Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1867)
- Date
- 1867-06-25
- Page
- Seite 525 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung -es Zu-euthums. Femlletm-öeilage zu Ar. 26. Leipzig, den 25. Juni 1867. Gallerte von Abgeordneten jüdischen Glaubens. 8. vr. Gustav Philippson. In der Skizze von Mannheimer's parlamentarischer Wirksamkeit wurde bemerkt, daß M. außer dem Rabbiner Mises der einzige jüdische Theologe gewesen, der bis jetzt in einer gesetzgebenden Versammlung gesessen. Es ist ein Jrrthum, denn auch vr. Gustav Philippson zu Dessau war wiederholt Mitglied des gesetzgebenden Landtages von Anhalt-Dessau, und damals ordentlicher Prediger des Hamburger Tempels zu Leipzig. Reihen wir ihn daher unmittelbar hier an. Gustav Philippson ist im Äahre 1817 in Dessau geboren. Sein Vater war ein armer Hilfslehrer an der Franzschule und die Mutter hatte der schwächliche Knabe nie gekannt. Den ersten Unterricht erhielt derselbe in der Franzschule, in welcher er bis zu seinem 15. Jahre verblieb. Schon frühe zum Lehrer bestimmt, wurde derselbe seit seinem 14. Jahre in dem in Dessau neu gebildeten israelitischen Seminar als solcher ausgebildet und erhielt bald daraus eine unbedeutende Hauslehrerstelle und kurze Zeit nachher das erste Gemeindelehreramt in Jeßnitz. Während seiner dortigen 4jährigen Wirksamkeit erwachte in ihm die Lust zum israelitischen Theologen. Durch Privatunterricht bei dem humanen Pfarrer dieser kleinen Stadt, durch Ausdauer und Energie, gelang es ihm, sich zu diesen Studien vorzubereiten, so daß der Plan 1836 in Ausführung gebracht werden konnte. Er studierte in Berlin Philosophie und trieb mit dem größten Eifer thalmudische Studien bei dem verstorbenen Rabbiner Ä. I. Oettinger. 1839 nahm er wieder eine Hauslehrerstelle in Teplitz an und ging von da nach Prag ebenfalls als Hauslehrer, um seine Studien theils in dieser alten Universitätsstadt, theils aber auch bei dem berühmten Rabbiner Rappoport, der ihn später zum Rabbiner autorisirte, fortzusetzen. In Prag war eigentlich die beste Gelegenheit geboten, sich israelitisch theologisch auszubilden. Wessely, Rappoport, Landau waren im blühendsten Wirken; der verstorbene Sachs begann hier seine erste Predigerlaufbahn, und wenn er auch nicht leutselig genug war, um jungen Candidaten den Weg zu erleichtern, so gab doch seine natürliche Beredtsamkeit, sowie sein homiletisches Talent Veranlassung zur Nacheiferung und Ausbildung. Ein Artikel in der Leipziger A. Zeitung wegen einer neuen Judensteuer veranlaßte die Entfernung Ph.'s aus den österreichischen Staaten, und er sah sich genöthigt wieder nach Berlin zu gehen. Ganz anders hatte sich während dieser Zeit das geistige Leben in Berlin gestaltet. _ Die Jung-Hegelianer verwirrten sich und Andere. Die jüdische Gemeide, die Jahre lang dem Jndifferentismus verfallen war, schien sich wieder erheben zu wollen. Man suchte den dortigen, einzigen jüdischen Gelehrten Zunz auf. Das Seminar wurde neu organisirt. Die Baruch Auerbach'sche Waisenanstalt wurde immer blühender, der in dieser an Sabbath- und Festtagen stattfindende reformirte Gottesdienst besuchter — aber die Gemeindeschulen nicht besser, und an einen Fortschritt im Leben der Synagoge war nicht zu denken, vr. Rubo war das belebende, oder besser gesagt erstarrende Element in der Gemeindeverwaltung. In dieser Zeit, 1842, ward PH. nach Dessau als Lehrer an der Herzogl. Franzschule von den damaligen Aeltesten berufen. Er wurde bei wöchentlich 24 Stunden mit 120 Thlrn. jährlich angestellt, und hatte zugleich die Aufgabe, da in der Gemeinde zur Zeit kein Geistlicher war, das Predigeraint gegen ein geringes Honorar provisorisch zu übernehmen. Schon früher sind einige belletristische Aufsätze in verschiedenen Zeitungen von ihm abgedruckt, z. B. Geschichtliches, iin Orient von vr. I. Fürst; in der A. Z. d. I. „Der Golem", eine Sage aus Prag; erst neuerdings ins Hebräische übersetzt. „Hat die Kanzelberedtsamkeit die Ironie zu verbannen", eine homiletische Frage; „Im Orient", eine Novelle, die Judenverfolgung in Damaskus betreffend, u. a. m. 1843 erschien in den deutschen Jahrbüchern für Wissenschaft und Kunst „Eine Kritik der Zudenfrage von Bruno Bauer." Ein leichtes Feuer eröffnete gegen diesen, wie es in der Philippsonschen Beurtheilung heißt, Gustav Philippson aus Desiau in einer kleinen, aber lebhaft und gut geschriebenene Broschüre, „Die Judenfrage von Bruno Bauer" näher beleuchtet. Dessau 1843.! ■' i