehungslehre ebenfalls angenommen. Maimnni stellt sie als Glaubensartikel auf, ohne sie näher zu bestimmen, während Saadia auch hier, der Hagada und der Meinung des gewöhnlichen Volkes folgend, sie ausführlich beschreibt. Da aber diese Schilderung in engem Zusammenhang steht mit der Messiaslehre, brechen wir hier ab, in der Hoffnung auf diesen Gegenstand noch einmal zurückzukommen.*) Die Juden unter den Mormonen. Wir berichteten bei einer früheren Gelegenheit, daß in der Hauptstadt des Mormonenthums, in Utah, eine jüdische Gemeinde e^istirt. Wie es den Söhnen der Patriarchen unter den Anhängern von Joseph Smith ergeht, erleuchtet aus folgendem Briefe, der an einen amerikanischen Redacteur gerichtet ist. 6real Salt Lake Cily, Ulab, 18. October 1867. Bei einer Versammlung von Israeliten aus Great Salt Lake Cily, die am 14. October 1867 startfand, wurden folgende Beschlüsse einstimmig angenommen: Da der ehrenwerthe Brigham Uoung (das jetzige Haupt der Mormonen) niemals eine Bitte verweigert hat, die wir als religiöse Körperschaft an ihn richten, und uns bei mehreren Gelegenheiten den Gebrauch eines eleganten Saales zu unserem Gottesdienste bewilligt hat, ist beschlossen worden: Daß wir seine Freundlichkeit, wie auch die höfliche Art und Weise, in der uüsere Bitten stets gewährt worden, anerkennen. Daß wir viele Verpflichtungen gegen den ehrenwerthen Brigham Aoung zu haben fühlen, und ihm hierdurch unseren ausrichtigen Dank aussprechen. Daß eine Abschrift dieser Beschlüsse an den Daily Telegraph dieser Stadt, an den „Hebrew“ und „Hehrew Observer“ in San Franzisco, auch an den „Israeliie“ von Cincinnati zur Veröffentlichung gesandt werden soll. — N. Ellis, Sol. Siegel, F. Auerbach, Com. *) Wir glauben denjenigen, der sich über die ganze Ent Wickelung der Unsterblichkeitslehre im Judenthume unterrichten will, auf die Beilage 11! in Band II, S. 231 ff. unserer ,.Jsrac> litischen Religionslehre" verweisen zu können. Welche Verschie denheiten aber auch in den Vorstellungen über die Unsterblichkeit selbst schon bei den beiden großen Meistern herrschte, deren Ansichten in obigem Vortrage skizzirt worden sind: der Glaube an die Unsterblichkeit selbst war vollkräftig da, und ist als ein integrirender Theil der israelitischen Religionslcbre anzusehen. Rcdaetion. Verlag von Baumgartners L uchharrdlrmg in Leipzig. — Druck von Z. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakstur Dr. H. Lotze.