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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-11 · Heft 24 (11.6.1867) · p. Seite 470

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 24 (11.6.1867)
Date
1867-06-11
Page
Seite 470 (sequence 2)
Language
German
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470 Die hiesige Judengemeinde hat sich telegraphisch und schriftlich nach Paris an Rothschild und Cremieux um Für-, bitte Hei der Regierung gewendet. Soweit die „N. ft. Pr." vom 2K. Mai. Wir haben , bereits in der vor. Nr. mitgetheilt, wie die französische,' österreichische und russische Regierung dagegen Einspruch erhoben haben. Das obige Telegramm zeigt den Erftlg. Es versteht sich von selbst, daß wir der Bukarester Regierung für diese Zurücknahme ihres Cirkulars nicht im Geringsten dankbar sind, da sie es nur auf Andringen der genannten Großmächte that, also nicht einmal mit der Erkenntniß ihres Fehltritts, und daß wir uns mit dieser Zurücknahme noch lange nicht beruhigen können. Die Bukarester Regierung hat auch eine Entschädigung für den vom dortigen Pöbel zerstörten Tempel versprochen, und sie bis heute nicht geleistet — daß Fürst Carl 3000 Dukaten aus seiner Privatschatulle gab, kann hierbei nicht in Betracht gezogen werden — viel weniger wird sie sich heranlassen, den beschädigten Individuen Ersatz zu geben. Ebenso wenig haben wir eine Bürgschaft gegen die Wiederkehr solcher Maßnahmen, oder doch gegen ein hartes Verfahren betreffs einzelner Juden, deren Klagen dann ungehört verhallen. Dies Mal ist vas Unerhörte geschehen, wenigstens in unserer Zeit Unerhörte, daß eine Regierung sich zu den brutalsten Gewatthaten herabläßt, sich auf gleiche Linie mit einem aufgehetzten Pöbelhaufen stellt. Denn wer die obigen Details liest, wird diese harte Anklage vollständig gerechtfertigt finden. Die Regierung der Donaufürstenthümer hat hiermit eigenhändig sich aus der Reihe der civilisirten Regierungen gestrichen und den persischen Paschas zugesellt. Jedermann fragt: wie kam diese Regierung hierzu? Wir befragten deshalb einen unparteiischen Christen, der vor Kurzem von einem Aufenthalte in Bukarest und Jassy zurückgekehrt ist. Er meinte: die Herren in Bukarest und ihre ganze Sippschaft seien Juden vielfach verschuldet und wollten sich auf diese Weise ä la Mittelalter ihrer Schulden entledigen. Dies trifft unserer Meinung nach nicht zu. Denn die Maßnahmen waren nicht gegen die paar reichen Juden, sondern gegen die Menge der armen Juten und gegen den gewerblichen Mittelstand gerichtet. Wenn die Regierenden so etwas beabsichtigt hätten, mußten sie vielmehr den Juden das Verleihen von Geld, den Christen das Leihen von Geld verbieten. Eine andere Version geben die österreichischen Blätter, welche den Vorgang als Manoeuvre gegen die Separatisten, d. i. diejenigen, welche die Wiedertrennung der Moldau und Walachei erstreben, so wie als die Vorbereitung zu einem, die Verfassung abschaffenden Staatsstreich ansehen. Dies hat Vieles für sich. Denn obgleich die Juden durchaus nicht zu den Separatisten und am wenigsten die „vagabondirenden" zu den Politikern gehören und Politik treiben so Miß man doch, daß in solcher Mißhandlung der Juden ein Buhlen um die Gunst des Pöbels enthalten ist, und daß man am leichtesten seine Macht in der Verfolgung eines wehrlosen Haufens zeigen kann. Jedenfalls war dieses Verfahren völlig gegen die Verfaffung. Wenn es auch der Verwaltung als solcher möglich war, die Gensdarmen ihr Spiel treiben zu lassen, so hatte sie doch ohne Zustimmung der Kammer nicht das Recht, Gesetzesvorschriften oder vielmehr Verbote in gewerblichen Angelegenheiten zu erlassen. Es war also ein Staatsstreich im Kleinen, der größere einleiten sollte. Da hat den» aber diese Regierung schlecht gewählt, denn sie hat ihre» Gegnern ihr Spiel vorzeitig aufgedeckt und mußte alsbald Retraite schlagen. Wie dem aber auch sei, die gegenwärtige Regierung hat den Geist verrathen, der sie beseelt — und das will eine radikale, eine freisinnige Regierung sein! Hat Fürst Carl um die Sache gewußt? Wir glauben es nicht. Nicht allein daß er hiermit der Gesinnung seines erlauchten Vaters völlig widersprochen hätte: er würde dadurch seinen mehrfachen eigenen Aeußerungen und Handlungen entgegengetreten sein. Jedenfalls hat sich aber durch diesen Vorgang abermals die gänzliche Verwirrung gezeigt, in welcher die gegenwärtige Regierung der Donaufürstenthümer sich befindet. Und wohin diese Verwirrung und Zersetzung führen muß, kann nicht zweifelhaft sein. Wir sagen nicht, daß jede an Juden geübte Gewaltthat sich rächt: aber insofern eine solche stets das Symptom der inneren Beschaffenheit des Uebelthäters ist, bewährt es sich stets, daß eine solche zur Auflösung, zum Sturze führen muß. Soeben erhalten wir die „patrie" vom 30. Mai. Dieselbe bringt ein Schreiben Cremieux' an die Redaktion über die Vorgänge in Jassy. Zunächst enthält dies zwei Telegramme der israelitischen Gemeinde von Jassy an Cremieux, welche die in unserm Blatte gegebenen Details bestätigen. In Folge des zweiten Telegramms suchte Cremieux eine Audienz bei dem ftanzösischen Kaiser selbst nach, die er auch am andern Mor-

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