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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-08-06 · Heft 32 (6.8.1867) · p. Seite 648

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 32 (6.8.1867)
Date
1867-08-06
Page
Seite 648 (sequence 20)
Language
German
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648 soll ich sie nennen? Wie ferner die entsetzliche Grellheit dieser Farben, oder die Ungeheuerlichkeit der Körpergestalten, wie endlich die bunte Menge von Amuletten und Symbolen des Aberglaubens bezeichnen, welche dort verfertigt umherlagen? Ich schaute diesen geheimnißvollen Künstlern zu. Wahrhaftig man möchte sagen, sie machten Götter für das Volk, wie einst Homer und Hesiod die Götter gemacht haben. Mit diesem Blick in eine Fabrik neapolitanischer Heiligen, in dies lange, tiefe, schauerliche Zimmer glaubte ich einen Blick in die Religion des Volks selbst gethan zu haben, und ich gestehe, ganz verwirrt, ganz ekel ging ich hinweg und schöpfte wieder auf dem Molo Athem, als mein Auge auf die ewig reine, ewig klare, heilig große Natur fiel. Nein, der Mensch ist nicht wie sie, ist nicht wie die Natur, die ihn umgiebt; würde er denn sonst im Anblick dieses Meeres, dieses Himmels und dieser Berge so abscheuliche, kleine, beflitterte Puppen anbeten können?" In Nr. 28. hatten wir an dieser Stelle eine Bemerkung über die „Römischen Skizzen" No. IV. von Ad. Stahr in der „Nat.-Ztg." gemacht. Das Ende der eiterten Skizze veranlaßt uns, es hierherzustellen. Es heißt da von den Pierlevni's: „ „Und heute, was ist heute übrig von diesem stolzen, mächtigen Geschlechts, das sich noch im sechszehnten Jahrhunderte rühmen durfte, mit dem kaiserlichen Hause der Habsburger Oesterreichs verwandt zu sein, die sich lange durch diese Verwandtschaft mit den römischen Pierleoni geehrt fühlten, „bis sie voll Abscheu entdeckten, daß sie in diesem Falle ihre Ahnen im Ghetto Roms zu suchen hätten?" — Nichts als eine Grabinschrift mit ihrem mosaicirten Wappen, dem springenden geschachbretteten Löwen und drei Querbalken, den der Geschichtschreiber des Mittelalters der Stadt Rom an einem der Begräbnißorte der Pierleoni, vor der Kirchthüre von S. Angelo in Pescaria, unweit des Ghetto auffand. Ihre Paläste sind verschwunden und aus ihren stolzen Burgthüren sind Wohnhäuser der Armuth geworden, in derer verwüsteten Räumen heute die nahe wohnenden Juden des Ghetto ihre Büffel schlachten und ihre Lumpenmagazine aufsantmeln, gerade so wie am Fuße der Kaiserpaläste, am Westabhange des Palatin, jetzt in den gewölbten Hallen Lumpensammler ihre Vorräthe aufspeichern. „So sank die Stätte eines Geschlechts von stolzen Senatoren und Consuln der Römer durch wunderbare Ironie wieder in den Schmutz seines Ursprungs zurück, und auf jener Stelle, wo im Schutze der jüdischen Emporkömmlinge der berühmte Past starb, welcher die Kreuzzüge predigte, wo aus den Pierleoni selbst ein Papst hervorging, sammeln und häufen wieder Juden Lumpen auf, gleich den Ahnen des Petrus Leo und Anaklet II. Es ist als rächten sie so noch heute den Abfall jenes Geschlechts von ihrem Volke."" — WelchePhrasendieser schönrednerischen deutschen Schriftsteller! Die Juden, welche ihre Lumpenmagazine in den Ruinen des Pierleonischen Palastes haben, sollen sich rächen wegen des Abfalls dieses Geschlechts! Was wissen diese Leute von dem seit 300 Jahren begrabenen Geschlecht, besten Urahn vor 700 Jahren Christ geworden! Diese Autoren müssen doch einen rachedurstigen Geist haben, daß sie den Juden solche langathmige Rachegefühle insinuiren können! Nein, nein! wenn irgend eine Lehre hierin liegt — keine Rache, — eine einfache Lehre, so ist es dies: nicht der Glanz und der höchste Rang dieser eiteln Welt schützt vor Untergang und Sturz; was aber unsterblich macht, das ist die Treue, die Ausdauer, die Consequenz! Der purpurbekleidete Senator und Consul verschwindet—aber der Lumpen sammelnde Jude bleibt. Und darum ist auch die andere Phrase „von dem Schmutz seines Ursprungs", eben so hohl. Das wollen liberale, sogar demokratische Schriftsteller sein! Ob der Lumpen sammelnde Jude so viel „Schmutz" hat und ist, wie oft in den Palästen der Consuln, Senatoren und noch höher, viel höher hinauf zu finden ist, möchte manchmal sehr leicht zu beantworten sein. Die Geschichte spricht sehr deutliche Rede darüber. Unter uns — selbst ttt den Häusern von Schriftstellern ist oft viel „Schmutz", und nach ihrem „Ursprung" mag ich nicht immer suchen! Aus lvicn schreibt man: Der Oberküchenmeister des Sultans, welcher schon vor mehreren Tagen in Schönbrunn eiugetroffen ist, um die nothwendigen Vorbereitungen für die Küche des Großherrn zu treffen, hat sich bereits mit dem hiesigen Hofflcischhauer und den sonstigen Lieferanten des Hofes ins Einvernehmen gesetzt, damit diese den Bedarf von Thieren vorräthig haben, welche für die Tafel des Sultans benöthigt werden. Nach den mahomedanischen Speisegesetzen ist den Gläubigen, gleich den Bekenuern des Judenthums, nur der Genuß der sogenannten „reinen Thiere" gestattet, und muß auch das Schlachten dieser Thiere nach bestimmten, vom Koran vorgeschriebenen Gesetzen vollzogen werden. Da jedoch unter dem großherrlichen Küchenpersonale sich ein solcher „Schlächter" nicht befindet, so wird, wie wir erfahren, das Schlachten der für den Tisch des Sultans bestimmten Thiere von einem jüdischen Schlächter besorgt werden, und zwar deßhalb, weil die betreffenden jüdischen Vorschriften jenen der mahomedanischen nahezu ganz gleich sind. Ferner erhielten die Hoflieferanten den gemessenen Auftrag, alle jene Thiere, welche zur Tafel des Sultans bestimmt sind, vor der Schlachtung in lebendem Zustane jedesmal dem Oberküchenmeister vorzuführen, damit diese der vorschriftsmäßigen Beschau und Prüfung unterzogen werden können. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lvtze.

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