Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1867)
- Date
- 1867-11-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 45 31.3chr»a»g. Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von - Rabbiner Br. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 5. November 1867. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Dienstag», in 2 bi» 2'/2 Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2Thlr. Vierteljährig 1 Tlstr. Silscrate werden mit 1 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Rußland. — Die Mortarafälle in Galizien. — Skizzen aus Holland. VII. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Bonn. Oesterreichischer Kaiserstaat: Prag. Donausürst enthü me r: Bukarest, Bonn. Korrespondenz r Monatsberichte aus Ungarn. III. Feuilleton-Beilager Gallerte von Abgeordneten jüdischen Glaubens. — Kleine Betrachtungen. Leitende Artikel. Bonn, 27. October. Rußland. Die russischen Juden stehen jetzt abermals vor einer Wandelung der über ihr Schicksal entscheidenden Gesinnung, die, wenn sie sich bethätigen sollte, die traurigsten Folgen für sie haben würde und die deshalb in ihren Keimen schon aus's Nachdrücklichste bekämpft werden muß. Mit der Thronbesteigung Alexanders II. ging den weit über anderthalb Millionen zählenden Juden im ruffischen Reiche ein neuer und glücklicher Tag auf. Es wurden jene erdrückenden Ausnahmegesetze des voraufgegangenen Regiments theils beseitigt, theils gemildert, es wurden ihnen zum Theil die Provinzen eröffnet, aus denen sie bisher ausgeschloffen gewesen, es wurden ihrer studirenden Jugend die Staatscarrieren gewährt. Die russische Presie, der die kaiserliche Regierung eine größere Freiheit gestattete, war im Allgemeinen dieser allmäligen Befreiung von niederdrückenden Beschränkungen und' Ausnahmen günstig und zollte den Maßnahmen der Regierung nicht nur ihren Beifall, sondern verlangte auch den weiteren Fortschritt. Alles dies, was doch die Verhältnisse der ruffischen Juden dem westlichen Europa näher zu bringen vermochte, scheint sich gegenwärtig geändert zu habe». Bis jetzt waren es die Stimmführer — wir meinen nicht allein die publicistischen — in den vorzugsweise deutschen Ostseeprovinzen, welche den Bestrebungen für die Emancipation einen unveränderlichen Judenhaß entgegenstellten. Seitdem aber nicht blos das russische Nationalitätsprincip, sondern auch der Panslavisinus mit einem ungeahnten Vigor erwacht ist und sofort jenen Fanatismus angenommen hat, welcher solchem Principe alle Gerechtigkeits- und Billigkeitsliebe, alle geschichtliche Einsicht, alles Verständniß in den natürlichen Gang der Dinge raubt, ist eine merkbare Wendung auch in den Verhältnissen der Juden abermals eingetreten. Ausschließungs- und Verfolgungssucht macht sich von Neuem geltend, und weil, mit einem Male die Juden zu russificiren, d. h. zu Russofanatikern zu machen, unmöglich ist, möchte man sie mit Stumpf und Stiel ausrotten, und da dies ebenfalls unmöglich ist, beginnt man abermals jenes Spiel der Anklagen, Verdächtigungen, Beschimpfungen, Ausschließungen nnd Unterdrückungen, und zwar nicht blos durch die Trompeten der russischen Journale, sondern auch — und dies ist am beklagenswerthesten — durch hochgestellte Beamte. Die bessere Be-