Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1867)
- Date
- 1867-09-24
- Page
- Seite 788 (sequence 20)
- Language
- German
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788 Stimme zu: „Gehen Sie, gehen Sie, Sie haben hier Nichts mehr zu suchen." Der Jüngling schlug die Hand vor die Stirn, Thränen entstürzten seinen Augen, er eilte hinaus. (Fortsetzung folgt.) Correspondenz. VI. Srics eines Chinesen. Sin Änlcturnier. Allah ist groß! Gott verläßt seine Chinesen nicht. Wenn ein allgemeiner Gedankenwaffenstillstand sich einstellt und wenn für Jedermann die Quellen der Plauderei versiegt find, hat der Chinese immer Ueberfluß. Was wollen Sie! Umsonst lebt man nicht in Paris, dem großen Menscheuocean, wo Kaiser sich auf dem Boulevard begegnen und wo Könige sich aneinanderdrängen. Von Herzogen und Fürsten spricht man gar nicht mehr, und Minister, Hof- und Staatsräthe läßt man gewöhnlich an sich Vorbeigehen. Ja, die große Weltausstellung hat uns brüderlich an einander gereiht; wir sind alle unter ein und demselben Glasdach. Unsere Glaubensbrüder sind da gut vertreten und sehr vielen sind Medaillen und Decorationen verliehen worden. Ihr Correspondent hat Ihnen schon von hebräischen Handschriften in der portugiesischen Abtheilung gesprochen und ich darf noch einen sehr schönen rs-is, welchen H. Hietel aus Leipzig ausgestellt, nennen. Die englische Mission hat jüdische Alterthümer aus dem Jahre 5627, vorsündfluthlich, und einen Theil von einer Thorarolle aus einer chinesischen Gemeinde, die mich als Patriot besonders angeht. Jemand sagte mir, daß auch die Genesis von Hirsch ausgestellt sein soll; ich habe aber in allen Privat- und Staatsnarrenhäusern, die sich auf dem Marsfelde befinden, gesucht, und dieses treffliche Werk nirgends gesehen. Vielleicht ist es zu spät erschienen, als daß die Commission sich nur einen Begriff von den neuen Forschungen, wie sie Kirchheim trefflich in seiner „neuen Exegetenschule" (S. 35—40) behandelt hat, machen kann. Aber ich kann dem jüdischen Leserkreise die freudige Nachricht bringen, daß der Exodus dieses Werkes schon fast fertig sein muß, denn die englische Mission hat mit dem Plane des Tempels in Jerusalem nach Hirsches Angaben im Exodus, wahrscheinlich auch auf Lautverwandtschaften mit der Frankfurter orthodoxen Synagoge gestützt, die Ausstellung beglückt. Was der Horebmann mit der Mission zu thun hat, ist ein Kabbalisteugeheimniß, seine Handlungsweise spiegelt sich in seinen Werken ab. Auch hier sind Mysterien und versteht kein Mensch was davon. Ihm sind die Christen lieber als die Pantheisten Gabirol und Spinoza; was Wunder, daß auch die christlichen Juden ihm lieber sind als die jüdischen 2^5. Aber was man sagen muß, Politik hat der gute Rabbi und er versteht sein Publikum. Uly demselben zu schmeicheln, weiß er das Wort von 2772 oder 212 Anhöhe abzuleiten; wahrscheinlich um zu zeigen,daß mwi-D höhere Wesen sind. — Doch bin ich ja ganz vom Thema abgekommen und höre ich schon manchen brummen: das ist der echte Chinese, er verspricht uns ein Käseturnier zu beschreiben und tischt uns einen Hirschbraten auf. Nun komme ich zurück und falle mit der Thüre ins Haus. „Der allbekannte (Woso? Gemach, ich citire den Bericht der hies. jüdischen Akademie, präsidirt von dem berühmten Verfasser des hebr. Wörterbuches, eine schlechte Uebersetzung des Manuale von Gesenius) MizwothVerkäufer in der hiesigen Consistorialsynagoge, Autor des französ. Mram das an Geschmack und Styl mit der Familien bibel wetteifert (doch möchte mich bedünken,daß sie beide.), der weltberühmte Uebersetzer der Psalmen, eine Uebersetzung, so, daß wenn David sie gekannt hätte, er gewiß sein Original dem Scheiterhaufen preisgegeben hätte, der Herausgeber der von den Großrabbinen approbirten Uebersetzung der Gebetbücher der beiden Ritus, der Hagadah, des Ez hachajim (Rituale am Todtenbette); dieser unermüdliche Gelehrtes?) hat auch noch Zeit gefunden seit 18 Jahren einen mb dem französischen Judenthum zu schenken (eine Redensart, er wird um einen Franken verkauft), welches monumentarisches Werk (sic, verzeihen Sie mir dieses Plagiat, mein lieber St.) wir gewiß mit allem Pompe gerühmt hätten, wenn der Autor nicht die unglückliche Idee gehabt hätte, den Genuß des Käses als Dessert nach einem Fleischmahle zu erlauben. Wir wissen nicht, fahrt der Präsident der hiesigen Rabbinerschule fort, welches Milchweib dem Herrn Ben Baruch Crehange die unglückliche Idee gegeben hat, den Käse als Fleischspeise zu erklären, da doch jeder Schüler (die doch gewiß nicht die gelehrtesten sind) unseres Seminars vom Gegentheil überzeugt ist. Wir protestiren mit unserem Stillschweigen (autographirter Sitzungsbericht v. 21. Tischri 1866; vgl. über diese Sitzung Cat. lil>r. hebr. von Br. Steinschneider, Berlin 18611. Was giebt es stärkeres als den Löwen, was süßeres als den Honig, sagt Simson; was ist nahrhafter als Fleisch und was ist angenehmer als Käse, sagt Ben Baruch. Diese chemischeMischung kann nur dieDenkungskraft fördern und den segensreichsten Einfluß auf die jüdisch-geistige Idee haben iBen Baruch hat auch Moleschott studirt, quel gönie!). — Nun sage mir noch Jemand, unser Jahrzehnt sei ein armes, wenn man solche Ideen behandelt sieht. Frankreich hat aber keine Parteien im Judenthume, sagen die hiesigen Rabbinen nütStolz, und fromage a la creme soll kein Schisma Hervorrufen; deswegen bleibe Ben Baruch immer Synagogensekretär, wenn er auch da nach Käse riecht. — Aber Israel ist nie verwaist! Der Redacteur des Libanon nimmt sich der Gottessache an. Wahrlich, nicht aus purem Egoismus, denn der arme biedere Gelehrte, der alle Unterstützung verdiente, ist froh, wenn er entweder Fleisch allein oder Käse allein aus seinem Tisch findet. Ich fürchte, weine Parenthesen haben zu sehr ermüdet und verspare ich mir die Beschreibung des Kampfes für später. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze.