Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1867)
- Date
- 1867-05-07
- Page
- Seite 386 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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386 Urheber der Februarrevolution des folgenden Jahres. Während der verhängnißvollen Februartage befand er sich in den Tuilerien, unter den Personen, die Loui s Philippe zur Abdankung drängten. Sein Plan war, der beliebten Herzogin von Orleans die Regentschaft für deren ältesten Sohn — den Enkel Louis Philippus — zu verschaffen, und so verfaßte er die Ansprache, welche die Herzogin in der Kammer halten sollte, um von derselben die Regierung zu überkommen. Jene lautete: „Von dem Volkswillen wollen wir, mein Sohn und ich, unsere Macht empfangen. Mit Vertrauen erwarten wir, die Wittwe und Waise des Herzogs von Orleans, den Entschluß, den man fassen wird. Sicher aber ist, daß ich meinen Sohn in dem lebendigsten Gefühle der Liebe zum Vaterlande und zur Freiheit erziehen werde." Die Herzogin mit ihren beiden Söhnen und Cremieux selbst begaben sich in die Kammer, um ihren Plan zur Geltung zu bringen; aber der Raum war schon mit den wilden Gruppen der Barrikadenkämpfer erfüllt, welche von keiner Monarchie etwas wissen wollten. Die Stimme der Herzogin wurde in dem Getümmel und unter den Drohungen der Massen erstickt, und Cremieux, der bald die Unmöglichkeit der Erfüllung seiner erstell Absicht erkannte, ließ sich von der großartigen Bewegung, die alle Gemüther durchfluthete, mit fortreißen. Da man seinen Namen auf die Liste der provisorischen Regierung setzte, so acceptirte er und nahm auch, allerdings nach manchem Zögern, an der Verkündigung der Repuplik Theil. Bei der Bertheilung der Aemter erhielt Cremieux das Portefeuille der Justiz, welches ihm auch später von der Exekutivkommission der Konstituirenden Versammlung bestätigt wurde. Zwei Departements, sein früheres (Indreet-Loire) und das der Hauptstadt (Seine), erwählten ihn im Mai zu der Konstituirenden Versammlnng, vor der er von seinem bisherigen Wirken Rechenschaft ablegte. Aber es gelang ihm nicht, in Einem Amte Popularität zu erringen. Die Demokraten tadelten ihn wegen seiner zu großen Mäßigung, die Royalisten wegen zu scharfer revolutionärer Maßregeln. Er erneuerte nämlich die Staatsanwaltschaft und erklärte, das Prinzip der Unabsetzbarkeit der Richter sei mit der republikanischen Verfassungsform unvereinbar; wirkliche Absetzungen hat er freilich nicht vorgenommen. War hierdurch seine Stellung schon erschüttert, so wurde sie durch folgendes Faktum ganz unhaltbar. Auf das Verlangen der Mehrheit der provisorischen Regierung forderten nach dem Attentate vom 15. Mai die Herren Portalis und Landrin im Namen der pariser Staatsanwaltschaft von der Konstituirenden Versammlung die Erlaubuiß zur Verfolgung Louis Blane's, des bekannten sozialistischen Mitgliedes der Regierung. Cremieux aber votirte zu Gunsten seines Kollegen. Hierin sahen die Herren Portalis und Landrin ein offizielles Desaveu ihres Schrittes Seitens ihres Vorgesetzten und legten unter öffentlichem Proteste gegen dessen Verfahren am 3. Juni ihr Amt nieder, Nach diesem auffallenden Vorgänge dankte denn auch Crsmieux am 7. Juni ab, behielt dagegen sein Mandat als Abgeordneter bei und blieb eines der einflußreichsten Mitglieder der Versammlung. Die halbreactionäre Regierungsweise des Generals Cavaignac sagte Crsmieux wenig zu, und so begünstigte er, das Mitglied der äußersten Linken, allein unter den acht Deputirten der Indreet -Loire die Kandidatur des Prinzen Louis Napoleon zur Präsidentschaft. Aber als die Wahl des 10. Dezember geschehen war, und der neue Präsident bald mit der Konstituirenden Versammlung in Widerspruch gerieth, näherte sich Cremieux wieder den Radikalen, der sog. „Bergpartei," und gehörte zu den entschiedensten Oppositionsrednern, besonders bei der Dis-, kussion über die Unterdrückung der Klubs. In die Gesetzgebende Versammlung wieder hineingewählt, bekämpfte er mit allen Kräften die reaktionäre Verbindung der Legitimisten, Orleanisten und Bonapartisten und ließ sich trotz aller Versuche mit der Politik des Präsidenten nicht versöhnen. So kam es, daß er bei dem Staatsstreiche des 2. Dezember arretirt und nach dem Gefängniß Mazas abgeführt wurde. Er wurde aber nach dreiwöchentlicher Haft wieder freigelassen. Seitdem hat er sich von der Politik gänzlich fern gehalten und hat sich ausschließlich den Geschäften der Advokatur gewidmet, in denen ihm sein Talent und seine würdige Haltung die allgegemeine Achtung erworben haben. Man rühmt an ihm seine freie Rede, die pikante Färbung, eine reiche, belebte und geistvolle Dialektik und das Treffende seiner Erwiderungen. Auch schriftstellerisch war Cremieux thätig. Er hat mit Uon-Balton den sehr geschätzten Code des Codes herausgegeben, der 1835 in Paris in Quart erschien. In den letzten Jahren war Cremieux Präsident der Alliance isradlite universelle und als solcher war er für das Wohl besonders unsrer orientalischen Glaubensgenossen thätig. Auf einer Reise nach Constautinopel in einer Prozeßangelegenheit verweilte er auch in Bukarest , um die Gleichberechtigung der dortigen Israeliten zu erwirken. Er machte tiefen Eindruck, aber die Gegner vereitelten durch einen Pöbelaufstand das Votum der Kammer. Dr. Martin Philippson. Zwischen Peßach und Schabuoth. Das sind die schönsten Tage des Jahres. Und wenn auch, wie es einmal das Loos des Menschen ist, sich oft recht häßliche Tage hineindrängen, Tage, wo unter dem wolkenbedeckten Himmel, der sich in einen blaugrauen Mantel gehüllt, die Erde sich gar nicht hübsch ausnimmt, der Sturmwind einherfährt und die blüthenbedeckten Baumzweige unbarmherzig aneinander schlägt, daß es uns in der Seele jammert, ja dann und wann auch einen heftigen Regenguß auf die Erde schüttet, deren grüne Halme zitternd