Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 32 (1868)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 gen, wurde demnach mit Unwillen zurückgewiesen, und jeder sprach nach Belieben ungarisch oder deutsch. — Die Nachmittagsconferenz vom 10., welcher bereits bei 100 Mitglieder anwohnten, fand unter dem Vorsitze des hochwürdigen Vcreinspräses Oberrabbiner Dr. W. A. Meisel statt. Nach; dessen kurzer, aber herzlicher Begrüßungsansprache wurde eine Anzahl hochwichtiger Paragraphen der zu modificirenden Statuten durchberathen und alsdann ein Cassarevisions-Comite erwählt. Am 17. früh 9 Uhr eröffnete Präses Vr. Meisel in Anwesenheit des k. Commissärs v. Bäkeh sowie mehrere Pester Schulfreunde und ungefähr 150 Lehrer die Hauptversammlung mit einer.herrlichen, allgemeine Begeisterung erregenden Rede über den Beruf des Jugenderziehers in der Gegenwart und die Ausgabe unseres Vereines. Nachdem die von wiederholten, stürmischen Lljeu-Rufen begleitete Eröffnungsrede beendiget war, verlas Secretär Bauer in ungarischer Sprache die Berichterstattung über die Wirksamkeit des Vereinsausschusses in dem Verwaltungsjahre 18t>e/i. Um den je zahlreicheren Besuch der Generalversammlung von Seite der Landlehrer zu ermöglichen, wandte sich der Ausschuß an die Directionen der Eisenbahnen- und Donaudampfschifffahrtsgesellschaft wegen Ermäßigung der Fahrpreise für die zur Conferenz reisenden Lehrer, welcher verdienstvolle Schritt auch von dem gewünschten Erfolge begleitet war, indem die respectiven Fahrpreise zur Hälfte ermäßigt wurden, wofür den erwähnten Directionen eine Dankadresse zu übersenden beschlossen wurde. Bis zur Abfassung des Rechenschaftsberichtes zählte der Verein 213 Mitglieder. Die auffallende Thatsache, daß der Vorstand der in großartigem Maßstabe wohlthätigen und für Schulzwecke überaus opferwilligen Pester israel. Geureinde dem Verein bisher noch nicht beigetreten, wurde im Berichte dahin erklärt, daß der wackere Vereins-Vicepräses Direktor Lederer und der biedere Vereinscassier, Oberlehrer Sal. Kohn, auf ihre diesbezügliche Anfrage betreffenden Ortes die Antwort erhielten, daß der Ausschuß der Gemeinde von der Sanctionirung der Vereinsstatuten noch nicht unterrichtet sei, worauf diese Unterlassung gut gemacht wurde. (Der Präses der Pester Gemeinde, Jacob Lünyi, welcher der Generalversammlung beiwohnte, gab nun bei derselben unter lebhaften Eljen-Rufen der Versammlung die Erklärung ab, daß die Pester Gemeinde, die Bestrebungen des Vereins vollkommen würdigend, demselben alle mögliche Unterstützung zu Theil werden lassen werde.) Endlich erfuhr die Versammlung, daß der Baarfouds des Vereins gegenwärtig I960 st. ö. W. beträgt. Nachdem Punkt 4 des Programmes: „Prüfung der Jahresschlußrechnung" zur allgemeinen Zufriedenheit erledigt und P. 5: „Revision der Modificationen des Statutenentwurfes" sowie P. 6: „Bezeichnung wegen des Wirkungskreises der auswärtigen Ausschußmitglieder" voraussichtlicher Zeitkürze wegen je einem Comitä zugewiesen waren, gelangte P. 7: „Grundprincipien einer zeitgemäßen Verbesserung des ungarisch-israel. Schulwesens" zur Besprechung. Während der, längere Zeit in Anspruch nehmenden Debatte hierüber theilten sich Normalhauptschullehrer Bauer, sowie Vicepräses Direktor Lederer in die Ehre, durch ihre Reden den größten Beifall zu ernten und in dem Verdienste die praktischsten Vorschläge gemacht zu haben. Bauer stellte unter anderen folgenden Antrag: „Es möge ein Comitä zur Feststellung der verschiedenen Lehrziele und ein zweites Comitä zur Abfassung der leitenden Grundsätze bei der in's Werk zu setzenden Herausgabe der für jede Claffe erforderlichen Lehrbücher erwählt werden. Vicepräses Lederer entwickelte in beredter Weise vier Principien, nämlich das der Utilität, Autorität, Association und des Spiritualismus. Auf Grundlage des erstgenannten Principes, des der Utilität, betonte der Redner die Nothwendigkeit, daß die Einrichtung der jüdischen Schule den heiligen Zwecken der jüdischen Gemeinde und des Judenthums im allgemeinen entspreche, sowie daß die materielle Besserstellung des jüd. Lehrers angestrebt werde. Gestützt auf die Prämissen, beantragte derselbe die Bildung eines Comite's zur Ausarbeitung eines Lehrplanes für die hebräischen Lehrgegenstände und die Wahl eines zweiten Comitä's zur Ausarbeitung eines Memorandums über die traurige Stellung vieler jüdischer Lehrer. Bei Auseinandersetzung des Associations-Principes schlug Redner vor, daß der Verein ein Gesuch an die seitens der Negierung zusammenzuberufende israel. Notablenversammlung richte, damit diese bei der Regierung die Flüssigmachung einer jährlichen Unterstützungssumme auS dem ungarisch-israel. Landesschulfonds für greise oder dienstunfähig gewordene Lehrer befürworte. Wegen der Kürze der Zeit gelangte von den erwähnten Vorschlägen nur der auf den hebräischen Unterricht bezügliche zur Debattirung und Abstimmung, und einigte man sich