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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-10-01 · Heft 40 (1.10.1867) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 40 (1.10.1867)
Date
1867-10-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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31. J-chrg-ng. Allgcmei n t _M 4V Zeitung des Zndenthnms. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 1. October 1867. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 2 bis 2'/r Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig '»Thlr. Biertel'ährig i Thlr. Inserate werden mit l*/2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Sühne nach dem Begriff des Judenthums. — Die Schweiz und die Juden. — Literarischer Wochenbericht: Neu Verbaß. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Oeftelrr eich i sch er K a i se r fta a t: Krakau. Donaufürftenthümer: Jassy. Frankreich: Paris, Mülhausen. Amerika: New-Nork. Korrespondenz: Monatsberichte aus Ungarn. II. Feuilleton-Beilage: Aus den Papieren eines jüdischen Seelsorgers. — Eine Judenhochzeit in Gibraltar. — Eorrespondenz. — Notiz. Leitende Artikel. Bonn, 29. September. Die Sühne nach dem Begriff des Hudenthums. (Fortsetzung.) Die Apologeten der christlichen Lehre von der Sühne und Sündenvergebung behaupten zuerst: „Die Idee, daß Jemand stellvertretend für einen anderen leiden könne, d. h. von Gott gestraft werde, ist an vielen Stellen des Alten Testaments ausgesprochen." Hierdurch wollen sie erweisen, daß der Gedanke des Sühnopfers der sei, daß das Opferthier den Sünder vertrete, für ihn den Tod erleide, und dessen Schuld dadurch gesühnt werde; und dieses wieder führe unmittelbar zu dem Dogma von der durch die Leiden und den Tod Jesu für alle Gläubigen bewirkten Sündenvergebung, welche letztere daher denen, die nicht daran glauben, überhaupt nicht gewährt werden könne. Fassen wir daher zuerst diese Idee, daß Jemand stellvertretend für einen Anderen leiden könne, ins Auge. Vor Allem müssen wir hier auf das Wort „stellvertretend" ein großes Gewicht legen. Daß Jemand für einen Anderen leiven könne, d. h. daß die Folgen einer bösen Handlung oft auch auf andere ganz unschuldige Menschen sich erstrecken, ist keine bloße Idee, sondern eine tägliche Thatsache. Die Verhältnisse der Menschen unter einander sind so eng verknüpft, daß es nur sehr wenige Handlungen, vielleicht gar keine geben kann, deren Wirkungen nicht mehrere Menschen, oft ganz unbetheiligte treffen müssen. Daß also der Eine sündigt und der Andere dadurch leidet, geschieht immerfort. Dies erstreckt sich sogar von Geschlecht auf Geschlecht. Der Vater, der seine Habe verschwendet, läßt seine Kinder in Armuth schmachten. Wer ehrlos handelt, beschimpft seine Familie, so daß also die Kinder von den Folgen der väterlichen Sünde zu ihrem großen Leiden betroffen werden. Welche unermeßliche Leiden können über ganze Völkerschaften durch die Handlungen ihrer Herrscher gebracht werden. Erwägen wir dies genauer, so erkennen wir in dieser Ordnung der menschlichen Dinge einen zwiefachen Zweck. Einentheils gereicht dieses Leiden Anderer dem Sünder oft zur schärfsten Strafe, mehr, als wenn er unter den Folgen seiner That selbst litte, gereicht uns zu strengster Mahnung, weil eben Andere an unseren Werken betheiligt sind; anderentheils liegt in dem Leiden jedes Individuums, mag es dieses selbst, oder mögen Andere es verursacht haben, stets ein Selbstzweck für dieses Individuum, den wir zu erkennen vermögen, oder der uns, wie so Vieles im Leben, verborgen bleibt. Eö

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