Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1867)
- Date
- 1867-05-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 21. 31 ^-brg-ng^ Allgemeine Zeitung des Zudeuthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»» in Bonn. Leipzig, den 21. Mai 1867. Inhalt. Veitende Artikel r Mortara und der Papst. — Ans Holland: Skizzen aus Holland HI. Zeitungsnachrichten r Deutschland: Berlin, Fraukfurt a. M., Hamburg, Meisenheim. O est erreichisch er Kaiserstaat: Wien, Neu-Verbüß. Frankreich: Paris. Großbritanien: London. Australien: Neusidney. Feuilleton-Beilage: Jeremias auf den Trümmern Zions. — Aus den „Annalen der Juden in Preußen, besonders in der Mark Brandenburg." — Kuriosa aus Amerika. Leitende Artikel. Bonn, 12. Mai. Mortara und der Papst. Die öffentlichen Blätter melden Folgendes. Bekanntlich wird alljährlich in Rom der Jahrestag der wunderbaren Errettung Sr. Heiligkeit im St. Agneskloster mit einem Dankgottesdienste in diesem Kloster selbst begangen, und empfängt der Papst an diesem Tage auch zahlreiche Gratulanten. Unter Letzteren waren heuer auch die Zöglinge jenes Seminars erschienen, in welchem der junge Morlara untergebracht worden und zum geistlichen Stande herangebildet wird. — S. Heiligkeit empfing den jungen Mortara mit besonderer Huld und redete denselben folgenderweise an: „Mein theurer Sohn! Du bist mir sehr werth, denn ich habe Dich um einen hohen Preis für Jesus Christus erworben. Dein Lösegeld war gar groß. Deinetwegen erhob sich ein gewaltiger Sturm gegen mich und den heiligen apostolischen Stuhl. Regierungen und Völker, Potentaten und Journalisten — denn auch diese zählen unter die Mächtigen unserer Zeit — erklärten mir den Krieg. Könige stellten sich an die Spitze des Heeresbanues und ließen mich durch ihre Minister mit : diplomatischen Noten bestürmen. Alles das Deinetwegen, . mein Sohn. — Ich will die Könige mit Stillschweigen ' übergehen und blos jener Verleumdungen und Krän- - kungen gedenken, die Einzelne und Private bloß deßhalb ) gegen mich verübt, weil Gott der Herr Dich, mein Sohn, .-mit der Gnade des Glaubens erleuchtet und Dich aus >den Todesschatten hervorgezogen, in welchen sich die < Deinigen noch fortan befinden. — Ganz besonders be- - diente man sich der Anklage zum Vorwände der Feindseligkeit, daß gegen Deine Eltern eine große Ungerech- : tigkeit verübt worden sei, indem man Dich im Christen- -thume neu geboren werden und Dich an den Lehren - theilnehmen ließ, die Du aus Gottes Gnade empfangen. '— Mich aber bemitleidet Niemand, den Vater der Gläubigen, dem das Schisma Tausende und Tausende seiner l Kinder raubt, in Polen, wo man durch schädliche Lehren jfie zu verderben trachtet. Völker und Regierungen schweigen in dem Augenblicke, wo ich laut meine Klagen - erhebe über das Unglück dieses Theiles der Heerde Christi,!wo bei helllichtem Tage die Diebe verwüstend walten; i Niemand rührt sich, um den bedrängten Vater und seinen! Kindern zu Hülfe zu kommen!"*) *) Nicht wir, sondern das „Frankfurter Journal" macht hierzu folgende Bemerkung: Aehnliche Plaidoyers