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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-04 · Heft 23 (4.6.1867) · p. Seite 468

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 23 (4.6.1867)
Date
1867-06-04
Page
Seite 468 (sequence 20)
Language
German
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468 auf diese Auszeichnungen, da er im vorgerückteren Alter seine Kraft nicht zersplittern wollte. In der Nacht vom 17. zum 18. März 18(>5 verschied Mannheimer nach einem thaten- und segensreichen Leben. „Die pariser Äörsemnnnncr" aus Julius Rodenbergs „Paris bei Sonnenschein und Lampenlicht." (Leipzig 1807.) Die Wechsel- und Geldmakler sind eine freie Verbindung, in welche jeder Mensch eintreten kann und deren Zugänglichkeit hauptsächlich von den deutschen, und unter ihnen wiederum meistens von den Inden utilisirt wird, um mit einem Bogen Papier und einem Bleistift, als Tornister und Marschallsstab bewaffnet, ihren Einzug in die Carriere des pariser Börseulebens zu halten. Wenn es möglich wäre, jemand einen Vormittag auf dem Comptoir eines pariser Bankhauses zubringen zu lassen, ohne daß er weiß, in welcher Stadt er sich befindet : der würde gewiß überzeugt sein, er sei in Frankfurt oder in Hamburg. Die Elasticität, mit welcher dieses Völkchen sich in die Sprache und Erfordernisse des genannten Gewerbes oft ohne allen vorausgegangenen Aufenthalt in Paris eingewöhnt, ist erstaunlich. Mache man ihnen keinen Vorwurf aus dieser Gelenkigkeit, welche auf einem Fond geistig und sittlich ausgezeichneter Eigenschaften beruht. Der Hang, sich zu bereichern, erklärt die Thatsache nur halb und läßt obendrein die andere bestehen: daß die Deutschen, die sich im Jnlande gegen die Juden nicht gerade am zärtlichsten benehmen, im Auslände der Zahl und dem Werthe nach durch die Juden nicht am schlechtesten repräsentirt werden. Die Hälfte aller im Auslande hervorragenden Deutschen sind Juden; und diese Vertretung, nicht durch Wahl und Option, sondern durch Verdienst, nöthigt den Deutschen die Solidität um so mehr auf, als sie sehr vorteilhaft repräsentirt werden: einige der großen Philologen von Paris z. B. Munk, Breal, Deren bürg, Oppert, mehrere der großen Aerzte und fast alle die großen Bankhäuser sind Deutsche, sind Juden. Sie sind es, um immer nur von Paris zu reden, welche in den Spitzen der für die Deutschen berechneten Wohlthätigkeitsanstalten am stärksten vertreten sind, und einer von ihnen war es, „ein Herr, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das Elend nicht nur zu lindern, sondern im Keim zu ersticken," wie M. Eugene Aung in seinem beredten Disconrs gesagt — uns verbietet die Discretion nicht, ihn zu neunen: Herr Bischofsheim war es, der in der großartigsten, uneigennützigsten Weise jenes Musterinftitut, das „Athenee“ schuf, um für sich nichts als die Kosten, beu ganzen Gewinn aber für die Hebung des Unterrichts, die professionellen Schulen unterlag von Baumgartners Büchlwndlung Verantwortlicher Red bemittelter Mädchen zu haben. Hier soll eine glückliche Verschmelzung erzielt werden der Wissenschaft, der Literatur, der edlen classischen Musik und der Wohlthätigkeit. „Alle vier sind sehr wohlgeeignet, sich geschwisterlich die Hand zu reichen, denn sie haben sämmtlich einen gemeinschaftlichen Ursprung..." Dies das Urtheil eines der feinsten Redner von Paris über die Schöpfung eines Deutschen, eines Juden, welcher Chef eines der ersten Bankhäuser von Paris ist. — Die Cvulisse war die Permanenz des Börsenlebeus. Hier gab es nie Feierabend, beinahe niemals Nacht. Wenn das Kaffehaus geschlossen wurde, zog sich die Colonne auf die angrenzenden Boulevards und wogte dort, am dichtesten vor der Passage de Y Opera, auf und nieder. Mit dem den Franzosen eigenthümlichen Organisationstalent und Bedürfniß hatte die Coulisse sich eine Verfassung nach Analogie des Parquets gegeben, d. h. eine oberste Verwaltung, Syndikat genannt, und eine Veranstaltung für die Ausgleichung der Zeitoperationen «Liquidation). In jener Periode waren die Geschäfte der Coulisse colossal, die großen Coulissiers waren mächtige Häuser und genossen eines unbegrenzten Vertrauens. Einer der ersten Coulissiers damaliger Zeit, Haentjens, zog sich später zurück und sitzt heute als guter Imperialist im Corps legislatif. Er stammt eigentlich aus Frankfurt a. M., wo sein Name noch vor vierzig Jahren einer bekannten Firma angehörte. Auch diese Corporation ward als zugänglich von den deutschen Juden stark besetzt;" eine andere, von den bordeleser Juden, dieser ganz besonderen Race, aus dem Süden von Europa stammend, Portugiesen, Spanier und Italiener; dieser ganz eigenthümlichen Race, die man als eine Quintessenz des gewerblichen Gascognerthums bezeichnen darf, laut, ungestüm, marktschreierisch, aber mit unerschöpflichen Hülfsmitteln des Geistes, der Erfindung, der kühnen (Suergie sogar ausgerüstet, — das Gegentheil von Heine's Atta Troll mehr Genie als Charakter. Aus diesem Geschlecht und dieser Ecke von Europa stammen die beiden Pereire, die Väter des Credit mobilier, von deren einem Isaak, „Rothschild 11" genannt, der alte Baron Rothschild sagte, als er ging: Lais.sez-le, il reviendra uri jour. — Noch heute steht sein Pult bei Rothschild unberührt, die Rückkehr des „enfaut prodigue“ erwartend. Von derselben Herkunft ist ferner Mires, der wundersame Beredte, der nur zu sprechen braucht, um seine Gläubiger zu überzeugen, daß Verlust Gewinnst sei — dessen Name aber nichtsdestoweniger von der „Passage Mires" getilgt wurde nach seinem fcandalösen Prozeß, um sich in die „Passage des Poinees" (mit den famosen Speisesalons von Peters) zu verwandeln, während der „Boulevard Pereire" noch in all seiner Glorie prangt. Leipzig. — Druck von I. B. Hirschseld. n I-»'. H. Lotze.

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