Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1867)
- Date
- 1867-03-26
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Audenthums. Femlleton-Leilage;it Ar. 13. Leipzig, dm 26. März 1867. Verschenkt! — Verkauft! Novelle. (Fortsetzung.) „Ich habe die Sache erwogen, Graf," redete der Bischof diesen an, „und meine Ansichten geändert. Ich will offen zn Euch sprechen. Ich will Eure Macht nicht schwächen; wir haben gemeinsame Feinde, und wenn Ihr vernünftig wäret, würden wir beide eher berufen sein, uns einander beizustehen, als gegenseitig zn beschädigen. Ich werde also meine Forderungen an Euch sehr mäßigen." Der Gefangene, der mit denselben Mienen des Trotzes, wie das erste Mal eingetreten war, sah überrascht aus, und aus seinem wilden Gesichte strahlten Freude und Erleichterung. „Sprecht, Herr Bischof, und ich werde Eueren Wünschen entgegenkommen." „Nun, ich verlange von Euch nichts weiter, als das Land dieffeits des Wasendorfer Waldes. Das ist doch bescheiden genug. Aber unter zwei Bedingungen." Der Graf lachte. „Das bewillige ich Euch gern. Es sind manche schöne Aecker und Wiesen, aber es liegt mir so schon zu entfernt. Doch Eure Bedingungen, Herr Bischof?" „Zuerst, daß Ihr Urphede schwört auf das Evangelienbuch, nur dann jemals wieder die Waffen gegen den Bischof von Speyer zu erheben, wenn Ihr von demselben geradezu angegriffen werdet." „Die will ich schwören mit Freuden. Und dann?" „Nun noch etwas Unbedeutendes. Ähr habet da einen Juden mit seinem Sohne in Eurem Verließe; die sollet Ihr herausgeben ohne Lösegeld sammt ihrer Habe." Der Graf lachte abermals. „Die Lumpen will ich Euch gerne schenken, Herr Bischof, verfahret damit nach Gutdünken. Aber Ähr sprechet von Ihrer Habe; die haben nichts gehabt außer den zerriffenen Kleidern auf ihrem Leibe. Meine Leute haben sie untersucht und meine Leute verstehen sich auf so Etwas." „So sind wir einig Graf. Die Sache ist abgemacht. In einer Stunde sollen die Urkunden geschrieben sein. Ihr werdet Euren Namen oder Euer Zeichen, wenn Ihr nicht schreiben könnt, darunter setzen, und dann werde ich Euch durch meine Reisigen bis nach Euerer Burg bringen lasten, damit Ihr dort in Sicherheit anlanget." „Wollt Ihr das thun, Herr Bischof? Das ist brav von Euch. Denn ich fürchtete schon, wenn ich allein heimkehren sollte, daß mir unterwegs gewisse andere Leute Schlingen legen würden, so daß ich aus der einen nur in die andere fallen würde. Gut. Eine Liebe ist der anderen werth. So will ich Euch noch ein Geschenk machen. Ehe ich den Juden gefangen nahm, entriß ich ihm und zwar im offenen Kampfe, ein schönes Kästchen. Dies gehört also nicht zu der Habe, die er bei seiner Gefangennehmung noch besaß. Ich bin also nicht verpflichtet, es herauszugeben. Aber ich schenke es Euch, Herr Bischof. In dem Kästchen liegt ein schönes Pergament, wundervoll bemalt mit Gold und Purpur und allen Farben. Aber auch mein Kaplan kann sich aus der sonderbaren Schrift nicht finden. Er meint, es müsse so etwas von Magiern, Teufelsbeschwörern oder sonst ein Satansstückchen sein. Nun, Herr Bischof, Ihr seid der gelehrteste Mann von der Welt und werdet wohl wissen, was damit anzufangen ist. Ich schicke Euch das Kästchen sammt den gefangenen Juden als Geschenk zurück durch Euere Reisigen, die mich nach meiner Burg begleiten." Der Bischof ordnete sofort die Ausfertigung der Urkunden an. Eine Stunde später gallopirten zwanzig Bewaffnete, den Grafen in der Mitte, zum Thore der bischöflichen Residenz heraus. Sie kehrten gegen Abend zurück, und entließen nach dem Befehle des Bischofs den armen Menachem mit seinem Sohne am Thore der Stadt. Dieser verlangte eifrig vor den Bischof geführt zu werden, denn er wollte von diesem das Kleinod seiner Väter erflehen. Aber der Anführer des Trupps wieß ihn barsch zurück, und da er hartnäckig darauf beharrte, stieß er mit dem Schafte seiner Lanze nach ihm, und ritt mit seiner Schaar hinweg. Unsäglichen Jammer im Herzen, begab sich Menachem nach der Judenstadt. Ritter Georg und der Stadtrath schäumten vor Ingrimm, als sie am anderen Morgen, eben da sie den bischöflichen Palast umringen lassen wollten, erfuhren, daß der Vogel, auf den sie es es abgesehen, aus dem Neste entlassen sei. Bald fiel ihr Verdacht auf Meschullam, von dem sie in Erfahrung gebracht, daß er am Tage