Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1867)
- Date
- 1867-07-30
- Page
- Seite 625 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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tut öreslau sch isikalienrg sowie nt Tabor. Preis an den emplare md leicht )en Beriten tragan; bcen Stile dieselben und ge- Buch- Confirwie bei Einband. )ven Min; religiösen :s Judenargesleüt. geselligem athschlägc rung und treffliche >ffen, an Allgemeine Zeitung -es Zndemthums. Femlleton-Leilage zu Rr. 31. Leipzig, den 30. Juli 1867. Gallerte von Abgeordneten jüdischen Glaubens. 12. Dr, Adolf Fischhof. Es war nur eine kurze, aber um so bewegtere Zeit, in welcher der genannte, ebenso als Arzt wie als Mensch ausgezeichnete Mann eine politische und parlamentarische Rolle zu übernehmen gehabt. Einige Zeit hindurch lag das Schicksal Wiens, und so vielleicht des Kaiserstaates in seiner Hand. Wir können eine Schilderung dieser Wirksamkeit von völlig unparteiischem Standpunkte nicht besser als in der Weise geben, wie sie unmittelbar nach den Ereignissen in Nr. 19 u. 20 des Jahrgangs 1849 dieser Zeitung erschien, und schließen hieran die weiteren Notizen. Dr. Adolf Fisch Hof ist zu Alt-Ofen am 8. December 18! 6 geboren. Die Petition, in welcher die Forderungen des österreichischen Volkes niedergelegt waren, war in den Köpfen einiger Mediciner entsprungen, welche sich in einer abgeschlossenen Gasthausstube bereits seit Monaten zu vertraulichen Besprechungen zusammengefunden hatten. Auf der Universität schloffen sich dieser Petition bald alle Studenten an, und sie wurde im Namen der Universität von Professor Hye dem Kaiser am 12. März überbracht. Aber die Jugend wollte die Beantwortung derselben nicht der Willkühr der obersten Gewalthaber oder dem büreaukratischen Schneckengange überlassen. Am Vormittag des 13. März zog daher die Studentenschaft in geordneten Reihen zum Landhaus in die Herrengasse, wo die niederösterreichischen privilegirten Stände eben zusammengetreten waren und ebenfalls eine Adresse um dringende Reformen beriechen. Der Hof des Ständehaufes war bald von den Studenten und einer beträchtlichen Anzahl von Bürgern angefüllt. Ein dumpfes Murren zog durch die ganze Menge — man wußte nicht, wie man die Verbindung zwischen den erlauchten Herren da oben und dem Volke da unten Herstellen sollte, das Bewußtsein der polizeilichen Allmacht fesselte noch die revolutionären Gemächer. Noch fehlte das zündende Wort, um die lang' verhaltene Glulh des Volksunwillens zur Hellen Flamme anzufachen. Endlich wurde ein Mann von zwei Studenten auf die Schultern gehoben, seine nächste Umgebung gebot Ruhe, und der kühne Reder ließ aus seiner bewegten Brust das erste, freie Wort in Oesterreich ertönen. Er erklärte die großartige Bedeutung des Momentes, ermahnte vor Allem zur Einheit zwischen den versammelten Bürgern, wie zwischen den Völkern Oesterreichs in ihrem gemeinsamen Streben nach Freiheit, dann verkündigte er die einzelnen Forderungen des gesetzlichen Fortschrittes, Preßfreiheit, Lern- und Lehrfreiheit, Religionsfreiheit, Generalstände, Volksbewaffung, und löste endlich die Fessel, welche bisher den Mund jedes Einzelnen geschlossen hielt, indem er mit dem Rufe: Nieder mit Metternich, die Parole des Tages gab. Der Redner war ein Mann in den Dreißigen, von stattlichem, etwas corpulentem Wüchse, das Gesicht voll, mit schönen, milden Zügen, und verständigen, treuherzigen Augen, braunem Bart- und Kopfhaar. Mit einer edlen Begeisterung, in einfacher, aber kräftiger Sprache wußte er die gerechten Ansprüche des Volkes klar zu machen und beseelte die ganze Versammlung durch deü Tort seiner volltönenden Stimme und den edeln Ausdruck seines Gesichtes und seiner Worte. Als er mit der Kraft eines patriotischen Gemüthes ansrief: „Wer heute nicht seine Pflicht thut, der gehört nicht hierher, der gehört in die Kinderstube!" brach die ganze Menge in lauten Jubel aus. Wenige Augenblicke später war der große Landtagssaal von Studenten und Bürgern angefüllt. Derselbe Redner trug den Ständen die Wünsche des Volkes vor und ermahnte sie zu raschem, energischem Handeln. Als der Landtagsmarschall Graf Montecucoli hierauf antwortete, daß sie eben mit der Abfassung einer Adresse an den Kaiser beschäftigt wären, und die Hoffnung aussprach, daß demnächst zeitgemäße Reformen eintreten würden, unterbrachen ihn viele Stimmen: „Keine halben Maßregeln, kein Zögern!" Die Menge, welche im Hofe und auf der Straße war, wurde indessen durch das Gerücht beunruhigt, daß Dr. Fischhof (dies war der erste Redner am 13. März) verhaftet worden sei. Verrath, tönte es von unten herauf, und erst als Graf Montecucoli mit Fischhof ans Fenster trat und das Volk mit dem Versprechen augenblicklicher Berathung der Volks- Petition beschwichtigt hatte, legte sich die Aufregung für eine kurze Zeit. Dann sollte eine Deputation von 12