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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-03-12 · Heft 11 (12.3.1867) · p. Seite 225

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 11 (12.3.1867)
Date
1867-03-12
Page
Seite 225 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Feuilleton-Beilage zu Ar. 11. Leipzig, den l2. März 1867. Verschenkt! — Verkauft! Novelle. (Fortsetzung.) Der Bischof lächelte abermals. „Ihr seid ein ganz vortrefflicher Rechner, Graf, und macht Eurem Handwerk alle Ehre. Ich könnte Euch erwiedern, daß ich vielleicht Grund gehabt habe, durch ein recht auffälliges Beispiel zu zeigen, daß die Kirche nicht mit sich spielen lasse. Die Folgen Eures Todes könnten augenblicklich etwas schwierig sein, aber die Kirche vermag noch ganz andere Stürme zu überstehen. Doch ich sage Euch offen, Johanseil will sein bischöfliches Kreuz nicht mit Blut beflecken, so etwas überläßt er dem Schwerte des Raubritters. Ich bin eben aus anderem Holze geschnitzt, als Ihr und Eure Sippschaft. Aber ebenso offen sage ich Euch, daß Ihr nur um hohen Preis frei kommt, und daß ich Euer sündiges Gebein lieber in meiner Haft vermodern lasse, als ein Kinderspiel mit Euch zu treiben. Ihr habt lange genug Euch mit dem Marke Eurer Nachbarn vollgepfropft, jetzt sollt Ihr es wieder herausgeben. Uebrigens, wenn ihr meint, daß ich keine Zeit dazu habe, so bedenkt, daß Ihr wohl noch weniger habet. Man wird sich auf Geroldstein bald über Eure Abwesenheit trösten, und Eure Stelle dort auszufüllen wird einem andern nicht schwer fallen. Niemand im Lande wird seine Waffen für Eure Freiheit erheben. Wer stets mit dem Sturme gefahren, muß es sich gefallen lassen, bei Windstille liegen zu bleiben." Eine flammende Röthe breitete sich über das Angesicht des Gefangenen, er ballte die Fäuste und erhob sie drohend; aber ebenso schnell kam bei den Worten des Bischofs eine Todtenblässe über ihn, er senkte das Haupt und fühlte sich niedergeschmettert vor der Macht eines Geistes, dem gegenüber der Vorrath seiner Auskunftslnittel schnell erschöpft war. Der Bischof mußte eine wunde Seite berührt haben. In dem Hause eines Ungerechten wohnt der Frevel ebenso in den innern Räumen, wie er aus dessen Pforten herausströmt und in der Welt ringsherum rast. Nach einer Meile sprach er mit dumpfem Tone: „Zur Sache. Was verlangt Ihr?" Der Bischof erwiederte gemessen, aber nachdrücklich: „Ihr müsset der bischöflichen Kirche von Speyer alle Eure Güter, rechts vom Speyerflusse gelegen, abtreten. Ihr wißt, diese haben nur zu einem kleinen Theile Eurem Hause angehört, bis ihr Eure schwere Hand darauf gelegt." Da hielt der Graf nicht länger an sich. Mit allen Zeichen des tiefsten Ingrimms, mit donnernder Stimme rief er: „So soll die Pest über Euch kommen, in Euren niedrigen Leib fahren und die schmählichen Bande verzehren, die ihn noch festhalten; so soll Euer Krunnnstab auf Eurem Rücken zerschlagen und Ihr, Lump von einem Bauernsohn, in die Hundehütte Eures Vaters zurückgejagt werden, wie ich Euch. . Der Bischof hatte ihn nicht vollenden lassen; auf einen Pfiff aus der silbernen Pfeife waren Bewaffnete erschienen, ergriffen den Gefangenen und führten ihn fort. In seiner Wuth häufte er Flüche und Schimpfreden, ließ sich aber, als wenn er es in seiner Leidenschaft nicht merkte, ohne Widerstand hinausführen. Johansen sah ihm sinnend nach. Er wußte, daß auch eine geringere Forderung die Wuth dieses Menschen heraufbeschworen hätte, dem das Glück bis jetzt nur allzugünstig gewesen. — Lämle führte die Frau mit ihren Kindern geradezu nach dem Hanse des Rabbi Anselm. An der Thüre blieb er stehen und sagte: „Nun geht hinein, Frau und versucht Euer Bestes. Der Lämle geht indeß in die heilige Schul', es wird wohl gerade Minchahzeit sein. Ich muß mir doch auch die Dinge ansehen. Nun, Frau, es wird Euch schon gut gehen; dann vergiß aber nicht, Menachem, wandte er sich zu dem Knaben Jakob, deinen Freund Lämle wieder aufzusuchen. Laß ihn nicht wieder so lange warten. Nichts für ungut." Und er eilte davon. Das Herz Hanna's pochte gewaltig. Sie stand jetzt vor der Entscheidung und im schnellen Fluge der Gefühle richtete sie ein flehend Wort zürn Himmel, ihr die Kraft zu geben, das Herz des großen Mannes zu rühren, vor den sie treten sollte, dieses Herz in seine gnädige Hand zu nehmen und geneigt zu machen für ihre Bitte. Ein Mann trat zu ihr und fragte sie: wen und was sie suche? Sie antwortete bescheiden und mit Thränen im

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