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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-08 · Heft 41 (8.10.1867) · p. Seite 825

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 41 (8.10.1867)
Date
1867-10-08
Page
Seite 825 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Zu-enthums. Femlleton-Geilage M Nr. 41. Leipzig, den 8. October 1867. Ans den Papieren eines jüdischen Seelsorgers. l Fortsetzung.) Gegen Ende des Märzmonates — etwas spät für den Orient — waren die Vorbereitungen fertig und begaben sich die Beiden auf die Reise. Wohl hatte sich der Bruder Amaliens zu deren Reisegefährten statt seines Vaters angetragen; aber der alte Gottheil wollte hiervon nichts wissen. Wohl mochte er seine beiden Kinder nicht auf ein Mal den Gefahren der Reise aussetzen; aber er sagte, daß er vor Unruhe vergehen würde, wenn er seine geliebte Tochter nicht stets unter seinen Augen hätte. Dafür übernahm der Sohn mit ganzem Eifer das väterliche Geschäft und erwies darin seine ganze Tüchtigkeit und Pflichttreue. Der Winter war zuerst sehr rauh und kalt, dann überaus milde und dabei trocken gewesen, und in seinen sonderbaren Witterungsverhältnissen war jetzt zum ersten Male Schnee gefallen und zwar in großen Massen. Dies hielt die Reisenden noch einige Male auf; bald jedoch kamen sie aus den schneebedeckten Fluren in sonnige Gefilde, und vom Meere her schnob ihnen der warme Thauwind entgegen, der auch die Heimath bald zu einem ganz veränderten Anblick wandeln mußte. Ich habe hier nicht die Reise meiner Freunde zu verfolgen und zu beschreiben; auch fehlen mir die Angaben hierzu, denn ihre Briefe kamen in großen Zwischenräumen, deuteten mehr an als sie beschrieben und beschäftigten sich vorzugsweise mit sich selbst und ihren Lieben in der Heimath. Sie fuhren zunächst von Triest nach Alexandrien, von da nach Jaffa. Bis dahin war ihre Fahrt eine sehr günstige; mit jedem Grade, den sie sich dem Süden und Osten näherten, beschwingte sich die Seele Amaliens immer mehr, und eine hohe Seligkeit erfüllte ihr Herz. Sie streckte alle Fühlfäden ihres Geistes nach der Ferne hinaus, die vor ihr lag; sie fühlte im Voraus die Erfüllung aller ihrer Ahnungen, aller ihrer Sehnsucht und glaubte der höchsten irdischen Herrlichkeit entgegen zu gehen, darum die höchste, weil sie zugleich eine heilige, vom Geiste Gottes umschwebte sei. In solcher Stimmung kam sie an die Küste des langerstrebten Landes heran. Hier aber erfuhren sie die ersten Widerwärtigkeiten. Der Sirocco schwoll zum Sturme an, das Meer wurde unruhig und wild, und dicht vor dem Hafen von Jaffa konnte das Schiff tagelang wegen der Enge und Gefährlichkeit dieses wenig sicheren Hafens nicht einzulaufen wagen. Es mußte hin und her kreuzen, bis es endlich eine günstige Stunde einer Windstille benutzen konnte. Von Jaffa schlossen sich die Beiden einer größeren Reisegesellschaft an und kamen nach Jerusalem. Aber welche beschwerliche Reise hatten sie zurückznlegen! Nicht die ungewöhnliche und mühselige Fahrt an sich auf der wenig gebahnten Straße, die über so viele steile und zackige Felsen, durch Schluchten und Hohlwege ging, mehr noch die ganze traurige Beschaffenheit des Landes strengte sie übermäßig an und drückte ihre Stimmung herab. Sie hatten es sehr unglücklich getroffen. Syrien litt unsäglich an einer furchtbaren Dürre. Der Frühregen war ausgeblieben, der Spätregen nicht eingetroffen. Seit Monden wölbte sich ein eherner blauer Himmel über das Land, auch der Nachtthau fehlte; eine glühende Sonne goß vom ersten Morgenlichte an ihre sengenden Strahlen herab, bis sie sich in die Wellen des Oceans tauchte. Die Winterbäche waren längst versiegt; von den wenigen bleibenden Wassern zeigten sich nur noch verschwindende Adern im Kieselbett; die Cisternen waren ausgetrocknet oder mit Schlamm gefüllt, selbst viele Brunnen versagten ihren Dienst. Die Fluren waren versengt und glichen braunen Heiden; auf den Feldern sah man nur vereinzelte und verdorrte Halme, die wenigen Wälder hatten all' ihr Laub verloren! Die ganze Landschaft glich einer Einöde, in welcher nur hier und da ein verschmachtender Mensch, eine düstere Jammergestalt, austauchte und langsam dahinschwand. Das waren traurige Eindrücke, welche im Verein mit den Mühsalen, die der Marsch bei solcher Hitze und auf solchen Straßen bewirkt, die Geister wie mit einem düsteren Schleier umgeben und der Gedanken wie der Empfindungen fast berauben. Aber man langte doch auf der letzten Höhe vor Jerusalem an, und mit dem ersten Blick, den man auf diese geheiligte Stätte mit der ganzen Gier der Seele warf, war Alles vergessen, was dahinter lag. Der Geist schüttelte mit einem Male alle Bürde ab, die auf ihm lastete, und schwang sich in einem Hochgefühle zur

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