Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1867)
- Date
- 1867-11-12
- Page
- Seite 928 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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m an R>, ob er sich in Bezug auf de» zweiten Antrag ebenso, wie beim ersten, der Zustimmung des Ministeriums vergewissert hätte. Die Antwort, die R. gab, war charakteristisch und lautete: „Gerade der Herr Redner weiß, daß, so lange ich die Ehre habe, diesem Hause anzugehören, ich in meinen Abstimmungen und Handlungen nur ausgehe und ausgegangen bin von den Interessen des Landes, und kein anderes Interesse war für mich je maßgebend." Bei der fortgesetzten Berathung des Staatshaushaltsetats zollt er der Telegraphenverwaltung am 12.December seine volle Anerkennung und giebt am Tage darauf als Berichterstatter Aufklärung über die Verwaltung der Seehandlung, deren Resultat er als glänzend bezeichnet. Am 9. Januar 18 6 7 erklärt er sich in einer ausführlichen Beleuchtung des Gegenstandes gegen den Gesetzentwurf der Regierung, betreffend die Pflichten der vereidigten Makler, und hält es im Jntereffe des freien Verkehrs, das sich schon längst überlebte Institut der vereidigten Makler vollständig aufzuheben. Am 26. Januar endlich empfiehlt er als Berichterstatter den Commissionsantrag, in dem deutsch-österreichischen Handelsverträge eine wesentlich geringere Tarifirung des Rohmaschinengarns herbeizuführen. Es war eine reiche und heilvolle Thätigkeit, welche R. in dem Landtage entwickelt hatte, und als dieser am 9. Februar geschlossen wurde, befand sich R. gerade auf der Höhe seines parlamentarischen Ansehens. Was Wunder, wenn er in dem darauf znsammentretenden bereu henden norddeutschen Reichstag wiederum seinen Platz einnahm, auf welchen ihn die erste direkte, irr geheimer Abstimmung vollzogene Wahl seines treuen Reichenbach- Waldenburgcr Wahlkreises berufen hatte! Er gehörte hier zu der Fractiou der Natioualliberalen, die unter Anerkennung der vollzogenen geschichtlichen Thatsachen auf den gegebenen Grundlagen die Einheit Deutschlands zu Macht und Freiheit Herstellen wollen. In diesem Betracht hatten sich die Nationalliberaleu bereits gegen das Ende des letzten Landtages von der Fortschrittspartei getrennt, der dadurch die überwiegende Mehrzahl ihrer Mitglieder verloren ging. R. half im Reichstage die Verfasiung des norddeutschen Bundes gründen, für die er später am 31. Mai in dem zusammenberufenen außerordentlichen preußischen Landtage stimmte. Wir schreiben diese Zeilen wenige Tage nach der Wahl zum zweiten norddeutschen Reichstage und registriren mit Bedauern, daß Reichenheim's Name diesmal nicht aus der Wahlurne desjenigen Wahlkreises hervorgegangen ist, desien Glanz und Ehre er 9 Jahre hindurch gewesen. Allein wir wissen, daß Reichenheim eine bedeutende und anerkannte Kraft im Parlament ist, und vertrauen, daß das Volk, das diese Ueberzeugung mit uns theilt, sich solche Kraft zu erhalten bestrebt sein wird. — Potsdam, im September 1867. Dr. Tobias Cohn. Kuriosum. Von einer verschollenen, dann immer wieder auftauchenden Bekanntheit, R. Hirsch Dänemark, der einmal die Rolle eines Hellsehers spielen wollte, erzählen die Wiener Blätter aus den jüngsten Tagen folgendes Stückchen. Ein auf Gastrollen hier anwesender Künstler, dessen Name auch zu den „Berühmtheiten" gezählt wird (er ist mehr durch einen witzigen Ausspruch Saphir's bekannt, welcher ihn statt Rabbi Hirsch Dänemark, Rabbi Hierschnorrwegen genannt wissen wollte), fand sich am verflossenen Freitage in einem hiesigen Wechselgeschäfte ein und fragte daselbst um den Chef der früher bestandenen Firma Arnstein und Eskeles. Man bedeutete dem als Supplikanten auftretenden Künstler, daß diese Firma weder hier, noch überhaupt als solche am Wiener Platze bestehe, sondern daß er sich im Geschäfte der Firma T. befinde. Er fragte nun den Hauptbuchhalter M., ein Comptoirmitglied, das bereits sechzehn Jahre in diesem Wechselhause servirt, ob Herr 36. der Chef des Hauses anwesend sei, worauf denn M. zur Antwort gab, daß auch dieser augenblicklich nicht zu sprechen wäre. Ueber diesen Mißerfolg seiner künstlerischen Mission ergrimmt, wendet sich Rabbi Hierschnorrwegen zum Gehen, indem er prophetisch in die Worte ausbricht: „Ich gehe wegaber auch Sie werden in 36 Tagen weg sein, nicht nur von hier, sondern auch von dieser Welt" .... Der Buchhaltungsbeamte, eine ohnehin ängstliche Natur, sah sprachlos dem fürchterlichen Propheten nach und konnte sich bisher noch kaum fassen, er wurde durch den lebhaften Schrecken nicht unbedenklich krank und hat am Tage darauf, wie er selbst ungescheut erzählt, sein Testament gemacht. Minder ängstliche Leute haben Herrn M. die trostreiche Versicherung geben können, daß weder die unheimliche Prophezeiung, noch die ausgestandene Angst das Leben des Furchtsamen auch nur um eine Minute verkürzen werde. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzigs— Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze.