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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-02-26 · Heft 9 (26.2.1867) · p. Seite 175

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 9 (26.2.1867)
Date
1867-02-26
Page
Seite 175 (sequence 11)
Language
German
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nalrabbiner haben, so wie jede ihren Vorbeter (nümstrs offitiant), daß diese Beamten vom Staate — allerdings sehr mäßig — besoldet werden, und daß ebenfalls für die Baulichkeiten der Synagoge von den Civilkommunen in gewissem Maße gesorgt werden müsse. Allein man sieht leicht ein, daß hiermit das Leben einer Gemeinde nicht ausgefüllt ist, daß es noch viele Bedürfnisse giebt, deren Befriedigung den Gemeinden überlassen ist. Zu diesem Zwecke steht an der Spitze jeder Gemeinde eine Berwaltungskommission, die von dem betreffenden Consistorium gewählt wird. Es kommt nun auf diese an, ihren Eifer und ihr Geschick, wie weit die Institute der Gemeinde erblühen oder in Verfall gerathen mögen. Es wird daher nicht unthunlich sein, einmal einen Blick in eine solche Gemeinde zu werfen, und dazu befähigt uns ein soeben erschienener Rechenschaftsbericht der Verwaltungskommission der Gemeinde zu Nimes, welche 1859 vom Consistorium und dann durch Abstimmung der Gemeinde gewählt worden und jetzt ihr Mandat niederzulegen hat. Als sie in Funktion trat, befand sich die Gemeinde in traurigen Umständen, zerrüttet in ihrem Schoße wie in ihren Finanzen, die mit einem bedeutenden Defizit belastet waren. Die jetzige Kommission hat das Letzere beseitigt und einen bedeutenden Kassenüberschuß geschaffen, und dabei sehr viel für die Anstalten der Gemeinde geleistet. Die Stadt Nimes hat bereits seit 25 Jahren den jüdischen Tempel zum Eigenthum der Munizipalität gemacht, indem sie alle nöthigen Summen herschoß, um die Gebäude vollkommen zu konserviren. Dagegen hat der Staat Nichts mit den inneren Einrichtungen und Ausschmückungen zu schaffen. Mit Hülfe einiger edlen Männer und Damen in verschiedenen Städten wurden jene inneren Einrichtungen auf eine vorzügliche Weise hergestellt. Ebenso wurden den Gemeindebeamten die Gehälter aufgebessert, da sie von dem, was ihnen der Staat giebt, nicht zu leben vermögen. Sie haben, Herr Redakteur, in Ihrem Blatte die in den französischen Gemeinden bestehende Sitte gerügt, nach welcher die Trauung nach Maßgabe bestimmter Preise verschieden abgehalten wird. Die hiesige Kommission hat dies abgeschafft: die Verschiedenheit in dieser religiösen Ceremonie besteht nur noch in der Zahlung. Der bis dahin gefährliche Zugang zum Gottesacker wurde geebnet und die Mauer hergestellt. Das Armenwesen der Gemeinde, zu welchem die Stadt nur 200 Frs. jährlich beiträgt, ist dem Bedürfnisse gemäß geordnet. Für den Lehrer und die Lehrerin hat die Stadt Gehaltsverbesscrungen, dagegen muß die Gemeinde noch das Schullokal erhalten. Um die religiösen Studien der Schüler zu ermuthigen, hat die Kommission (nach dem in Frankreich herrschenden System) dreimonatliche Preise gestiftet. Das Budget der Gemeinde zeigt jährlich zwischen 4—5000 Frs. Einen besonderen Dank spricht die Kommission noch dem Gemeinderabbiner, Herrn Jonas Weyl aus, der sie in allen ihren Bemühungen durch seinen Rath und sein beredtes Wort unterstützt. Rußlands Helsingförö, 29. Januar. Dem Finnländischen Landtage ist der Entwurf zu einer neuen Landtagsordnung vorgelegt worden. In demselben ist die Wählbarkeit an das christliche Religionsbekenntniß gebunden. Portugal und Spanien. Lissabon, im Februar. Sa da Bandeira hat in die Portugiesische Pairskammer den Antrag auf unverzügliche Abschaffung der Sklaverei in allen portugiesischen Besitzungen eingebracht und dieser Antrag wird von der Regierung angenommen werden. Gleiches beabsichtigt jetzt die brasilianische Regierung und so wird bald Spanien das einzige Land sein, in welchem die Juden verbannt und die Sklaverei geduldet sein wird. Freilich wird auch Spanien nicht auf immer widerstehen können, denn schon dringen die Vertreter von Portorico und Cuba auf die Aufhebung der Sklaverei mit oder ohne Entschädigung. Allein Spanien ist zähe und das Land, welches trotz Europa noch 1828 Scheiterhaufen für Ketzer errichtete, dieses Land der Inquisition wird nicht so leicht in die Aufhebung einer Institution willigen, die von jener in Schutz genommen worden. 9*

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