Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1867)
- Date
- 1867-04-09
- Page
- Seite 308 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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».n ■i ■Jiiisillfii il 1 . I i j i Gottes zur rechten Zeit zugesandt hat? Weißt du nicht, was Rabbi Iohanan von der Zeit verkündete, die der Ankunft des Erlösers vorangeht: unsre Augen werden blöde werden vor Kummer und Noth und viele Drangsale und schwere Verhängnisse werden sich zu den früheren gesellen — dann aber geht die Morgenröthe auf und der Tag der Erlösung bricht an und es wird denen vergolten, die uns gepeinigt und uns, die wir gelitten!" Meschullam hatte das Haupt gesenkt, und flüsterte leise: „Du hast Recht Vater, ich schweige."-Vergebens hatte Hanna ihren Mann zurückerwartet. Als Tag nach Tag verflossen, eilte sie mit einigen Männern nach Wasendorf, nach der Schlucht, die aber jetzt durch die herabgestürzten Felsblöcke unzugänglich war; sie fanden keine Spur weder von Menachem noch von Lämle. Man mußte annehmen, daß der unglückliche Mann bei dem furchtbaren Unwetter verunglückt sei. Um so mehr fand Anselm in der Gemeinde die Mittel, um die Frau und ihre drei Kinder zu erhalten, bis die letzteren groß und selbstständig geworden wären. Rabbi Anselm hatte seinen Kummer über alle diese Vorgänge tief in seinem Herzen verborgen. Hier nagten sie an seiner schon morschen Kraft; denn wie groß auch seine Zuversicht war, daß Israel nie untergehen, nie seinen Feinden unterliegen werde, wie zweifellos seine Hoffnung, daß es vielmehr einer herrlichen Zukunft entgegen gehe — sein Schmerz über die Leiden und Verfolgungen, die aller Orten über sie hereinbrachen, war nicht minder groß. Nach wenigen Monden nahmen seine Kräfte sichtbar ab und die lautere Flamme seines Lebens erlosch. Kaum waren die Trauertage um den Vater vorüber, so stand Meschullam von dem Boden auf, trat zu seinen Geschwistern und sprach: „„Dreimal Heil denen von den Nachkommen Jakobs, welche zu jener Zeit im heiligen Lande weilen; sie werden die Kelle und der Hammer des Erlösers sein, wenn er die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichtet."" Ich pilgere nach der Trümmerstätte von Jerusalem." Er verließ die Seinen und gelangte glücklich nach Joppe. Von hier aus gab er den Seinen Nachricht. Alle spätere Kunde von ihm verschwand. Was in dem Lande, in welchem die Kreuzfahrer mit den Mohammedanern auf Tod und Leben kämpften, aus ihm geworden, ward niemals bekannt. Der Dom von Speyer erhob sich von Neuem. Noch ragen seine Thürme an den grünen Wellen des Rheins, und um ihn breitet sich die blühende Stadt aus. ' Aber während die Kreuzfahrer längst verschwunden und ihr mit dem Schwerte errungenes Werk nur ein flüchtiges Dasein gehabt, besteht die Judengemeinde Speyer's ihrerseits noch heute. Doch der Bischof hat keine Gewalt mehr über sie, und der Magistrat nur die, welche ihm das Gesetz über alle Bürger anvertraut — sie kann nicht mehr verschenkt, sie kann nicht mehr verkauft werden*). Dr. L. Pli. *) Der Abdruck dieser Novelle ohne Erlaubniß des Autors wird als Nachdruck bezeichnet und verfolgt. Korrespondenz. Toleranz im Jahre 1853 — wir ste aber auch im Jahre 1867 in Salzburg Vorkommen kann! Der Vater eines meiner Freunde, ein würdiger alter Herr, den ich lieb hatte, war von seinem Arzte nach Venedig geschickt worden, starb aber auf der Reise in Salzburg. Was war natürlicher, als daß man ihn in Salzburg begrabe? Aber der alte Herr war ein Jude gewesen; in den katholischen Kirchhof konnte er selbstverständlich nicht hineinkommen, der Sohn ließ im Anzeigeblatt inseriren, daß er dreihundert Gulden für ein Grundstück auf einem Felde oder in einem Garten geben wolle. Sogleich verbot man ihm, feinen Vater hier begraben zu wollen, er solle ihn fortschaffen. Ein Professor der medicinischen Facultät an der Salzburger Hochschule, der kein Landeskind war, nahm sich, über so viel Intoleranz empört, des jungen Mannes an. Er wies in einer Zuschrift an vas erzbischöfliche Consistorium nach, daß ein kaiserlicher Soldat jüdischer Confession in Salzburg gestorben und dort auch begraben worden sei. Die Antwort erfolgte: „Man wisse das , es sei leider aus Jrrthum geschehen und werde sich nicht wiederholen, der Fall werde der einzige bleiben!" Unter freiem Himmel, in einem Wagen, mußte der Leichnam im Sarge bleiben, bis ein Kutscher gefunden wurde, der ihn auflud und bis Prag führte. Dies trug sich im Jahre 1853 zu. (Gartenlaube.) Kuriosum. Die „Debatte" erzählt vom Grafen Apponyi heute: Bon einigen conservativen Magnaten befragt, wie er wohl über die Judenfrage denke, antwortete er: „Mir kommt die Frage vor, wie das Zündnadelgcwehr. Bevor ein Staat das Zündnadelgewehr für seine Armee acceptirt hat, konnte die Einführung desselben einen Gegenstand der Discussion bilden. Es konnte Leute geben, die es ablehnten, blos weil es eine neue Erfindung ist. Andere konnten es aus ökonomischen Gründen nicht wünschenswerth finden. Aber nachdem ein Staat in Europa seine Armee mit Zündnadelgewehren bewaffnet hat, müssen die andern schleunigst dem Beispiele folgen, wenn sie sich nicht schweren Nachtheilen aussetzen wollen." Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lvtze.