Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1867)
- Date
- 1867-04-16
- Page
- Seite 325 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Zudcnthums. FemIleton-GeUilge zu Ar. 16. Leipzig, den 16. April 1867. Gallerie von Abgeordneten jüdischen Glaubens. Kurze biographische Skizzen derjenigen Israeliten, welche durch das Vertrauen ihrer Mitbürger zu Volksvertretern gewählt worden sind, werden unseren Lesern willkommen sein. Die erste dieser Nummern gaben wir in Nr. 9 (S. 182) über Dr. Ko sch. Die Redaction. 2. Dr. Johann Jacoby.*) Johann Jacoby wurde am 1. Mai 1805 zu Königsberg in Preußen geboren. Sein Vater, ein nicht unvermögender jüdischer Kaufmann, ließ ihn bis in sein zehntes Jahr zu Hause unterrichten und schickte ihn dann auf das Collegium Fridericianum. Dort mit den besten Zeugnissen entlassen, bezog er 1825 die Universität seiner Vaterstadt, um Philosophie und Medicin zu studiren. Gesund an Leib und Seele genoß er die Freiheit des Studentenlebens, ohne darüber die Studien zu vernachlässigen, und die Entschiedenheit seines Charakters zeigte sich darin, daß er schon im Kreise seiner Commilitonen als Reformer und Parteihaupt auftrat. An der Spitze seiner Glaubensgenossen unter den Studirenden setzte er die Abschaffung der althergebrachten Regel durch, nach der bei den Bällen und Concerten, welche die Studirenden in Königsberg veranstalteten, kein Jude Vorsteher sein durfte. Nachdem er sein Doctorexamen gemacht und seinen Staatscursus beendet, wachte er verschiedene Reisen durch Deutschland und Polen und ließ sich dann als practischer Arzt in seiner Heimath nieder. Es war damals eine sehr bewegte Zeit. Alles, was in Europa jugendlich fühlte, mit freiem Sinne dachte, wurde von mächtigen Hoffnungen ergriffen. Man wollte das Veraltete abschasfen, Neues an seine Stelle setzen, und angeregt wie alle seine Gesinnungsgenossen griff Jacoby auch jetzt wieder das ihm Nächste, das was er selbst aus eigner Erfahrung als mangelhaft hatte kennen lernen, für seine reformirenden Bestrebungen heraus. Er schrieb in der Zeitschrift für Staatsarzneikunde (l83l, 14. Heft) *) S. Männer der Zeit Bd. II. S. 190. Jolowicz, Geschichte der Juden in Königsberg. S. 144. „Einige Worte gegen die Unentbehrlichkeit der medicinisch-chirurgischen Pepiniere zu Berlin", die mit überzeugender Schärfe und großem Witze die veralteten und unhaltbaren Zustände des gerühmten Institutes darthaten. Aber die polnische Revolution, an der seine Seele den wärmsten Antheil nahm, und die in Polen fast in derselben Zeit zum ersten Male und mit großer Heftigkeit auftretende Cholera, ließen Jacoby nicht ruhig in Königsberg verweilen. Er ging nach Polen, um die verheerende Krankheit kennen zu lernen. Was Jacoby während seines Aufenthaltes in Polen an Ausdauer, an Selbstverleugnung und Muth geleistet, rühmten alle, die ihn dort beobachtet halten. Er war der erste ostprenßische Arzt, welcher die Seuche schon vor ihrem Eintritt in Preußen kennen lernte, und unterstützt von seinen Collegen und dem Minister von Schön, gelang es ihm, durch seine Schriften die Absperrung zu verhindern. Als im Jahre 1833 die Schrift von Streckfuß: „lieber das Verhältnis der Juden zu den christlichen Staaten" erschien, die den Juden die Lasten des Staatsbürgers, aber nicht dessen Rechte zugestand, publicirte Jacoby seine Broschüre: „lieber das Verhältnis des königlich preußischen Oberregierungsrathes Streckfuß zu der Emancipation der Juden." Er behandelte den Gegenstand nicht von einem einseitig preußischen oder blos deutschen, sondern von dem allgemeinen Welt- oder rechtgeschichtlichen Standpunkte aus und schloß mit den Worten: „Nicht eine Gnade ist zu gewähren, wir fordern die Gleichstellung als ein uns vorenthaltenes Recht, und werden — im Bewußtsein des notwendigen Sieges — nicht Massen zu fordern, bis eine humanere Zukunft unsere billigen Ansprüche völlig befriedigt. So lange auch nur ein Recht dem Juden entzogen wird, blos weil er Jude ist; so lange bleibt er ein — Sklav, und alle übrigen Zugeständnisse vermögen ihm nicht das schmerzliche Gefühl der Kränkung zu mildern. — .... Lassen wir uns aber dadurch nicht irren: vor der Macht der Wahrheit muß der Gegner Hohn ebenso, wie ihre schnöden Trugschlüsse verstummen. Die öffentliche Meinung der gebildeten Mehrzahl ist uns Bürge einer bessern Zukunft. Die Scheidewand, welche ein sinnloses Borurtheil aufgebaut hat, wird auch in Deutschland