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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-06-04 · Heft 23 (4.6.1867) · p. Seite 458

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 23 (4.6.1867)
Date
1867-06-04
Page
Seite 458 (sequence 10)
Language
German
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soll die gesammte Judenheit verschulden und deßhalb sie alle Zeiten verfolgt werden. Wenn man nicht dieses Geschrei als ein Manöver ansehen müßte, um Rothschild zum Rückzuge zu bewegen — ein Manöver, das vielleicht nicht erfolglos bleibt, — so müßte man darin einen Abgrund von Bosheit und Ungerechtigkeit erblicken, die für eine Partei compromittirend sein würde, welche die Religion in ihrem Schilde führt, wenn man nicht längst wüßte, daß diese Partei die Religion eben nur in ihrem Schilde führt, um hinter demselben ihren Leidenschaften zu fröhnen. Sie bedienen sich dabei der gröbsten Lügen, und da diese klerikale Presse einen Hauptsitz in Brussel Hat, so gestatte ich mir aus dem Hiesigen Journal „la Finance“ vom 16. Mai nur Einiges anzuführen. Es heißt darin: „Neuere Mittheilungen bestätigen, daß der Besitz der israelitischen Geistlichkeit in Italien über eine Milliarde beträgt. Warum bleibt diese Milliarde in todter Hand, die keine Steuer entrichtet, warum in der Hand des jüdischen Clerus? Warum wendet man den Synagogengütern so viele Achtung zu, wenn man es wie eine ruhmwürdige Handlung betrachtet, die Geistlichkeit der herrschenden Religion zu berauben? Und wenn die Israeliten sich zu Vermitlern des niederträchtigsten Handels, der unwürdigsten Plünderung hergeben, begreifen sie denn nicht, daß, noch ehe 10 Jahre vergehen, die arbeitenden Völker aller Religionen, die katholischen, protestantischen, muhammedanischen Völker an die Rache denken werden und sich erinnern, auf wessen Trümmern sich der moderne Reichthum der großen israelitischen Banquiers aufgebaut hat, und daß sie von Neuem den schrecklichen Ruf des Mittelalters ausstoßen werden: „Nieder mit den Juden!" Mögen die Juden dieses bedenken, denn es giebt eine Grenze, welche die Klugheit ziehen sollte! Mögen die Juden dies bedenken, dann werden sie sich vielleicht nach den Ghetto's der intoleranten Jahrhunderte zurücksehnen an jenem Tage, wo die Klauen der Demokratie ihre Schultern berühren werden!" Wir haben hier ein Urtheil weder über den Verkauf der Kirchengüter noch über die Natur des abzuschließenden Vertrages zu fällen, sondern nur zu constatiren, welche niederträchtige Lüge und welche abscheuliche Drohung in den obigen Worten enthalten ist! Die jüdischen Gemeinden Italiens sollen eine Milliarde an liegenden Gründen besitzen! Es ist dies 458 eine rein aus der Lust gegriffene Lüge. Die jüdischen Gemeinden Italiens besitzen durchaus keine liegenden Gründe; sie besitzen nichts als die Gebäulichkeiten der Synagogen, hier und da ein Krankenhaus, und einen auf das äußerste beschränkten Friedhof. Wollte die Regierung ihnen etwas nehmen, so bestände dies aus Nichts, als Synagogen und Begräbnißplätzen selbst. Daß „die jüdische Geistlichkeit diese Besitzthümer in ihren Händen habe," ist eine noch größere Lüge. Die Rabbinen und Lehrer haben keine anderen Einkünfte als die kümmerlichen Gehälter, die sie von den Gemeinden empfangen; sie haben kein Anrecht auf die Synagogen und Gottesäcker, die den Gemeinden gehören. Diese Aussagen der „Fiuanve" gehören zu den gröbsten Lügen, die jemals über die Juden ausgebracht wurden — aber diese Klerikalen denken: will man die Welt belügen, so muß man grob lügen. — Je schwärzer die Drohungen sind, welche sie gegen die Juden bei dieser Gelegenheit ausstoßen, desto eher fühlt man sich veranlaßt, fast zu wünschen, daß der in Rede stehende Vertrag zur Ausführung komme, damit jene Herren gründlich überzeugt werden, daß auch in dieser Richtung die Zeit ihrer Macht vorüber sei. Wenn diese Herren die Annalen der Vergangenheit durchlesen, so stoßen sie auf Zeiten, wo auf den Wink von Geistlichen Judenhetzereien statffanden, welche die Juden sehr oft von den Geistlichen durch große Geldopfer abkauften. Wenn die Juden hierzu kein Geld hatten, so nahmen die Gemeinden Anleihen auf, durch welche sie tief verschuldeten. Ich erinnere mich, gelesen zu haben, daß z. B. die Gemeinde in Posen noch heute den 'größten Theil ihres Etats zur Verzinsung von Schulden verbrauchen muß, welche sie in früheren Jahrhunderten contrahirte, um die Klostergeistlichen zu bewegen, die ihnen angedrohten Pöbelaufstände zu unterlassen. Es ist dies historische Thatsache, und in der That gehören die gedachten Drohungen in dieselbe Kategorie. Aber die Zeiten haben sich geändert, und sowohl hört das Volk auf diese Sturmreden des Clerus nicht mehr, als es auch glücklicherweise eine Macht giebt, welche dergleichen Unfug nicht mehr zuläßt, auch wenn er von den Geistlichen ausgeht. Italien. Bom Po, 17. Mai. (Privatmitth.) Die venet. Gemeinden, die im März eine vorbereitende Versamm-

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