Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1867)
- Date
- 1867-05-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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31 Jahrgang. JW SS. Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein ««parteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herrusgegeben von Rabbiner vr Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 28. Mai 1867. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 2 bis 21/2 Bogen. Preis deS Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit l1/* Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Me Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Hrupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel.: Die Haute sinanoe und die Juden. — Geschichte deS Rechts der religiösen Bekenntnißsreiheit. — Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Berlin, Frankfurt a. M. Oesterreichischer Kaiserstaat: Wien, Nikolsburg, Aus Ungarn. Frankreich: Paris. Italien: Aus Oberitalien. Griechenland: Corfu. Palästina: Jerusalem. Feuilleton-Beilage: Gallerie von Abgeordneten jüdischen Glaubens. — Eine Hochzeit bei eingeborenen Israeliten in Calcutta. — Kuriosa. Leitende Artikel. Bonn, 2«. Mai. Wie Haute finan66 und die Zuden. Mögen wir es als eine aus den geschichtlichen Verhältnissen, in welche man die Juden in den früheren Jahrhunderten gebracht hatte, hervorgegangene Erscheinung oder als einen Zufall ansehen: daß unter den höchsten Finanziers in Europa und damit unter den Reichen Höchsten Grades eine Anzahl 'Juden sich befindet, es bleibt dies nicht ohne Einwirkung auf die Lage unsrer Glanbensgenofsenschaft, wie es bei der Solidarität natürlich ist, die man den Inden noch immer und wahrscheinlich noch sehr lange auferlegt. Wir sind allerdings der ersteren Meinung, da die Geschichte uns lehrt, daß seit einem Jahrtausend in vielfacher Weise bald mehr, bald weniger Aehnliches zum Vorschein kam. Wir haben schon einmal bemerkt, daß überall, wo eine großartige Industrie, ein Welthandel sich entwickelt hat, die Juden eine solche hervorragende Rolle nicht spielen, weil eben ihre Anzahl und Stellung nicht bedeutend genug ist, um für solche umfassende Entwickelung und Ausdehnung der Industrie mehr als einzelne Stützen unter vielen abgeben zu können. So nahmen in Venedig, Genua und Amsterdam die Juden nur einen geringen Theil in dem Weltverkehre ein, der an diesen Plätzen startfand; so sind es gegenwärtig in England und Amerika nur einige wenige jüdische Häuser, welche dort von Bedeutung, und nicht einmal von einer entscheidenden sind. Wir brauchen es nicht zu wiederholen, daß die Juden in ihrem Stammlande ein lediglich ackerbauendes Volk waren, wie dies noch Josephus hervorhebt. Erst als sie der bürgerlichen Rechte beraubt, von Grundbesitz, Handwerk nnd Gewerbe bis auf den Geld- und Trödelhandel, ausgeschlosien worden, waren sie genöthigt, sich ganz auf diese letzten Erwerbszweige zu werfen und es in ihnen zu einer gewissen Virtuosität zu bringen. Hieraus, wie ans den beständigen Gefahren, denen sie sich entwinden mußten, entwickelte sich auch eine Geistesgewandtheit und Beweglichkeit, welche in der Ausbildung des Finanzwesens mannigfachen Erfolg bewirkte. Doch beschränken wir uns auf diese allgemeinen Bemerkungen, und beschäftigen wir uns nur mit der Frage, welchen unmittelbaren Einfluß dieser Umstand, daß eine Anzahl großer Finanziers Juden ist, auf die Lage der Letzteren überhaupt hat. Damit wir unsre Ansicht einfach anssprechen: wir Juden haben hiervon garkeinen Nutzen, wohl aber große und viele Nachtheile. Welchen Nutzen könnten wir haben?