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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-11-19 · Heft 47 (19.11.1867) · p. Seite 938

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 47 (19.11.1867)
Date
1867-11-19
Page
Seite 938 (sequence 10)
Language
German
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938 ganze nunmehrige Tonfülle entfalten. Ein anderes Mitglied der Gemeinde, Herr Stadtrath A. Meyer, vervollständigte sein früheres Geschenk eines großen siebenarmigen Kandelabers zur Rechten der heiligen Lade mit einem ganz gleichen zur Linken, welche beide zusammen 1000 Thlr. kosteten. Es tritt hierbei recht deutlich zum Vorschein, daß ein wahrhaft veredelter Gottesdienst auch den religiösen Gemeingeist in einer überraschenden Weise weckt und fördert. Hamburg, 2. Nov. (Privatmitth.) Ich kann Ihnen nun nächstens die Gemeindestatuten einsenden, vielleicht mit einigen Worten zur Beurtheilung. Der Senat hat sie gutgeheißen, und dabei bloß den Wunsch geäußert, es möge ihm von allen in den G. vorzunehmenden Wahlen, namentlich der Beamten, Mittheilung gemacht werden. Zu welchem Zweck, das weiß Niemand, vielleicht auch der Referent nicht einmal. Vielleicht um den Beamten Steuerfreiheit zu bewilligen, vielleicht um zu verhindern, daß nicht einzelne Chebroth sich als zur G. gehörig geriren. Aus Tbüringen, im November. (Privatmitth.) Dieser Tage wurde im Großherzogthum Sachsen-Weimar der erste Jude in der Person des Commerzienrathes Rosenblatt aus St. Lengsseld als Landtagsabgeordneter gewählt; auch sein Gegencanditat Adv. Katzenstein aus Eisenach war Jude. Wie weit die Hyperorthodoxie sich auch in unseren Tagen noch versteigt, das beweisen die Maßnahmen des gelehrten Rabbiner Dr. Enoch zu Fulda, früherer Redakteur des Zionswächter sel. And. Derselbe verirrt sich in seinem frommen Eifer sogar in die Tanzsalons seiner ihm anvertrauten Gemeinden, indem er mit aller Strenge das talmudische Verbot des Tanzens an den Feiertagen aufrecht zu erhalten sucht, was in vielen Orten seines Bezirkes zu sehr ärgerlichen Auftritten führte und nicht geeignet ist, dessen Ansehen zu erhöhen. Die Welt läßt sich einmal in der Jetztzeit nicht mehr mit solchem rabbinischen Spuk bannen! — Wenn übrigens der genannte fromme Herr seine Aufmerksamkeit anstatt dem harmlosen Tanzvergnügen dem shnagogalen Leben seines Disttikts zuwenden würde, so könnte er sich wahrlich größere Verdienste um sein geistliches Amt erwerben. Auf diesem Felde sieht es noch traurig aus; von einer Andacht, einer Wurde, einer Ordnung ist an vielen Orten wenig Spur. Hier öfters zeitgemäße Anordnungen zu treffen, wäre heilsamer als die Revisionen der Schächtmesser, der Mazzmaschinen, die Untersuchungen der Mikwahs, der Erubim, was der fromme Mann zu seiner Lebensaufgabe gemacht zu haben scheint. Melsungen, Prov. Hessen, 29. Oct. (Privatmitth.) Ein seltenes Fest wurde heute hier begangen. Die israelstische Gemeinde feierte sdas 50jährige Dienstjubiläum ihres Lehrers Müller, der während dieser langen Zeit hier thätig war. Es hatte sich zu diesem Zwecke schon vor längerer Zeit ein Comits gebildet, welches die nöthigen Einleitungen hierzu traf, und diesem ist es zunächst zu danken, daß eine so schöne und umfangreiche Feier begangen wurde. Das Fest begann mit einer Synagogalfeier, der sämmtliche Behörden und Geistlichen hiesiger Stadt beiwohnten. Die Festrede bei derselben hielt Herr Landrabbiner Dr. Adler aus Cassel und machte dieselbe bei allen Anwesenden einen erhebenden Eindruck. Mit großer Geschicklichkeit wurde von ihm über Schule und Volksbildung gesprochen, ganz besonders auf das Schulwesen und den Bildungsgrad der Israeliten in früherer und jetziger Zeit hingewiesen. Wie die Stellung der Juden durch ihre Schulbildung bedingt wurde und wie durch die Vernachlässigung der Schulen in früherer Zeit, ein so nachtheiliger Einfluß auf das Ansehen der Juden ausgeübt wurde. Der kirchlichen Feier folgte ein Festmahl, woran sich außer den hier wohnenden Israeliten viele Lehrer und Beamte hiesiger Stadt sowie israelitische Lehrer aus der Umgegend betheiligten. Verschiedene Toaste würzten des Wahl. Der eine galt des Königs und der Königin Majestäten. Eine freudige Stimmung bemächtigte sich aller Festtheilnehmer und war hierbei eine selten gesehene Harmonie zwischen Juden und Christen wahrnehmbar. Man tauschte gegenseitig die Gedanken aus und kam zur Ansicht, daß das Fest einen guten Eindruck auf die allgemeine Volksstimmung haben würde. Der Abend vereinigte die Frauen sind Jungfrauen zu einem Tanzvergnügen, dem einige wohlgelungene theatralische Vorstellungen vorangingen, und so schloß dieses Fest spät nach der Geisterstunde zur Befriedigung aller Festtheilnehmer, denen es noch nach späten Jahren eine angenehme Rückerinnerung bleiben wird. Dem Jubilar, der sich trotz seiner 72 Jahre einer körperlichen und geisttgen Rüstigkeit zu erfreuen hat, wurde seitens der Gemeinde eine Dotation von er. fünf Hun-

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