Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1867)
- Date
- 1867-12-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226581-3226632--25582-3261092- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3i. Zchrgmg. Allgemeine M 3W- Zeitung des Audcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 10. December 1867. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 2 bis 2!/a Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit ll/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sächs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Der Sieg. — Skizzen aus Holland. VIII. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Stettin, Frankfurt a. M. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Prag, Pest. Donaufürstenthümer: Bukarest. Italien: Aus Oberitalien. Rußland: Petersburg. Amerika: Baltimore. Feuilleton-Beilager Gedächtnißrede für den verewigten Rapoport. — Eine wichtige militärische Angelegenheit. — Notiz. Leitende Artikel. Bonn, 1. December. Der Sieg. Auch heute haben wir von bedeutenden Fortschritten, welche das Princip der bürgerlichen Gleichberechtigung wiederum gemacht hat, zu berichten. Das österreichische Herrenhaus hat das Gesetz über die Rechte der Staatsbürger mit für uns unwesentlichen Veränderungen, wie es aus dem Abgeordnetenhause hervorgegangen, angenommen, und da sich auch die Staatsregierung damit einverstanden erklärt hat, ist es nicht mehr zweifelhaft, daß es auch zum wirklichen Gesetz erhoben wird. Zu gleicher Zeit legte der Ministerpräsident Andrassy der ungarischen Deputirtentafel ein Gleichberechtigungsgesetz, die Israeliten betreffend, vor, und der Eljen-Ruf, mit dem es empfangen wurde, läßt einen Zweifel über dessen Annahme nicht zu. Daß übrigens in Oesterreich auch an die Verwirklichung dieses Princips gegangen wird, ersehen wir aus folgender Notiz. Dem „Tagbl. a. B." wird aus Wien geschrieben, daß demnächst vr. Theodor Gomperz zum Professor der klassischen Philologie an der Wiener Universität ernannt werden soll. vr. Gomperz, der seine Studien an deutschen Universitäten vollendet, längere Zeit in England klassische Studien betrieben und der als Hellenist einen ausgezeichneten Ruf genießt, ist Jude. Die offiziöse „Debatte" wiederholt diese Mittheilung und sieht darin ein Zeichen, daß das Universitätsleben aus seiner Stagnation gebracht werden soll. Die Triumphe, welche in diesen Tagen unser Princip abermals in der amerikanischen Union erfocht und worüber wir in dieser Nummer berichten, können wir kaum an dieser Stelle in Betracht ziehen, da es sich dabei nur um konkrete Specialfälle handelt. Dagegen verdient es wohl noch hervorgehoben zu werden, daß selbst in Mecklenburg die Bresche in der alten Unduldsamkeit immer weiter gebrochen wird; und zwar nicht blos durch die allgemeinen Gesetze des norddeutschen Bundes, sondern auch von Innen heraus. So wird berichtet: Schwerin, 24. Nov. Kürzlich ist, wie die Meckl.- Anz. melden, vom Justiz-Ministerium die Praxis, nach welcher Juden nicht zum Erwerb der Rotarienmatrikel zugelassen werden, aufgehoben und demgemäß einem als Advocat immatriculirten Juden auf dessen Antrag der Betrieb der Notariatspraxis gestattet worden. Wer die konfessionellen Zustände in Oesterreich noch vor zwanzig Jahren kannte, die Jndensteuern, die Ein-