Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1867)
- Date
- 1867-03-26
- Page
- Seite 268 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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268 richtet — aber Jahrhunderte lang waren unsere Väter mißhandelte Sklaven Pharaos und ihre Kinder wurden von den Wellen des Nils verschlungen, bis der Gottesmann Moses kam und sie befreite. Wie viele noch ungeborene Geschlechter Israels werden darüber niedergehen in Elend und Jammer, in Erniedrigung und Knechtschaft! . . Die Trauer des Kämmerers sollte schon in den nächsten Tagen ihre Rechtfertigung finden. Kaum war die Kunde von dem kaiserlichen Geschenk an den Bischof ruchbar geworden, als der Stadtrath seinem Kämmerer die Anzeige wachte, daß er sein Amt niederzulegen habe, weil ein solches von einem Hörigen des Bischofs nicht bekleidet werden dürfe. Daß unter solchen Umständen augenblicklich auch nicht an die Wiedererlangung jenes Kästchens gedacht werden konnte, läßt sich voraussetzen. Die nächste Zeit war mit Verhandlungen über die Propositionen des Bischofs ausgefüllt, und es galt hier das Nächste und Wichtigste zu gewinnen oder zu verlieren. Auch empfand der Bischof wenig Lust, es herauszugeben. Auch ihn bezauberte der Anblick der unvergleichlich schönen Schrift. Er verstand sie so wenig wie der Burgkaplan zu Geroldstein. Um so mehr verlangte er nach dem Verständniß und mißtraute doch den jüdischen Gelehrten, daß sie es ihm richtig und vollständig angeben würden. Er sandte nach Köln, damals einem Hauptsitz der Gelehrsamkeit. Aber weder dort noch anderswo fand sich ein Mann, der mehr sagen konnte, als daß die Schriftzüge hebräisch seien. Unterdeß erschien der verzweifelnde Menachem täglich im Hause Rabbi Anselms — aber er erhielt nur die Befriedigung seiner täglichen Bedürfnisse und die Vertröstung auf Geduld. Der Bischof behielt beides, die Juden wie die geheimnißvolle Urkunde von Toledo als Geschenke des Kaisers und des Grafen von Geroldstein in seinen Händen. (Fortsetzung folgt.) Kuriosum. Eine amerikanische Messias - Colonie im gelobten Lande. Oeffentliche Blätter berichten: Während die rechtmäßigen Besitzer des gelobten Landes, die Israeliten, und zwar selbst die Orthodoxen unter ihnen sich des Gedankens an eine Rückkehr nach Palästina immer mehr entschlagen und sich in andern Ländern immer besser einzurichten wissen, taucht von Zeit zu Zeit unter christlichen Seelen der schwärmerische Plan auf, sich in Palästina niederzulassen und seinen geheiligten Boden zwar nicht durch das Schwert der Kreuzfahrer, wohl aber durch die Bibel und die Ackerschaufel den Ungläubigen zu entreißen. Bor Kurzem war im Uankeestaate Maine eine ähnliche Seele unter einem gewissen G. Adams entstanden, der sich für einen speciellen Freund des Staatssecretärs Seward ausgiebt; sie nannte sich die Messiaskirche! und es gelang dem Adams, dreiundvierzig Familien, worunter viele Kinder, zu einer Auswanderung nach Palästina zu bewegen. Dieselbe fand vor einigen Monaten Statt. Man hörte seither über das Schicksal der schwärmerischen Colonisten Das und Jenes. Nun aber hat man von demselben osficielle Kunde. Auf eine Interpellation des Senators Morril von Maine hin sandte nämlich das Staatsdepartement dem Congreß eine Anzahl Aktenstücke folgenden Inhalts ein: Aus einem Briefe des Ber.-St.-Consuls Beauboucher in Jerusalem an Seward geht hervor, daß die Colonisten in Jaffa landeten, ohne von den Localbehörden gestört zu werden. Später aber meldete Mr. Morris, der Ber. -St.- Minister in Constantinopel, an Seward Folgendes: Senator Morril von Maine habe ihn in einem Briefe um eine türkische Landesbewilligung für diese Colonisten gebeten gehabt: er, Morris, habe darauf an Senator Morill geschrieben, daß der Sultan eine solche Landbewilligung verweigere; und er habe gehofft, daß dieser Brief rechtzeitig in Maine ankvmmen werde, um die Abreise der Colonisten zu verhindern. Obgleich die Türkei solchen Fremden, welche sich in der Absicht, ihre Unterthanen zu werden, auf ihrem Gebiete ansiedeln, gern unter die Arme greife, so sei es doch gegen ihre Politik, Land an Fremde zu vergeben, und würde sie diesen amerikanischen Colonisten den Aufenthalt in Palästina gestatten, so würde sie ihre bestehende Politik verletzen. Herr Morris sandte zugleich einen Brief von dem türkischen Minister Ali Pascha ein , worin gesagt ist, daß die hohe Pforte die Errichtung einer Colonie in Palästina nicht gestatten könne. Ein späterer Brief des Bereinigten-Staaten-Consuls in Jerusalem (datirt vom 26. December vorigen Jahres) meldet, die meisten Colonisten seien schon im größten Elende. Diese schwärmerischen Nankees gingen also viel uupractischer zu Werke, als ihre würtembergischen Gesiunungsgenoffen! sie folgten ins Blaue hinein ihrem dunklen Triebe-und ihrem noch dunkleren Führer. Wir wollen im Interesse der getäuschten und nun gewiß gründlich enttäuschten Schwärmer wünschen, daß der Congreß das Nöthige bewilligen wird, damit sie nach dem L)ankeelande zurückgebracht werden können. Verlag von Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Oi*. H. Lohe.