Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1867)
- Date
- 1867-08-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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31. Jahrgang. Allgemeine M 35- Zeitung des Zudcnthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 27. August. 1867. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 2 biS 2>/» Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2Thlr. Vierteljährig iThlr. Inserate werden mit Vj2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für Leide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. leitende Artikel.: Ein Moment der Ruhe. — Analekten. Literarischer Wochenbericht: Frankfurt a. Main. Zeitungsnachrichten: D ent sch l and: Gnesen. Oe st erreicht sch er Kaiserstaat: Wien. Donaufürstenthümer: Bukarest, Jassy, Bukarest. Türkei: Constantinopel. Correspondenzr Monatsberichte aus Ungarn. I. Feuilleton-Beilage: Aus den Papieren eines jüdischen Seelsorgers. — Kant's Briefe an Moses Mendelssohn. — Notiz. Leitende Artikel. Bonn, 18. August. Lin Moment der Nuhe. Die Menscheuwelt erfreut sich in diesem Augenblicke einer allgemeinen Ruhe, wie es seit langer Zeit nicht gewesen, und dessen wir uns deßhalb um so mehr bewußt werden müssen. — In Amerika ist der Kampf zu ^nde. Welches auch die Streitelemente in der Union ww, die noch ausgeglichen werden müssen: die völlige Durchführung des Prinzips der Gleichheit anch für die ^acen, das richtige Berhältniß der gestärkten Cemralüewalt zu der Selbstregierung der einzelnen Staaten, sie. werden sich durcharbeiten und sind nicht mächtig genug, um einen neuen blutigen Zusammenstoß hervorzurufen; auch die neuerdings durch das Vorrücken der Ansiedlungen gegen Westen wieder ^aufgetauchten Händel mit den Indianern bieten einen bedrohlichen Charakter nicht. In Mexico ist soeben der Versuch, den französischen Cäsarismus über den Ocean zu verpflanzen, gescheitert, und wenn auch voraussichtlich dieses Land noch viele Parteikämpfe zu bestehen haben wird, bevor es zu einer ruhigen Entwicklung gelangt, so scheint sich doch für den Augenblick die Lage der Dinge günstig zu gestalten. Auch zwischen den südamerikanischen Staaten und zwischen diesen und Spanien ist der Kampf zum Stehen gekommen. In Asien ist soeben der Friede zwischen Rußland und dem Chan von Buchara geschlossen worden; die Franzosen haben, um sich Ruhe zu verschaffen, die drei südlichen Provinzen von Cochinchiua besetzt; China und Japan selbst befreunden sich mit dem Aufenthalteder Fremden immer mehr. In Afrika scheint es mit der Herrschaft des abyssinischm Tyrannen zu Ende zu gehen. Und in Europa? Die letzten Sturmwolken sind für den Augenblick vom Horizonte verschwunden, und selbst der Kandiotische Aufstand scheint sich seinem Ende zuzuneigen. Die Massen ruhen, oder werden nur für die Arsenale zugerichtet. Europa kann einmal wieder seinen Janustempel schließen. Allerdings sind wir weit davon entfernt die Bürg schäften eines ewigen, ja nur eines dauernden Friedens zu besitzen. Es giebt nur wenige Staaten, die nicht eine Achillesferse haben, welche leicht verwundbar ist, und aus deren Verletzung ein heilloser Streit sich erheben kann. Hat doch selbst Großbritannien, das soeben in imposanter Ruhe eine bedeutende Reform bewerkstelligte, seine irischen Fenier und die vulkanischen Erschütterungen in Indien. Frankreich birgt in seinem Innern den