Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1867)
- Date
- 1867-09-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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31. Jahrgang. Allgemeine _A! O" Zeitung des Zudeuthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»» in Bonn. Leipzig, den 3. September 1867. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 2 bis 2'/» Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit IV2 Ngr. für die'Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Eine allgemeine jüdische Synode. — Literarischer Wochenbericht: Berlin. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Frankfurt a. O., Hamburg. Oe st err'ei ch isch e r Kaiserstaat: Wien, Lemberg. D o n aufürstenthümer: Bukarest. Frankreich: Paris. Correspondenzr Bericht über die Conferenz der isr. Lehrer Rheinlands und Westfalens zu Hamm am 12. u. 13. Juni. Feuilleton-Beilage: Aus den Papieren eines jüdischen Seelsorgers. — Kuriosa. Leitende Artikel. Bonn, 25. August. Eine allgemeine jüdische Synode. Herr Professor A. Franck in Paris, Bicepräsident des israelitischen Central - Consistoriums von Frankreich, Mitglied des Instituts von Frankreich, auch in Deutschland durch seine Schrift über die Kabbalah (1843) rühmlichst bekannt, hat uns durch Herrn Dr. Grätz, der vor Kurzem Paris besucht hat, mitgetheilt, daß einige hervorragende Glaubensgenossen in Paris mit der Idee sich beschäftigen, wo möglich eine allgemeine jüdische Synode in Paris zu bewerkstelligen, und uns aufgefordert, uns anzuschließen und unsere Gedanken darüber auszusprechen. Wir hätten gewünscht, es wäre uns bereits etwas Bestimmtes und Formulirtes vor gelegt worden. Doch Männer wie Franck und Grätz, wenn sie einen Gedanken als den ihrigen bezeichnen, müssen jedenfalls Beachtung erhalten,, und wir haben uns noch niemals einer Idee entzogen, welche für das Judenthum von Bedeutung werden könnte und Lebenskraft zu besitzen scheint. Auch ist es vielleicht besser, daß sich Stimmen über diesen Plan verlautbar machen, bevor Etwas bestimmt und formulirt ist, damit die Angelegenheit keinerlei Einseitigkeit verfalle. Prüfen wir daher diesen Gedanken. Eine Synode, was ist das? Das Wort bezeichnet an sich eine Zusammenkunft, eine Versammlung, hat aber, ebenso wie das Wort Synagoge, einen religiösen Charakter bekommen, so daß es eine Zusammenkunft zur Berathung über religiöse, die Religion betreffende Fragen bedeutet. In einigen Ländern ist das Wort auf bestimmte, vom Staate organisirte Versammlungen, ja selbst kirchliche Behörden angewendet worden. Abgesehen hiervon hat Synode den Sinn einer freien Versammlung in religiösen Dingen behalten. Selstverständlich kann daher eine „allgemeine jüdische Synode" nnr eine freie Versammlung von Juden, mögen diese Rabbinen, Prediger, Lehrer oder nicht, Theologen von Fach, von Liebe zum Studium oder keine Theologen sein, zur Berathung religiöser Angelegenheiten des Judenthums bedeuten. Bevor wir nun die Art und Weise einer solchen Synode erwägen können, müssen wir uns zuvor den Zweck derselben klar machen, um hieraus für ihre Beschaffenheit eine Anleitung zu gewinnen. Bis vor ungefähr einem Jahrhundert bildeten alle Bekenner des Judenthums — das kleine Bruchstück der Karäer ausgenommen — eine völlig einheitliche Masse, soweit diese auch zerstreut, in wie viele zahllose, größere und kleinere Theile sie auch zersprengt war, Diese Einheit beruhete in der