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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-11 · Heft 24 (11.6.1867) · p. Seite 488

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 24 (11.6.1867)
Date
1867-06-11
Page
Seite 488 (sequence 20)
Language
German
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488 hebe ich die gehaltvollen Reden des ersten Gemeindevorstehers, des Herrn Banquiers Ahlenfeld, des gegenwärtigen Rabbinen Dr. Rahmer, des Vorsitzenden des Festcomites, Herrn Carl Friedeberg, des Gemeindevorstehers, Herrn S. M. Kaufmann, des Herrn Dr. Max Hirsch, des Herrn Carl Weil, des Rabbiners Dr. Michelis aus Köthen, des Kantors Nathanson, und vieler Anderer hervor. Nach den Ansprachen des Vorstehers Ahlenfeld und des Rabbiners Dr. Rahmer erwiderte der Dr. Philippson, und ich mache mir das Vergnügen, seine Worte hier mitzutheilen. Er sagte: „Geehrte Freunde und Freundinnen! Die Aufnahme, die Sie mir bereitet, die Ehre, die Sie mir bewiesen, die Liebe und Anhänglichkeit, die Sie mir bezeugt haben, sie bewegen, ja erschüttern mein Gemüth auf's Tiefste, und ich glaube kaum, in meinem vielbewegten Leben einen solch ergreifenden Moment erfahren zu haben. Unsre Weisen sagen: „Jede Liebe, die von einer Sache abhängt, ist diese dahin, ist auch die Liebe dahin; aber eine Liebe, die von keinem Gegenstände abhängig ist, sie währt auf immer." Und eine solche Liebe haben Sie mir bewährt, unabhängig von Amt, Raum und Zeit. Wie sollte ich Worte finden, Ihnen dafür zu danken? Lassen Sie mich einfach sagen: Gott segne Sie dafür! — Dennoch ist das Gefühl dieser Stunde in mir ein gemischtes. Einerseits erhebt es mich wie auf eine hohe Warte, von der aus ich mein vergangenes Leben als eine reiche Landschaft voll schwellender Kornfelder, schattiger und duftiger Waldung am Ufer eines mächtigen, befruchtenden Stromes erblicke; andrerseits drängt sich das Bewußtsein auf, daß diese Anerkennung weit über mein Verdienst hinausgeht, daß meine Leistungen lange nicht daran reichen, daß auch hier eine Verwechselung von Sache und Person stattsindet, so daß ich jener edlen Begeisterung, welche niemals aus den Herzen dieses uralten Stammes für die weltgeschichtliche Erscheinung seiner Religion schwindet, jener Begeisterung, welche Israel nicht blos in der arabischen^ Wüste, nicht blos in den geschichtlichen Wüsten des Mittelalters zu den höchsten Opfern beseelte, sondern auch mitten im Culturleben, mitten im Aufschwung des Weltverkehrs und der zersetzenden Kraft der weltlichen Zerstreuungen immer wieder wie eine lautere und leuchtende Flamme zum Himmel auflodert, daß ich dieser Begeisterung die Lichtstrahlen zu verdanken habe, welche in diesem Momente auf mich fallen. — Doch lassen Sie mich dies noch von einer andern Seite betrachten. Im Jahre 1883 war die israelitische Gemeinde Magdeburgs noch eine sehr junge Dame. Sie war kaum ausgewachsen, schlank und zart, aber ihr Antlitz trug schon schöne, bedeutungsvolle Züge. Sie hatte zwei Erzieher gehabt, Männer, vor deren Andenken noch heute Alle die größte Achtung haben, die sie kannten. Aber sie waren doch ältliche, bisweilen grämliche Männer. WaS Wunder, daß ein feuriger Jüngling wie im Sturme sich das Herz der jungen Dame gewann, mit Einer Predigt sie sich zu eigen machte. Sie verlobten sich, er als Prediger und Religionslehrer, nach einigen Jahren verehelichten sie sich, er als Rabbiner. Es war eine glückliche Ehe, die sie führten, und wenn auch hier und da, wie es überall vorkommt, ein kleiner Zwist entstand, wenn er irgend einen Fehlgriff that, wovor Niemand unter der Sonne sicher ist, oder sie eigenwillig und schmollend war, wie es ihr zu- und anstand, es war immer nur ein häuslicher Zwist, der die Grenzen des Hauses niemals überschritt, und bald schauten sie sich wieder Aug' ins Auge und erkannten die Liebe und Treue, die sie für einander beseelten, und Eintracht und Friede waren schnell wieder hergestellt. Doch auch dieser Verbindung schlug die Trennungsstunde. Nicht Hader, nicht Untreue von der einen oder von der anderen Seite war die Ursache der Trennung, sondern der Ausspruch des Geschickes, vor dem kein Widerspruch gilt. Was Wunder aber, daß in den Herzen der Beiden die Liebe und Verehrung zurückgeblieben, und sich über die Ferne und die Zeit hinweg voll Kraft und Lebens erhielten, und das erste Wiederzusammentreffen derselben auch die volle Gluth der Empfindungen wieder erwachen läßt. So ist es uns heute geschehen. — Eine Gemeinde aber verkörpert sich in ihren Vertretern und in ihrem Vorstande. Diese sind ihre Gewählten, und in ihren Händen stehen die Richtung, die Beschlüsse und die Ausführung. Und so lassen Sie wich neben dem Danke für all' Ihre Liebe und Güte, neben der Bitte, mir diese fort und fort zu erhalten, den innigsten Herzenswunsch aussprechen: die israelitische Gemeinde Magdeburgs in ihrer Gesammtheit wie in allen Einzelnen, ihre Vertreter und ihr Vorstand, sie leben hoch!" Dies ungefähr waren die Worte des geehrten Redners. Bei jedem Toaste, der ausgebracht wurde, erglänzte der Saal von bengalischen Flammen in wechselnden Farben, die von dem, den Saal umgebenden Garten aus in den Saalfenstern erstrahlten. Nachdem die ersten Toaste ausgebracht waren, erschien das Festcomits an dem Sitze des Dr. PH. und überreichte ihm mit einer passenden Ansprache seitens der Gemeinde ein Andenken an diese Stunde, bestehend in einem kostbaren silbernen Tafelaufsätze von zwei künstlerisch schön gearbeiteten großen Fruchtschalen, auf deren Schildern Widmungsworte eingegraben sind. Es war eine glücklich gelungene Ueberraschung für den Gefeierten, die an sich seinen Dank nicht steigern konnte, wohl aber als neuer Ausdruck der Werthschätzung seiner früheren Gemeinde ihm eine hohe Freude bereiten mußte. Gewiß sind alle Theilnehmer dieses Festes um eine schöne, dauernde Erinnerung reicher geworden. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur I-»'. H. Lotze.

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