Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1867)
- Date
- 1867-12-24
- Page
- Seite 1045 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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allgemeine Zeitung des Zudenthums. FeuiUeton-Leilage jtt Ar. 52. Leipzig, den 24. December 1867. j Pr. W. A. Meisel. | geboren im Jahre 1815, gestorben am 30. November 1867. Die Trauerfeierlichkeil um den so plötzlich gestorbenen, seit 1859 in Pest fungirenden Oberrabiner, der insbesondere durch seine Kanzelberedsamkeit wie durch Gründung vieler wohlthätigen Anstalten und Vereine sich große Verdienste erworben hatte, erwies, wie außerordentlich die Trauer um den Verlust dieses Mannes ist. Wir geben hier einen Bericht über das Leichenbegängniß nach einem Pester Blatte. Die Zugänge zum Trauerhause und zum Tempel waren schon in der frühesten Bormittagsstunde von einerzahlreichen Menschenmenge umstanden; denn die Trauerfeier begann schon kurz nach 8 Uhr damit, daß der Sarg aus der Wohnung des Verstorbenen mit feierlichem Geleite in den Tempelhvf getragen wurde. Um 9 Uhr begann sodann die eigentliche Trauerfeier im Tempel, — in welchem der Bürgermeister, die städtischen Repräsentanten, sowie Mitglieder beider Häuser des Reichstages, die Vorstände der Cultusgemeinde, die Vertreteranderer Gemeinden u. s. w. anwesend waren, — mit dem Absingen eines Chores, welchem eine ungarische Rede des Predigers Dr. Kohn folgte. Der Redner hob die Verdienste des Verstorbenen hervor, und wies namentlich auf dessen Bedeutung als Kanzelredner hin. — Nach einem abermaligen Choralgesang wurde der Sarg in den Tempel gebracht und vor dem Altar aufgestellt, woraus der Wiener Prediger Dr. Adolph Jellinek in einem die Zuhörer mächtig ergreifenden deutschen Vortrage die Probe seiner bekannten glänzenden Beredsamkeit gab. Dr. Jellinek begann mit der Erwähnung, daß er vor Kurzem in Prag beim Begräbniß eines Mannes zugegegen war, durch dessen Hinscheiden die Gelehrtenwelt, die Wissenschaft einen großen Verlust erlitten. Auch dort war die Trauer groß; verschiedene Confessionen und Nationalitäten legten ihre Theilnahme an den Tag. Aber Rappoport hatte das 70. Lebensjahr überschritten, ihn traf, indem er starb, das Los eines jeden Menschen. Hier jedoch sei der Tod sozusagen durchs Fenster hineingestiegen und der gegenwärtige Fall sei dreifach erschütternd, dadurch, daß Dr. Meisel in der Vollkraft des Mannesalters starb, ferner durch den Ort, wo, und die Zeit, in welcher er verschied. — Dr. Meisel betrat den heiligen Boden Ungarns in einer Zeit, wo der Himmel Ungarns umwölkt war. Der Redner wiederholte das Wort: „den heiligen Boden Ungarns" und es mit Nachdruck betonend, motivirte er es damit, daß ein Land, dessen Volk mit solcher Festigkeit und Unermüdlichkeit für Recht und Gerechtigkeit kämpft, ein heiliger Boden zu nennen sei. In einer solchen Zeit, fuhr der Redner sodann fort, wie derjenigen, in welcher Dr. Meisel hierher kam, sei es selbst den scharfsinnigsten Männern schwer, Personen und Verhältnisse richtig zu beurtheilen. — Vor nicht langer Zeit jedoch erheiterte sich der Himmel Ungarns wieder und vor einigen Tagen zeigte das Volk Ungarns mit wenigen, aber entschiedenen und präcisen Sätzen, daß es das Recht Anderer eben so gut zu würdigen wisse, wie sein eigenes, — und in dieser Zeit gerade ging hier die Sonne unter, und umdüsterte sich der Horizont dieser Gemeinde durch das Hinscheiden des Dr. Meisel. Redner wies hierauf auf die humanitäre Wirksamkeit des Verstorbenen hin, den nun die Jugend und die Armen der hiesigen Gemeinde, aber auch die außerhalb derselben betrauern; denn Dr. Meisel habe in Stettin im Verein mit Anderen ein Waisenhaus gegründet, lange bevor er ahnen konnte, daß seine eigenen Kinder so frühzeitig Waisen werden sollen. Auch auf die literarische Wirksamkeit des Verstorbenen wies der Redner hin, und indem er eines der Werke desselben erwähnte, hob er wirksam einen Satz hervor, in welchem es heißt: „Die wirksamste Mahnrede ist der Anblick des Sarges." — Nachdem der Redner sodann in ergreifender Weise auseinandergesetzt hatte, daß auch für die Familie des Verewigten die Sonne untergegangen, — wies er wiederholt auf die Verdienste desselben hin, die gleich den Engeln aus der Jakobsleiter zum