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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-18 · Heft 25 (18.6.1867) · p. Seite 505

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 25 (18.6.1867)
Date
1867-06-18
Page
Seite 505 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zu-enthums. Fenilletou-Leilage M Nr. 25. Leipzig, den 18. Juni 1867. Freiheit und Gesetz.*) Predigt, gehalten in der Synagoge zu Magdeburg am S. Behar, 25. Mai von Dr. Ludwig Philippson, emerit. Rabbiner. N2 ri^b ini^,der du Kraft verleihest dem Schwachen, dem Ohnmächtigen Stärke mehrest; ob Jünglinge ermatten, junge Männer straucheln: ms is'brp 'rr *mp die auf den Ewigen harren, erneuern die Kraft, sie erheben wie Adler die Schwingen, sie eilen, und werden nicht müde, sie wandern, und werden nicht matt—Amen." (Jes.40,30.31.) Andächtig Versammelte! Theure Gottesgemeinde! Als ich vor Jahren von dieser Stätte schied, da war das letzte Wort, das ich an Euch richtete, jener Ausspruch des Midrasch: narr« 'nbtt „der Segen Gottes, das ist die Liebe," die Liebe, die wir zu Anderen in unserm Herzen tragen, denn die beseligt uns, und die Liebe, die Andere zu uns im Herzen tragen, denn die beglückt uns. Und dieser Segen ward mir zu Theil. Denn wie ich die Gemeinde, der ich fast drei Jahrzehende meine Kräfte gewidmet, von der ich schied, nicht einem andern Rufe folgend, nicht um äußerer Zwecke willen, sondern weil ein schweres Leid mich dazu nöthigte, wie ich diese Gemeinde stets mit treuer Anhänglichkeit umfaßte, so bewahrte auch sie mir ihre Liebe über die Ferne und die Zeit hinweg. Das sprach mir der innige Gruß aus, den der hochachtbare Vorstand an mich richtete, bevor und nachdem ich diese altehrwürdige Stadt wieder betrat, das sprach das freudige Willkommen aus, das mir so Viele von Euch entgegen riefen. Und so lasset mich, th. Versammelte, vor Allem aus der Tiefe des bewegten Gemüthes Euch den herzlichsten Gruß entgegenbringen. An dieser Stätte wieder zu erscheinen, wie ich nicht geglaubt, noch einmal zu Euch zu sprechen, wie ick) es nicht gehofft, noch einmal so viele wohlbekannte, liebe Angesichte zu schauen, vor Euch stehend, Euch Allen im Geiste die Hand zu drücken — welch' ein Glück, welch' eine Herzenserhebung! Und doch, o warum sind sie nicht Alle da, die ich damals verlassen! warum wird in unseren Reihen ach! so Mancher vermißt, so manches theure und verehrte Haupt, ich schaue mich um nach ihm, ich frage nach ihm — sein Platz ist leer, *) In vor. Nummer gab eine Corresponden; die Veranlassung zu dieser Predigt an. Wir geben vielfacher Aufforderung nach, und veröffentlichen hier dieselbe. Red. sein Auge ist erloschen, sein Herz in Staub zerfallen, er ruht unter dem Rasen der Erde, er kehrt nicht wieder — mögen ihre unsterblichen Geister die heilige Urstätt' gefunden haben, in Frieden vor dem Ewigen leben — unser ist der Schmerz und die heiligende Erinnerung!... Meine Freunde! Das Leben steht nicht still. Es schlägt mit seinen Wellen über jede Lücke, die entsteht, wieder zusammen. Es giebt keine alte und keine neue Zeit, es giebt nur eine aus der Vergangenheit immerfort langsam und sicher vorrückende, und also die Zukunft vorbereitende Zeit. Dennoch, diese langsam vorrückende Zeit, welchen Wechsel, welchen mannichfaltigen Wandel bringt sie für den Menschen! Ein halbes Jahrzehend ist seit meinem Scheiden verflossen, wie Vieles, wie Verschiedenartiges ist uns darin begegnet. Wir Alle sind um ein halbes Jahrzehend älter geworden, haben viel erfahren, viel erlebt, erlitten, erstritten, gewonnen, verloren! Was ist seitdem an dem Himmel unsers Vaterlandes, an dem Himmel der ganzen Menschheit vor sich gegangen! Welche düstern Wolken und Stürme fuhren über uns hin, welche Kämpfe und — der göttlichen Vorsehung sei Preis und Dank — welche Siege! Siege der Freiheit über das Sklaventhum, wie jenseits des Ozeans, Siege der Kraft über die Schwäche, der Einigung über die Zersplitterung, wie in unserm Vaterlande! Und ist uns nicht eben wieder die Sonne des Friedens aufgegangen, eine Lenzessonne, die von düsteren Schatten verhüllt gewesen, daß wir frisch und frei wieder aufathmen aus der schwer beängsteten Brust?... Und was und wie viel nun im Schooße unserer Familien! Niemandem ist das Gleichmaß der Tage lange beschieden; wie Manchen hat der Wirbel des Geschickes ergriffen, und von der Höhe in die Tiefe, aus der Tiefe in die Höhe geführt; aber der täglichen Sorge, der täglichen Mühe gab es für Jeden immer und immer. O, wie würd' es mich beglücken, wenn, da ich diese Worte spreche, in recht Vielen von Euch freudige Erinnerungen aufstiegen, Gedanken glücklicher Tage, d.ie ihr Licht noch heute auf Euch werfen, und die Schatten sind gewichen, und die Thränen sind getrocknet!... Und dennoch, Ihr wisset es, ist das das Erhabene, das Göttliche im Menschenthum, daß mitten in diesem steten Wandel und Wechsel doch ein Bleibendes, ein Unwandelbares, ein Ewiges besteht, das, an sich immer gleich, nur darin sich verändert, daß es immer Heller und bestimmter,

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