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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-08-06 · Heft 32 (6.8.1867) · p. Seite 630

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 32 (6.8.1867)
Date
1867-08-06
Page
Seite 630 (sequence 2)
Language
German
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680 bensmittel, ist das der fast sichere Tod. Glücklicherweise wurden die Ausgesetzten von den Türken, welche theils wegen der bulgarischen Unruhen, theils auch wegen schon öfters stattgefundener ähnlicher Deportationen, ihre Ufer schärfer bewachen, bemerkt, aufgegriffen und am folgenden Freitage bereits halb verhungert wieder hergeschafft und der hiesigen Hafenwache überliefert. Diese zählte nicht, sei es geflisientlich oder zufällig, die Häupter ihrer Lieben, und bemerkte auch nicht, daß bereits Einer fehlte, welcher inzwischen ertrunken war; ob drüben im Sumpfe, oder unterwegs in der Donau, ist unbekannt. Bis Sonntag wurden die Uebrigen hier in Haft gehalten, reichlich durchgeprügelt und mit der raffinirtesten Grausamkeit zu den ekelhaftesten Arbeiten verwendet, dann auf Befehl des Präfecten abermals an das türkische Ufer geschafft, diesmal aber, weil das rumänische Fahrzeug von den türkischen Wachen bedroht und am Landen verhindert, im Wasser, das ihnen nahezu bis an den Hals reichte, ausgesetzt. Die Türken, die nun ein für allemal sich die Deportirten Rumäniens nicht aufbürden lassen wollen, waren mit ihrer Barke gleich bei der Hand, zogen die Unglücklichen aus dem Waffer und ruderten sie wieder herüber. Unsere Hafenwache, bei solchen und ähnlichen Umständen stets voller Courage, widersetzte sich der Landung und die Türken entledigten sich ihrer unseligen Ladung — jedoch erst nach einem von ihrem hiesigen Consul eingeholten Aufträge — ganz in derselben Weise, wie vorher die Rumänen, unweit des Ufers im Wasser. Die armen Leute, von den Türken ins Wasser gestoßen, von den moldauischen Soldaten unter Aneiferung ihrer Vorgesetzten mit gefälltem Bajonnete und Steinwürfen vom Ufer verscheucht, fanden eine Zeit lang, trotzdem, daß diese fürchterliche Scene am Mittage stattfand, trotz den vielen naheliegenden Fischerbarken und der ziemlich zahlreichen Zuschauermenge, wegen der drohenden Haltung der entmenschten Soldaten, keine rettende, helfende Hand. Erst nachdem zwei der Unglücklichen, vom Strome erfaßt, ertranken, wagten es einige griechische Barkenführer, den herumwatenden, wie wilde Thiere gehetzten Menschen heimlich ihre Ruderstangen hinzuhalten, und sie so dem nahenden Tode zu entreißen. Auch die Soldaten, vielleicht über ihre eigene Unmenschlichkeit entsetzt, gaben endlich Ruhe, und es blieben die acht Jammergestalten, von Schlamm und Koth bedeckt, von der Sonnenhitze versengt, halb todt am Ufer liegen. In ihrer Nähe spielte die Strömung mit der Leiche eines Ertrunkenen, die bald nach der Katastrophe aufgesischt und ohne vorhergegangene Belebungsversuche mit einem Stricke an einem Ankertau festgebunden wurde. Ein grauenerregender Anblick! Bald wurde dieser schauderhafte Vorfall stadtkundig. Viele der angesehensten hiesigen Juden eilten sogleich an Ort und Stelle, um sich von der Wahrheit dieser unerhörten Menschenjagd zu überzeugen. Die Consulatc wurden alarmirt, und begab sich auch der österreichische Consul ungesäumt zum Hafen. Er wußte durch rühmenswerthen Eifer und besondere Energie dem moldauischen Hafen-Commandanten zu imponiren und ihn zu zwingen, die noch immer im Schlamme liegender. Juden wie auch die Leiche ans Land bringen zu laffen. Nach dem zweiten Ertrunkenen wurde inzwischen vergeblich gesucht. Die Ueberlebenden wurden anfänglich wieder ins Gefängniß gebracht, dann aber freigegeben. Sie liegen nun in Folge der erlittenen Mißhandlung und ausgestandenen Strapatzen, mit dem Tode ringend im Judenspital. Es gelang dem österreichischen Consul v. Kremer, unter eifriger Mitwirkung des Herrn Metaxa, Agenten der Donaudampffchifffahrt-Gesellschaft, genaue Erkundigungen über den ganzen Vorfall, hier sowohl, als auch am türkischen Ufer einzuziehen. Nach dieser Erhebung erklärten sich auch die anderen Consuln zu gemeinschaftlichen Schritten gerne bereit. Dem Vernehmen nach sind auch schon von Allen genaue Berichte an ihre respectiven Regierungen abgeschickt worden. Die jüdische Commune hat sich gleich der Jaffyer telegraphisch an die Herren Cremieux und Rothschild in Paris, Herren Montesiore in London, Kuranda und Winterstein als Reichsraths-Abgeordneten in Wien gewendet und ihre Depeschen vorsichtshalber in Orsova aufgeben lassen; auch dem Fürsten wurde von den Juden dieses traurige Ereigniß telegraphisch nach Jaffy verkündet, der aber wohl schwerlich diese Depesche zu, Gesichte bekommen wird, wenn sie überhaupt gar von hier befördert wurde. Wie unser Correspondent aus Jassy meldet, hat Fürst Carl die Depesche in dem Momente erhalten, als sich eben eine Anzahl von Israeliten, die er zur Audienz befohlen, bei demselben befanden. Er theilte die Botschaft den Anwesenden mit; sie rief unter denselben eine solche Entrüstung hervor, daß einer sich zu dem Ausrufe Hinreißen ließ: „Der Tod dieser zwei Menschen möge auf Bratiano's Haupt zurückfallen!"

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