Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1867)
- Date
- 1867-03-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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31. Jahrgang M 13. Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 26. März 1867. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 2 bis 21/2 Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2Thlr. Vierteljährig 1 Thlr. Inserate werden mit IV2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königs. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikelr Polemisches. IV. — Aus Holland: Skizzen aus Holland. II. Forts. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichtenr Deutschland: Bonn, Memel, Schwerin. O österreichisch er Kais er st aal: Pest, Wien. S ch wed en: Gothenburg. Feuilleton-Berlager Verschenkt! — Verkauft! (Forts.) Kuriosum. Leitende Artikel. Leipzig, im Februar. Polemisches. IV. Die Verirrungen, denen der menschliche Geist schon an sich unterworfen ist, werden durch parteiische Untersuchungen und verjährte Vorurtheile viel größer und zahlreicher als sie es ursprünglich sind, und kein Volk hat vielleicht die Wahrheit dieses Gedankens tiefer und schmerzlicher empfunden, als das jüdische. Mit der Ausbreitung der Cultur und Civilisation wird jenen ihr bisher nur zu fruchtbarer Boden entzogen; Billigkeit und Gerechtigkeit schlagen immer tiefere Wurzeln in den Herzen der Menschen, und stets enger und enger zieht die Humanität ihre zarten Bande um die gesammte Menschheit. Gegen dieses unverkennbare Streben der Zeit erheben nur noch Einzelne ihre Stimmen, ohne jedoch ein nachhaltiges Echo zu finden. Man gönnt von dieser Seite her dem jüdischen Volke Alles, seine Gesetze und Gebräuche, seine ganzen übrigen Institutionen, ja seinen Gott, nur nicht, daß es ein Herz habe wie alle Menschen, das leiden und weinen, genießen und sich freuen kann, wenn die Menschheit von Leid und Freud' bewegt wird. Nur bis an die confessionelle Grenze reichen seine Saiten und deren Vibrationen, gegen die Außenwelt läßt die „Rachsucht" keine besseren Gefühle aufkommen. Man sollte glauben, daß diese Verkennung des jüdischen Charakters nur noch da Platz greifen könnte, wo man die Geschichte nicht befragt und nicht weiß, daß dem Juden dieß Alles fremd und unnatürlich ist. Allein erst jüngst sollte ich Zeuge davon sein, daß auch in den Kreisen der Wissenschaft diese Ansicht ihre Repräsentanten hat. Ein Professor der Theologie, der sonst einen mehr historisch-kritischen Standpunkt einnimmt, vor dem so manche alte Anschauung als unwissenschaftlich und unbegründet zusammenfällt, kann sich doch nicht von der einmal so tief eingewurzelten Anschauung lossagen, daß das jüdische Volk rachsüchtig sei. Hier allein, in der Betrachtung der psychologischen Seite dieses Volkes, gewahrt man seinen streng conservativen Standpunkt, ihm ist für das damalige sowohl als für das heutige Israel, die Rachsucht ein wesentliches Moment in dem Charakter desselben. Ich würde von diesem Akte ungerechter Verunglimpfung und Beschuldigung keine Notiz genommen haben, wenn er nicht vor einem zahlreichen Auditorio vorn Katheder herab docirt worden, und wenn