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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-22 · Heft 43 (22.10.1867) · p. Seite 865

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 43 (22.10.1867)
Date
1867-10-22
Page
Seite 865 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Femlleton-seilage \\i Nr. 43. Leipzig, den 22. October 1867. Aus den Papieren eines jüdischen Seelsorgers. (Schluß.) Ueber ihren Häuptern verfinsterte sich die Lust; es wurde wie Nacht über ihnen. Mit furchtbarem Geheul kam die sengende Windsbraut von Süden her, und mitten durch rasselte es und klirrte durch die Luft, wie von zahllosen Ketten, die zusammengeworfen wurden. Der Sturm, da er keine Wälder zu entwurzeln, keine Mauern zu stürzen, keine Dächer herabzureißen hatte, hob Berge von Sand von ihren Stätten und trug sie dahin, wirbelte sie umher oder schleuderte sie in die Tiefen. Welches wird das Schicksal dieser ohnmächtigen Menschen sein? Werden sie von der Gluth erstickt? oder von Sandhügeln verschüttet, die der nächste Samum wieder weitertragen und das ausgetrocknete Gebein der Verschütteten zu Tage legen wird? Der Wüstenwanderer gewahrt auf seinen Wegen oft genug diese Zeugen plötzlichen Untergangs. .. Wenige Minuten und die Windsbraut war vorübergezogen, ihr Heulen verlor sich in die Ferne, das Geprassel erlosch, der Gluthstrom hörte auf, die Finsterniß wich, die Sonne strahlte wieder lauter und golden vom tiefblauen Himmel herab. Alles war vorüber. Die Araber sprangen in die Höhe und schüttelten den Sand von ihren Gewändern, und wischten den Strub von ihren Gesichtern; auch ihre Roffe thaten es, und wieherten heftig, um Mund und Nüstern frei von Sand zu machen. Da erhob sich auch Amalie, sie blickte um sich, sie besann sich, da sah sie auf ihren Vater, er lag regungslos. „Vater, Vater!" rief sie, „erhebe Dich, stehe auf, wir sind gerettet, Gott hat uns . .." Sie stürzte zu ihrem Vater hin, der sich noch immer nicht bewegte, sie hob sein Haupt auf und rief mit herzerschütternder Stimme: „Vater, mein Vater, was machst Du?!" . . . Aber seine Augen blieben geschloffen, seine bleichen Lippen zusammengepreßt, seine Glieder bewegungslos. Ihr Jammergeschrei rief die Araber herbei; sie hoben Gottheil in die Höhe, sie rissen ihm die Kleider auf, und der Eine befühlte seine Brust und rief: „Er lebt noch, sein Herz schlägt, aber Eile thut Noth, Wasser, Wasser!" — Die Anderen blickten sich um, wie am sich zu orientiren. „Der Jordan muß nahe sein," sprach der Aelteste, „Sa>d, reite hinüber und hole einen Schlauch Wasser!" — Der Angeredete warf sich auf sein Roß, schlug dem edlen Thiere die Stachel seines Steigbügels tief in die Weichen, und wie ein Vogel raste es über die Wüste dahin. Bald war er hinter einem Hügel verschwunden. Amalie saß auf der Erde, und hielt den Oberkörper und den Kopf ihres Vaters in ihrem Schoße. Sie rang die Hände, ihre Lippen stammelten Gebete, ihre Augen stierten auf das fahle Antlitz des Greises, ob der Athem auf seinen Lippen wieder zu spielen beginne. Die Araber hatten ein Zelttuch von dem Gepäck geholt und über Amalien und ihren Vater aufgeschlagen. Minuten nach Minuten verrollten und bäuchten der einsamen Gruppe in der Wüste wie Ewigkeiten. Keiner getraute sich, ein Geräusch zu machen, einen Laut von sich zu geben, als wenn dadurch das geheime Werk des Lebens in der Brust des Daliegenden gestört, zum Stillstand gebracht würde. Der alte Araber faßte wiederholt nach dem Herzen des Greises, beugte sich dann über ihn, und rief: „Allah sei gelobt, Er athmet wieder! O Wasser, Waffer!" — Ein Schrei des Entzückens entrang sich dem Munde Amaliens, aber der Araber bedeutete sie, still zu sein und sich nicht zu regen. So verging eine halbe Stunde in tödtlicher Angst. Da tönte es von Osten her, wie Huffchlag, noch kaum hörbar, aber die Araber riefen: Er kommt! Und Said kam; schnell sprang er vom Pferde, das fast zusammenbrach, er riß den Schlauch vom Sattel und ließ das Wasser auf das Antlitz Gottheil's fließen. Ach, es war warm, das Wasser des Jordan, das gelbliche Wasser des heiligen Flusses, aber vor der Gluth der Sonne und dieses Sandes, und für das kochende Blut in den Adern des Pilgers ist es kühl und erquickend. Eine Stunde später hatte sich Gottheil erholt. Einige Tropfen Wein hatten seine Lebensgeister erfrischt und die unbegrenzte Freude seiner Tochter regte sein Gemüth auf. Sie durften hier nicht lange verweilen. Man hob den Greis auf sein Maulthier, und an jeder Seite ging ein Araber, um ihn zu stützen. Noch eine Stunde und man war auf die Höhe gelangt, deren Abfall den Thaleinschnitt bildet, in dessen Mitte in einer nochmaligen Bodensenkung der Jordan fließt. Einige hundert Schritte südwärts und man wand sich um eine Felsenecke, und —

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