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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-04-30 · Heft 18 (30.4.1867) · p. Seite 368

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 18 (30.4.1867)
Date
1867-04-30
Page
Seite 368 (sequence 20)
Language
German
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368 Das Testament einer amerikanischen Dame. Frau Rosanua Ostermann aus Galveston (Texas), die ihr Leben bei dem Schiffbruch am 3. Februar l S(>6 auf dem Missisiippi bei Wieksburg verlor, hatte ihr Testament, wie es scheint, seit 1862 gemacht. Dieses authentische Dokument verfügt über eine große Anzahl Güter. Durch den Artikel 8 bezeichnet sie zwei Gebäude aus Backsteinen in Galveston, welche einigen entfernten Verwandten während ihres Lebens zur Wohnung dienen sollen; nach deren Tode müssen ihre Erben, mit Beihülfe des Bürgermeisters der Stadt, ein Waisenhaus und ein Asyl für die Wittwen aller Culte darin Herrichten. Diese Grundstücke werden auf mehr als eine halbe Million geschätzt. Der Artikel 13 behandelt Leibrenten, die auf fünfzig Grundstücke der Stadt eingetragen sind; und er bestimmt, daß nach dem Tode der Eigenthümer dieser Renten die Dividende für arme Israeliten, die in dieser Stadt wohnen, verwendet werden soll, und wenn es keine daselbst giebt, sollen die Zinsen an die Armen der andern Culte vertheilt werden. Der Artikel 14 vermacht 15,000 Frs. dem Reverend Moses N. Nathan und seiner Frau Mathilde in Kingston lJamaika). Der Artikel 18 verfügt über eine Leibrente von 25,000 Frs. — nach dem Tode ihres jetzigen Eigenthümers — zu Gunsten der armen Israeliten im Staate Texas. Der Artikel 19 bestimmt über eine andere Leibrente von ungefähr 50,000 Frs., deren Revenuen unter die Beamten des jüdischen Asyls in der Stadt Philadelphia, Staat Pensylvanien, vertheilt werden sollen. Der Artikel 20 vermacht 25,000 Frs. zum Bau einer Synagoge in Galveston. Der Artikel 21 vermacht 13,000 Frs. der Synagoge zu Houston. f Der Artikel 22 vermacht 15,000 Frs. dem jüdischen Hospitale zu New-Aork. Der Artikel 23 vermacht dieselbe Summe dem Waisenhaus und dem Asyl für jüdische Wittwen zu New- Orleans. Der Artikel 24 vermacht dasselbe dem jüdischen Hosspital zu Cincinnati (Ohio). Der Artikel 25 bestimmt 5,000 Frs. dem ersten israelitischen Wohlthätigkeitsverein, welcher in der Stadt Galveston besteht oder sich bilden könnte. Der Artikel 26 giebt dieselbe Summe den Rettern in Galveston, wenn ein Verein dieser Art organisirt sein wird, wie dies in den meisten Seestädten der Vereinigten Staaten Sitte ist. Der Artikel 28 ein ähnliches Vermächtnis zu Gunsten der jüdischen Gesellschaft der wohlthätigen Frauen in New-Orleans. Den Artikel 30, ein ähnliches Bermächtniß dem ersten jüdischen Wohlthätigkeitsvereine, welcher sich in Houston -Texas) organisiren wird. Der Artikel 31, ein Bermächtniß der Talmudschule in Cincinnati (Ohio). Die Arikel 38 und 34 ein Bermächtniß der Talmud-Thora-Schule, von der hebräischen Gemeinde der Scheerith Israel in New-Iork gegründet, und ebenso viel der jüdischen amerikanischen Gesellschaft zur Unterstützung für Palästina. Der Artikel 37, eine gleiche Summe zur Verschönerung und Erweiterung des jüdischen Friedhofs von Galveston. Der Artikel 40 vermacht 10,000 Frs. dem Herrn Js. Leeser in Philadelphia. Und endlich der Artikel 47 vermacht 5,000 Frs. zur Gründung eimer Schule für arme jüdische Kinder in den Städten Galveston und Houston. (Archiv, isr.) Kuriosum. Ein jüdischer General. In voriger Woche weilte einige Tage in Posen ein General der nordamerikanischen Freistaaten, Namens Alexander, den die Sehnsucht nach seiner früheren Heimath und nach den in derselben zurückgelassenen Verwandten aus weiter Ferne hieher gezogen hatte. Derselbe ist der Sohn eines dort verstorbenen armen jüdischen Faktors, und war im Jahre 1840 als junger Mensch nach Amerika ausgewandert, um dort sein Glück zu suchen. Nachdem er in der neuen Heimath Jahre lang als Kaufmann thätig gewesen war, trat er beim Ausbruch des nordamerikanischen Krieges als gemeiner Soldat in die Unions-Armee. Er zeichnete sich bei jeder Gelegenheit durch eine außerordentliche Bravour aus und bahnte sich den Weg zu einem schnellen Avancement. Nach zweijähriger Dienstzeit war er Commandeur eines Reiter-Regiments, und noch vor Beendigung des Krieges wurde er zum General der Cavallerie ernannt und von der dankbaren Republik, sowie von seinen Mitbürgern mit allen Ehren überhäuft. Das Cavallerie-Regiment, das er längere Zeit im Kriege geführt hatte, schenkte ihm einen prächtigen Ehrensäbel, dessen goldener Griff und Scheide reich mit Brillanten und anderen Edelsteinen besetzt sind. Er führt diesen Säbel in Posen bei sich. Die Mutter des Herrn Alexander ist noch am Leben. Sie hält sich bei Verwandten in Leipzig auf und bezieht von ihrem Sohne eine jährliche Pension von 1500 Dollars. In Berlin wurde Herr Alexander dem Könige und dem Prinzen Friedrich Karl vorgestellt. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirfchfeld. Verantwortlicher Redakteur Di*. H. Lvtze.

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