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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-01-21 · Heft 4 (21.1.1868) · p. Seite 72

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 4 (21.1.1868)
Date
1868-01-21
Page
Seite 72 (sequence 12)
Language
German
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72 sie sind fortwährenden Erniedrigungen ausgesetzt, so wie anderen Leiden, deren Erzählung das Blut in den Adern erstarren macht- Mehrere Abhssiuier haben mir erzählt, daß die Falaschas von Bagmedr in Masse an den Festungswerken arbeiten, welche Theodoros in Dcbra-Tabor aufführen läßt. Mehrere Priester sind ins Gefängniß geschlossen, wo sie vor Hunger umkommen, wenn das Beil des Henkers sich nicht bald erhebt, um ihrem Leben ein Ende zu machen. Ein großer Theil der Juden hat sich nach Waleait, nach Couara und nach Agaoumödre geflüchtet, wo das vernichtende Schwert von Theodoros sie nicht erreichen kann. Ihre Gesellschaft hat jetzt eine heilige Aufgabe zu erfüllen: sie muß sich sogleich an die Wohlthätigkeit unserer Glaubensgenossen wenden, um denjenigen unserer abyssinischen Brüder zu Hülfe zu kommen, welche, aus ihren Wohnungen verbannt, sich in dem schrecklichsten Elend befinden. Diese armen Leute sehen ihre Trübsal als ein Zeichen an, das der Ankunft des Messias vorangeht, und der Wunsch, nach Palästina zurückzukehren hat sich ihrer unwiderstehlich bemächtigt, so daß sie bereit sind, das Land ihres Exils zu verlassen, um sich in dem Lande ihrer Borväter niederzulassen. Wenn die Colonisationsgesellschaft an ihrem Vorhaben festhält, und wenn die Mittel ihr nicht fehlen, könnte man Tausende falaschischer Colonisten, welche alle Ackerbauer oder die geschicktesten Arbeiter sind, nach Palästina zurückführen. Sie werden diesen Plan besprechen und sie werden mich sobald wie möglich von dem Entschlüsse in Kenntniß setzen, welchen Sie in dieser Hinsicht gefaßt haben werden. Sobald ich Kameele gefunden habe, werde ich nach Cassela gehen, von wo aus ich mich nach Waleait wenden werde, indem ich das Gebiet der Changallas durchreise: das ist der einzige Weg, auf welchem ich in ein Land zu kommen hoffe, das von Falaschas bewohnt ist. In Hinblick auf die außerordentliche Barbarei dieser Bevölkerung, bin ich immer auf dem quivive und verlasse meine Waffen keinen Augenblick. Zum Uebermaaß des Unglücks ist ihre Sprache ganz verschieden von der der anderen Völker in der Umgegend, und es ist sehr schwierig, unter ihnen ein Individuum zu finden, ivelches eine andere Sprache spricht. Ich verlasse Sie in einigen Tagen. Wenn das Land ruhig wäre, brauchte ich nur eine Woche, um mitten unter unseren Glaubensgenossen zu sein, jetzt brauche ich wenigstens drei Wochen, um den Weg durch Hamassiou und Sire zu machen. Das Land, wo ich jetzt bin, ist eine wahre Alpenregion.und bis an den Gipfel der Berge bewaldet, welche der Zufluchtsort von unzähligen wilden Thieren sind, von Löwen, Tigern, Elephanten und Rhinocerossen, und jeden Abend hört man teuflisches Geheul in der Nachbarschaft unserer Zelte. Gott sei Dank! mir ist bis jetzt noch kein Unglück begegnet, abgesehen von dem Anfalle einer Hyäne, nahe bei einem Brunnen; sie war von außerordentlicher Größe, wurde aber sofort von Mehrern Revolverkugeln getroffen und verendete an den Lanzenstichen meiner Gefährten. Unter dem Schutze Gottes werde ich meinen Weg fortsetzen, indem ich stets mein Ziel vor Augen habe und eine innige Liebe für meine abyssinischen Brüder*). Joseph Halevi. *) Man sieht, Herr Halevi ist bereits vollständig überzeugt^daß die Falaschas Juden und Abkömmlinge des israelitischen Stannnes sind. Wir glauben, daß hiefür eine vollständige Beweisführung noch beigebracht werden müsse. Redaktion. Anzeigen. Die Gemeinde Anschi Chesed dahier, sucht einen Chasan auf die Dauer von 2 Jahren mit dem Gehalte von 2000 Dollars. Derselbe muß einen tadellosen moralischen Charakter besitzen, tüchtig musikalisch gebildet, im Stande sein, das Chor zu unterrichten und zu leiten, sowie den Gottesdienst mit Orgelbegleitung und Chor vortragen zu können. Anmeldungen und Zeugnisse sind spätestens bis zum 28. April 1868 einzureichen bei Herrn S. Schuster, President, 69 Avenue 1). New-Jork. Baeanz. Die hiesige Synagogen-Gemeinde sucht zum 1. April d. I. einen Lehrer, am liebsten einen solchen, welcher das Casseler Seminar besuchte und hat derselbe zugleich das Amt eines Vorbeters und Schächters zu übernehmen. Als Gehalt sind bei freier Wohnung und Heizung 200 Thlr. festgesetzt. Durch bedeutende Nebensporteln, auch Privat-Unterricht, kann sich das Einkommen bedeutend erhöhen. Qualisicirte Bewerber wollen sich unter portofreier Einsendung ihrer Zeugnisse an den Synagogen-Vorstand baldigst melden. Gehrden b.Hannover, den 1. Januar 1868. jp

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