Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1867)
- Date
- 1867-06-04
- Page
- Seite 457 (sequence 9)
- Language
- German
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457 ausschließen, Partei zu ergreifen. In seiner letzten Mittheilung an die Spezial-Vereine nun bringt es zur Kenntniß, daß sich der Verein christlicher junger Kaufleute in Gleiwitz als Mitglied angemeldet hat, daß es dessen Aufnahme jedoch nicht eher vollziehen werde, als bis der Gleiwitzer Verein sich verpflichtet, den § 4 des neuerdings angenommenen Statuts vom Verbände beobachten zu wollen. Dieses neue Statut liegt uns vor; der § 4 desselben lautet: „Zwischen den verbundenen Vereinen herrscht volle Freizügigkeit, insofern jedes Einzelmitglied ohne nochmalige Abstimmung und erneutes Eintrittsgeld aus einem in den andern Verein überzugehen berechtigt ist." Hiernach müßte allerdings der Gleiwitzer Verein diejenigen jüdischen Mitglieder der Verband-Vereine, welche nach Gleiwitz in Condition gehen, ohne Weiteres aufnehmen. Wir sind gespannt, wie sich derselbe dem Einwand des Central-Comits gegenüber verhalten wird. Oefterreichischer Kaiserstaat. Pest,! 16. Mai. Eine Deputation, bestehend aus dem Lehrkörper der hiesigen israelitischen Gemeindeschulen, hatte die Ehre, am 12. d. von Sr. Exzellenz dem Unterrichtsminister, Baron Joseph Eötvös, empfangen zu werden. Der Führer der Deputation, Herr vr. Kohn, Prediger und Mitglied der Schulsektion der hiesigen israelitischen Gemeinde, verlieh in einer kurzen Ansprache den freudigen Gefühlen, mit welchen die Berufung Sr. Exzellenz zum Leiter des ungarischen Unterrichtswesens die Herzen der ungarisch-israelitischen Lehrer beseelte, warmen Ausdruck, worauf der Herr Unterrichtsminister ungefähr Folgendes erwiederte: Ich danke Ihnen, meine Herren, für die freundlichen Gesinnungen, die Sie für mich hegen. Seien Sie versichert, daß es die Regierung Sr. Majestät als ihre heiligste Aufgabe betrachtet, dem gesummten vaterländischen Schulwesen ungetheilteste Aufmerksamkeit zuzuwenden, weil sie von der Ueberzeugung durchdrungen ist, daß nur durch die Hebung des Volksunterrichts die Wohlfahrt unseres Vaterlandes am besten gedeihen kann. — Es freut mich, Ihnen sagen zu können, daß mir die Tüchtigkeit der israelitischen Volksschulen ebenso bekannt, wie mir die Opfer, welche die jüdischen Eltern und Gemeinden für die Erziehung ihrer Jugend bringen, nicht fremd sind. — Sobald die Krönungsfeierlichkeit Sr. Majestät vorüber sein wird, werde ich es gewiß Nicht unterlassen, sämmtliche Schulen Pests — folglich auch die Ihrigen — zu besuchen. Der Herr Unterrichtsminister stellte sodann an die Dirigenten der einzelnen Schulen Fragen über die Anzahl der schulbesuchenden Jugend und ob es in Pest auch schulfähige Kinder gebe, die gar keine Schule besuchen. — Oberlehrer Rosenberg erwiederte hierauf, daß bei der jüngsten Einschreibungen in der Mädchenschule viele Kinder aus Mangel an Räumlichkeiten zurückgewiesen werden mußten, die dann entweder gar keine Schule besuchen oder zur Missionsschule ihre Zuflucht nehmen. — In Folge dessen ersuchte der Herr Minister den Genannten um die Ausarbeitung eines diesbezüglichen Promemorias, da diesem Uebelstande schon mit Beginn des nächsten Schuljahres durch den israelitischen Schulfond, der zu einer beträchtlichen Höhe herangewachsen sei, abgeholfen werden könne. Der Herr Minister entließ sodann die Deputation ans das Huldvollste. Belgien. Brüssel, 23. Mai. lPrivatmitth.) Die Angst, welche in diesem Augenblicke die klerikale Welt beherrscht, daß es der italienischen Regierung gelinge, einen ihr vortheilhaften Contract betreffs der Säkularisirung der Kirchengüter mit dem Hause Rothschild und Conj orten abzuschließen, der aber für den Clerus weniger günstige Chancen enthielte, als der früher mit den belgischen Bankhäusern beabsichtigte, läßt ihre Organe zu wahren Wuthausbrüchen kommen. Je weniger diese nun gegen das Geschäft an sich, als ein rein finanzielles Unternehmen, gerichtet werden können, desto grellern Ton schlagen sie an, weil Rothschild zufällig ein Jude ist, während doch die andren Theilnehmer des Unternehmens keine Juden, sondern Katholiken sind. Es ist dies doch ein zu characteristisches Zeichen für unsre Zeit, als daß selbst nach Ihrem Artikel in vor. Nr. dieser Vorgang nicht wiederholt und über seinen Verlauf berichtec werden müßte. Was hier ein Einzelner Mißliebiges in den Augen des Clerus thut, 23