Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1867)
- Date
- 1867-08-20
- Page
- Seite 688 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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688 Gebrauche, welche die jüdische Religion vorschreibt. Die Wirthin schöpfte Verdacht: sollte sie eine Christin fein? Angelo Soria und seine angebliche Frau wurden durch ihren Wirth bei der Inquisition denuneirt, alle beide wurden gefänglich eivgezogen. Mit leichter Mühe brachte man die Frau zu dem Geständniß, daß sie Elisabeth Fransens (oder Franses) heiße und aus Brüssel sei; daß sie Christin wäre und feit sieben Jahren mit dem Juden lebe. Eines Tages, als sie aus einer Kirche in Löwen trat, redete Soria sie an und begleitete sie unter zärtlichen Worten nach Hause. Man sah sich wieder; erhalte Gelegenheit gefunden, sie in ihrer Familie zu sehen; er hatte ihr versprochen', Christ zu werden und sie zu heirathen. Sie war schwach gewesen und war aus dem väterlichen Hause geflohen, Angelo Soria durch Europa auf Geschäftsreisen folgend. Sie drängte ihn immer, sein Versprechen zu halten, sich zu bekehren und sie zu heirathen, aber Soria verschob immer in weitere Zukunft die Einlösung dieser beiden Schulden, die er gern umgehen wollte; und die Eine war die Bedingung der Andern, denn gemischte Ehen waren nicht gestattet. Unterdeß hatte sie zwei Töchter gehabt, die gegen den Willen Soria's getauft waren, und sie folgte ihm, ihn liebend und für seine Sicherheit fürchtend, so daß sie sich willig als Jüdin ausgab. Welchen Roman durchlebten diese beiden Wesen, die Alles von einander zu trennen schien, die Gesellschaft, die Vorurtheile der Nation und der Religion l Und auch die Dekrete der Kirche, die den Juden jeden intimen Verkehr mit den Christen untersagten. Angelo Soria erfuhr es zu seinem Schaden. Elisabeth Fransens wurde mit ihren Kindern nach Belgien zurückgesandt, und nun begann gegen Soria eine lange Procedur. Es wurde mit den Geistlichen Brüssels und Löwens correspondirt, um die Geschichte der Verführung zu erfahren, es wurden Erkundigungen über Angelo Soria in den Städten, durch die er bei seinem Handel gekommen, eingezogen; es wurde endlich das Gerichtsverfahren eingeleitet. Angelo Soria war im Februar 1712 eingezogen worden; am 21. Juli 1713 erklärte eine Consultation von Aerzten, daß das Gefängniß Soria's ungesund sei und daß seine Gesundheit bereits beschädigt sei. Das Gerichtsverfahren nahm seinen Verlauf. Am 14. December desselben Jahres bestätigte eine neue neue Consultation der Aerzte, daß die Gesundheit Soria's in Gefahr sei durch die Beschaffenheit seines Kerkers. Das Gerichtsverfahren nahm seinen Verlauf. Am 3. Mai 1714, dritte Consultation der Aerzte: Soria's Gesundheit ist vernichtet. Das Gerichtsverfahren nahm seinen Verlauf. Endlich, im Januar 1715, wurde er zu 7 Jahren Galeeren verurtheilt; er mußte außerdem der Elisabeth Fransens eine Ausstattung geben und seinen Töchtern Alimente zahlen. Wenn die Aerzte wahr berichten, hatten die Galeeren des Papstes einen schlechten Ruderer gewonnen und Angelo Soria kehrte bald in den Schooß Abrahams zurück. Kuriosa. Deputation bei dem Sultan in Wien. Von Wien schreibt man (30.Juli): Sonntag Mittags unmittelbar nach Empfang des diplomatischen Corps seitens des Sultans, empfing Se. Maj. eine Deputation der türkischen (israelitischen) und griechischen Gemeinde. Dieselbe wurde vom türkischen General-Consul Herrn Dumban geführt und bestand aus dem Obmann der türkischen Gemeinde Herrn Israeli und einigen Vorstehern. Als die Deputation im Vorsaale angelangt war, wurde dieselbe dem Sultan gemeldet und dann in den Thronsaal eingeführt. Der Sultan näherte sich der Deputation, deren Mitglieder einzeln durch den hiesigen türkischen Gesandten dem Sultan vorgestellt wurden. Als der Sultan zu dem Vorsteher der Gemeinde, Herrn Israeli, kam, erwähnte dieser, daß es bei den Israeliten Gebrauch ist, beim Anblick eines Monarchen einen Segensspruch zu sprechen. Dem Sultan wurden diese in französischer Sprache gesprochenen Worte sofort durch den Minister Fuad Pascha übersetzt, er nickte freundlich, worauf der Rabbiner vortrat und den Segen über den Sultan aussprach. — Als Se. Maj. sich den Herren näherte, welche die Adressen in Händen hielten, fragte er, was das bedeute, wor-auf ihm erwidert wurde, es seien dies die Begrüßungsavressen, welche die jüdisch-türkische und griechische Gemeinde Wiens ihm überreichen wollten. Der Sultan nahm die Adressen dankend entgegen und sagte mit leutseliger Herablassung: „Ich bin hocherfreut, meine Unterthanen in Wien um mich zu sehen und sie empfangen zu können, ich war stets überzeugt von Ihrer Anhänglichkeit und Freundlichkeit." Hierauf sprach der Sulnoch mit den einzelnen Mitgliedern der Deputation und entließ dann dieselben mit freundlichem Gruße. Ferner schreibt man aus Wien: Im Tempelgebäude (Stadt, Seitenstättengasse) wurde Nachts in den im zweiten Stock befindlichen Localitäten der Jsraeliten-Gemeinde und zwar an nicht weniger als fünf bis sechs Kassen -an jener der Hauptkasse und an solchen verschiedener Wohlthätigkeitsvereine) ein Einbruch versucht. In allen Kanzleien fand man heute früh die Spuren des versuchten Einbruchs; glücklicherweise konnte jedoch keine der Kassen geöffnet werden, und so waren die bedeutenden Geldsummen, in der Gemeindekasse allein bei 30,000 fl., gerettet. Der Einbrecher muß, wie alle Anzeichen beweisen, ein mit sämmtlichen Localitäten und den Verhältnissen sehr vertrautes Individuum gewesen sein. Es wurde sogleich die Anzeige an die Behörde erstattet und sind die umfassendsten Nachforschungen zur Eruirung des Verbrechers eingeleitet worden. Verlag von Baumgärtners Buchbcrndlrrng in Leipzig. — Druck von Z. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze.