Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1867)
- Date
- 1867-05-14
- Page
- Seite 408 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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408 1 Schlosser, 2 Klempner, 2 Schneider, 11 Schuhmacher. Im Februar sind 1 Schuhmacher und 2 Klempner zngewachsen, der Schlosser jedoch bereits als Geselle ausgetreten. — Es verblieben somit Ende Februar 25 Lehrlinge. Dem Alter nach waren: 1 Knabe von 12 Jahren, 3 von 13 Jahren, 5 von 15 Jahren, 8 von 16 Iah-, ren, 4 von 17 Jahren, 5 von 14 Jahren. Dem Geburtsorte nach waren: aus Jerusalem 19, aus Nablus 1, aus der Türkei 2, aus Oesterreich I, ans Marokko 2, aus Georgien 1. Die jährlichen Ausgaben sind: 1500 Francs. Nun melden sich übrigens jährlich immer mehr Kinder zur Aufnahme in die Handwerksschule, ein Beweis, daß auch unter den Israeliten Jerusalems sich der Trieb zur Erlernung selbst der schwersten Handwerke täglich mehr und mehr kundgiebt; auch hat die Schule bereits mehrere Goldarbeiter, Tischler, Buchbinder, Schneider und Schuhmacher als renommirte Meister in Jerusalem aufzuweisen. — Schade, daß die — übrigens ohnehin großmüthig gespendete — jährliche Subvention, dreijährlich nicht mehr als 25 Jünglinge zu nützlichen Bürgern heranzubilden ermöglicht. Die Mädchenschule. Die Mädchenschule wurde im Jahre 1865 auch durch die Güte des Herrn Dy. Albert Cohn gegründet, und wird vom hochherzigen Gründer mit allen nur möglichen Kräften unterstützt und gefördert; er scheut kein Opfer, wendet alle nur möglichen Hebel an, um die Mädchen zu arbeitsamen und tugendhaften Hausfrauen heranzubilden. Die Kinder werden in Religion, Beten, Übersetzung der Gebete und in den verschiedensten Handarbeiten unterrichtet. — Die Schule besteht aus drei Klassen. — Die I. enthält 11 Mädchen, die II. 7, die III. 14, zusammen 32 Mädchen. — Jedoch ist hier die Anzahl der aufzunehmenden Kinder nicht beschränkt. Dem Alter nach: 6 Mädchen von 5 Jahren, 6 von 6 Jahren, 6 von 7 Jahren, 4 von 8 Jahren, 1 Mädchen 9 Jahre alt, 4 von 10 Jahren, 2 von 11 Jahren, 3 von 12 Jahren. Dem Geburtsorte nach sind: 10 aus Jerusalem, 10 aus der Türkei, 1 aus England, 9 aus Marokko, 2 aus Persien. Mit Vergnügen kann ich constatiren, daß gegenwärtig die Israeliten Jerusalems sich immer mehr und mehr bestreben, auch ihre Mädchen des Unterrichtes theilhaftig werden zu lassen, so daß die Anzahl der Schülerinnen tagtäglich im Steigen begriffen ist. Endlich habe ich noch zwei wohlthätige Anstalten anzuführen: die eine durch Munificenz der Baronesse Betty Rothschild gestiftet, besteht darin, daß monatlich 10 armen Wöchnerinnen, die für Mutter und Kind nothwendige Wöchnerinnenwäsche sammt 10 Francs vertheilt werden. Die zweite humane Stiftung ist von Herrn Dy. Albert Cohn gegründet und besteht in Vertheilung von wöchentlich 300 Broden an arme nothdürftige Leute. Von Seiten der edlen Familie Rothschild wurde Herrn Baron Alphons in Paris das Protectorat des Hospitals übertragen. — Außerdem aber erfreut sich das Hospital sammt den damit verbundenen Anstalten des Schutzes des k. k. österreichischen Consulates. Aus dem Berichte all' der genannten humanen Anstalten ist nun ersichtlich, welch' unvergeßliche Wohlthat die hochherzigen Gründer dem armen Lande und seinen noch ärmeren Jnnwohnern erwiesen haben, wie viele Kranke ihrer Familie geheilt zurückgegeben, wie viele Knaben zu nützlichen Handwerkern, wie viele Mädchen zu tugendhaften und arbeitsamen Hausfrauen herangebildet, wie viele arme nothdürftige Wöchnerinnen mit Geld und Wäsche beschenkt, wie viele Darbende dem Hungertode entrissen worden. Möge nun der Allmächtige die hochherzigen Gründer noch lange erhalten, und den humanen Anstalten auch fernerhin seinen Segen verleihen. Dy. London, Director und Chefarzt des Hospitals. Kuriosa. Nach der Krönung Maximilian des I. zu Aachen brachten ihm die Abgeordneten der Judenschaft einen goldenen Korb voll goldener Eier zum Geschenk. Er befahl, die Ueberbringer desselben gut zu halten, aber dabei auch wohl zu verwahren. Erschrocken fragten diese nach der Ursache eines so befremdeten Verfahrens. Da antwortete der Kaiser lächelnd: „Hühner, welche so kostbare Eier legen, darf man nicht leichtfertig wieder fliegen lassen, sondern man muß sie einsperren und wohl halten." Der englische Hofprediger der Königin, Dr. Cumming in London, hat abermals eine Prophezeiung in Gestalt einer Auslegung der Apokalypse in die Welt geschickt, nämlich daß zwischen dem Herbst-Aequinoctium 1867 und 1868 das Papstthum abgeschafft, die Juden bekehrt und dann — die Welt untergehen würde. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze.