Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1868)
- Date
- 1868-01-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrgang. II0 c m cin c M L Zeitung -es Zudenthums Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 7. Januar 1868. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal Dienstags, in 2 bis 2»/2 Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit i'/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hrupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Der jüdische und christliche Rachegott. — Ein Rundschreiben des rumänischen Ministeriums des Innern. — Die Gleichberechtigungsfrage im ungarischen Landd tage. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Potsdam, Sternberg. Österreichischer Kaiser staut: Wien, Brünn, Pest, Krakau, Von der Ostsee. Schweiz: Gailingen. Feuilleton-Beilage: Die Lage der Juden in Deutschland nach dem öOjahrlgen Kriege. — Ein Abenteuer Nothschild's. — Uebertritt zum Judenthum. — Correspondenz. — Eine Anekdote aus dem Jahre 1547. Leitende Artikel. Bonn, 29. December. Wer jüdische und christliche Lachegott. Wer ernst und betrachtend auf dem Strome des Lebens, dahinfährt, wie er von deffen Wellen gehoben undLesenkt wird, und dabei auf alle Diejenigen achtet, welche ihm näher treten, und auf ihre Geschicke: dem stellen sich zwei Thatsachen unzweideutig heraus. Wie schon das Leben selbst erkennt erzahlloses Gute, das ihm oder den Anderen begegnet, als eine unverdiente Gabe der göttlichen Vorsehung an; er sieht das Beste und Höchste seines Lebens ihm ohne Verdienst zufallen, ohne daß es der Erfolg seiner Entwürfe und Thätigkeit wäre; er findet sich gerettet, aus Sorge, Angst, Siechthum und Entbehrung ohne sein Zuthun befreit; mit einem Worte: er erkennt die unendliche Liebe, die Langmuth, Huld und Nachsicht des Gottes an, von dessen Fügung er sich abhängig fühlt und ruft oft mit Jakob aus: „Viel zu gering bin ich für alle Gnade und alle Treue, die Du an Deinem Knechte geübt hast!" (I.Mos. 32, l t.). Dann aber erfährt er es auch nicht selten, daß eine strafende Vergeltung durch das Leben der Menschen geht, daß sich an böse Handlungen böse Folgen knüpfen, die sich oft über das nächste und nachnächste Geschlecht erstrecken, daß das sittliche Verderbniß früher oder später auch das Verderben des Menschen nach sich zieht; ja, auch daß Hindernisse und Verluste, Täuschungen und Mühsale sich da einstellen, wo wir deren Ursachen nicht in uns selbst, in unsrem sittlichen Werthe und Handeln zu suchen haben: wir erkennen die prüfende, die richtende, strafende und vergeltende Vorsehung an. Diese Lebensmomente finden sich in den Geschicken jedes Menschen, und sich in einander verschlingend,. bilden, sie das Gewebe unsres Erdenlebens. Nun, unsre h. Schrift bringt beide zu ihrem Ansdrucke. Wie sie die Wahrheit uns lehren, das Leben in allen seinen Höhen und Tiefen uns zum Bewußtsein bringen will, wie sie das Herz des Menschen mit aller Innigkeit, aber auch mit allem Ernste zu erfüllen trachtet, erhebt sie uns zu dem erhabensten Gefühle der Allliebe unsres göttlichen Vaters, aber auch zur Erkenntniß des göttlichen Richters und der Vergeltung, die sich an unser Thun und Schaffen knüpft. Erfahren wir doch auch, daß Prüfung wie Strafe nur zu unsrer Zucht, zu unsrer Erziehung, Herzens¬ und Geistesbildung, unsrer Kräfte Entfaltung, unsrer Läuterung und Stärkung dienen. Wir brauchen hier nicht erst die Schriftstellen zu häufen, welche die Liebe, die Gnade und Barmherzigkeit Gottes, sowie das Rich-