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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-18 · Heft 25 (18.6.1867) · p. Seite 508

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 25 (18.6.1867)
Date
1867-06-18
Page
Seite 508 (sequence 20)
Language
German
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508 Derne eigenen Thaten nicht das Richteramt über Dich durch ihre Folgen aus? Verliert der Verschwender nicht seine Habe, der Wollüstling nicht seine Kraft, der Betrüger nicht seine Ehre? Dann aber muß das Gesetz ein Führer und Richter zur wahren Freiheit, zur freien Entfaltung in . Wahrheit, Recht und Liebe sein, kein Gesetz nach der Willkühr Eines oder Einzelner, kein Gesetz zum Vortheil Eines oder Einzelner, kein Gesetz, das bald so, bald so ausgelegt und angewendet wird, kein Gesetz, das den Einen trifft und den Andern verschont! Wo kein Gesetz, da ist auch keine Freiheit, denn was da der Eine thut, beschränkt die Anderen Alle; und wo keine Freiheit ist, da ist auch kein Gesetz, sondern nur Zwang und Gewalt, die immerfort überlistet, früher oder später gebrochen wird. Ja, die Freiheit ist das edelste G ut des Menschen, seine Würde, sein Werth, und Gott selbst wollte ihn frei vor sich haben; aber das Gesetz und seine Hebung ist die höchste That des Menschen, denn in des Gesetzes Befolgung liegt die freie Selbstüberwindung, die vernünftige Hingabe eines Theiles um des Höhern, um des Ganzen willen! Und solch' ein Gesetz ist die Religion Israelis. Sie will die Freiheit, die Freiheit von den Banden des Unglaubens und des Aberglaubens, darum gibt sie die Lehre, aber sie sagt py-n „erkenne sie mit Deinem Verstände und nimm sie auf in Dein Herz;" die Freiheit von der Knechtschaft der Leidenschaft, des Lasters, der Sünde, darum giebt sie ihre Vorschriften, aber sie sagt: mran „siehe, ich lege Dir vor Leben und Tod, das Gute und das Böse, wähle das Leben;" sie will die persönliche Freiheit, die Freiheit des Gewissens, des Eigenthums, des Lebens, sie will den freien, aus dem Volke hervorgehenden und vom Volke getragenen Staat — aber all' diese Freiheit nur auf dem Grunde des Gesetzes, des unantastbaren, unverletzlichen Gesetzes. Und noch Eines. Die Freiheit sollte ausgerufen werden im Lande am „am Tage der Versöhnung." Denn "fürwahr! nur da hat die Freiheit Raum und Bestand, nur da geht sie nicht in Zügellosigkeit und Anarchie über, wo „Versöhnung" statt gefunden, wo das Unrecht ausgeglichen, wo sie nicht mehr der Kampfpreis streitender Parteien ist, sondern wo die Freiheit zum Gesetze, zum unantastbaren, unverletzlichen Gesetze geworden. Wohl, meine Freunde, so deutet uns auch hier das göttliche Wort das rechte Ziel an, wohin wir, wohin alle Zeiten und Geschlechter streben müssen, daß das religiöse Gesetz in uns immermehr die wahre Freiheit begründe und festige, daß es als sittliches Gesetz uns frei mache von Leidenschaft und Sünde, daß das politische Gesetz ein Gesetz der Freiheit, ein regelnder Führer und Richter der Freiheit werde, und uns dann mit tiefer Ehrfurcht und Treue erfülle! Dann ist das Jobeljahr der ganzen Welt gekommen, und es wird Freiheit ausgerufen für immer, auf der ganzen Erde, für alle ihre Bewohner! Amen. (Folgte das Gebet.) Kuriosa. Die englischen MissionsHesellschasten. Der Monat Mai ist die Saison für die verschiedenen religiösen Gesellschaften Englands. Gestern — erzählt die Englische Correspondenz vom 10. d. M. — tagten nicht weniger als fünf verschiedene Vereine, die sich, wenn auch auf verschiedenen Feldern, doch alle zu dem Zwecke gebildet haben, das englische Kirchenthum zu fördern und zu verbreiten.. Erstaunlich ist es, aus den Berichten zu ersehen, wie gewaltige Summen jährlich aus Sammlungen, Geschenken, Stiftungen u. s. w. für diese Angelegenheiten aufgebracht und verausgabt werden. So erscheint die „Londoner Missionsgesellschaft" mit einer Einnahme von 100,091 L. und Ausgaben im Betrage von 105,090 8. Sie beschäftigt sich mit der Ausbreitung des Christenthums im In- und Auslande und zählt, außer den englischen Geistlichen und Lehrern, 50 eingeborene Geistliche und 300 Kirchen unter den heidnischen Völkerschaften, sowie 3000 wirkliche Christen und 130,000 andere, die den Götzendienst aufgegeben und das Christenthum ihre Religion nennen. An sie schließ: sich mit einem Einnahme-Budget von 91,185 L. die „Gesellschaft zur Verbreitung des Evangeliums im Auslande", die zu ihrem Stabe in Indien, Ceylon, den englischen Colonien und fremden Staaten 2303 Geistliche der englischen Staatskirche zählt, wovon 517 ganz aus den Mitteln der Gesellschaft unterhalten werden. Weiter stoßen wir auf die „Britische Gesellschaft zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden", die eine Jahreseinnahme von 7140 L. nachwies. Der berichterstattende Sekretär dieses Vereins gestand zu, daß die Bekehrungen der Juden zum christlichen Bekenntnisse hinter den Erwartungen der Gesellschaft zurückgeblieben seien. Dieselbe hat 27 Missionare in England und über den Continent verstreut, die, wenn auch keine großen, so doch befriedigende Erfolge berichten. Einer derselben, der bei der Ausstellung stationirt ist, hat dort bereits 3000 Exemplare der heiligen Schrift, darunter 200 Exemplare in hebräischer, englischer, französischer und deutscher Sprache vertheilt. — Soweit die Englische Correspondenz, welche hierauf noch über die Vereine zur Bekämpfung des Katholicismus in England und auf dem Continente berichtet. Der in der obigen Mittheilung liegende Widerspruch, daß die Missionsgesellschaft mit der Judenbekehrung sehr unzufrieden, ihre Missionäre aber befriedigt sind, läßt sich leicht erklären. Jeder Missionär berichtet von seinen glänzenden Erfolgen, während der Vorstand der Gesellschaft, wenn er die wirklichen Ergebnisse zusammenstellen soll, die Geringfügigkeit des Resultats constatirt. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Di*. H. Lotze.

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