Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1867)
- Date
- 1867-02-26
- Page
- Seite 174 (sequence 10)
- Language
- German
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174 Diplomaten in diesem Lande hörten die allgemeine barbarische Behandlung und die speziellen Grausamkeiten nicht auf, obgleich die Alliance durch die französische Gesandtschaft vom Schah selbst die Zusicherung größerer Gerechtigkeit erhielt. Hingegen ist die Lage der Juden in der Türkei ganz vortrefflich, und wo irgend ein Unrecht gegen sie vorfällt, beeilt sich die Regierung des Sultans, es zu beseitigen. In Marokko wachen die Vertreter der europäischen Staaten über die Juden mit einer rühmenswerthen Aufmerksamkeit. Die tunesische Regierung, welche der Reklamationenen der französischen und englischen Regierungen müde ward, unterdrückte das Localcomits der Alliance. Daß die Bemühungen des Präsidenten Crcmieux in den Donaufürstenthümern leider ganz erfolglos waren, ist bekannt. Man hat der Alliance vorgeschlagen, die Auswanderung der Juden aus den Ländern zu befördern, wo sie unterdrückt sind. Dies ist aber ein Mittel, das unausführbar ist. Man kennt die Bestrebung der Alliance, Schulen im Oriente zu gründen. Wo die Gemeinden selbst Mittel zusammenschießen, giebt die Alliance beträchtliche Unterstützung und sucht Lehrer hinzuschicken. Die Anzahl dieser Schulen ist allerdings nicht groß und die ganze Bestrebung scheint uns, offen gesagt, eher im Stocken, als im lebendigen Fortschritt. Am blühendsten sind sie in den drei Städten Tanger, Tetuan und Mogador in Marokko. Hier aber hat das englische Loarä ok vexmties einen bedeutenden Antheil, und wenn wir nicht irren, das Verdienst der Initiative. In Tanger wird die Schule von den Residenten sämmtlicher europäischen Staaten inspieirt und zählt 480 Schüler. Auch die christliche Bevölkerung wünschte den Zutritt zu dieser Schule und sie hat jetzt 30 Schüler von anderen Culten, unter denen einige unentgeldlich. In Constantinopel hatte Herr Albert Cohn eine Schule gegründet, die, wie die Leser dieses Blattes sich erinnern werden, ein stürmisches Geschick erfuhr; sie ist jetzt von Neuem gegründet. In Volo, einer kleinen Gemeinde von Thessalien, blüht die Schule. In Salonichi konnte sie von den Begüterten nur für ihre Schule erhalten werden. In Bagdad siecht die Schule, hat nur wenige Schüler und gegenwärtig keinen Lehrer; die in Damaskus ist eingegangen. An dieser Stelle treffen wir in dem Berichte auf eine Auslassung, bei der wir auf's Lebhafteste an Sie, Herr Redatteur, Ihre Ansichten über diesen Gegenstand, die aber bekanntlich von Frankreich aus in ihrer Ausführung hintertrieben wurden, erinnert wurden. Es heißt S. 19: „Alle Schulen, welche früher oder später je nach dem Zunehmen unserer Mittel entstehen werden, brauchen Lehrer. Bis jetzt nehmen wir sie aus unserer Mitte; wir denken daran, sie aus unseren Schulen zu nehmen. Das Centraleomite in Constantinopel, der Direttor der Schule in Tetuan haben uns vorgeschlagen, einige begabte junge Leute nach Frankreich zu schicken, damit sie ihre Studien dort vollenden. Einige Jahre, die sie in unserer Mitte verlebt, sind eine nothwendige Vorbereitung zur Leitung der Schulen. In einer eivilisirten Umgebung können sie am besten die Civilisation verstehen lernen, von der ihnen die Bücher sprechen, und fähig werden, sie im Orient zu verbreiten. Der Vorschlag ist der Prüfung unseres Unterkomitss der Schulen unterlegt worden." Sie sehen also, daß Ihre Ansicht aus den orientalischen Ländern selbst als unumgänglich bezeichnet wird. — Der Sekretair schließt seinen Bericht mit dem, was zur Unterstützung der Wissenschaft und der Gelehrten geschehen sei. Die Gesellschaft hat bis jetzt nur einen Preis für ein moralisches Werk und zwei Anderen eine Unterstützung gewährt. Die durch Herrn Albert Cohn gegründete Stiftung zur Unterstützung von Gelehrten hat zweien, den Herren Goldberg und Letteris, eine solche verliehen. Die finanzielle Gebahrung der Alliance ist blühend. Vom 15. Mai 1865 bis zum 30. September 1866 beliefen sich die Einnahmen auf 50,605 Frs., die Ausgaben auf 33,777 Frs. Bon diesen kostete das Bureau freilich 9825 Frs., die Portis und Versendungen 3311 Frs., die Drucksachen 2883 Frs. Der Ueberschuß belief sich also auf 16,828 Frs. Das Capital des Vereins belief sich auf 44,192 Frs. Wir glauben durch diesen objektiven Bericht Ihre Leser am besten in den Stand zu setzen/sich selbst ein Urtheil zu bilden. Nimes, im Januar. (Privatmitth.) Wie in Frankreich überhaupt das ganze Land von Paris verschlungen wird und selten Etwas aus den Provinzen in die Oeffentlichkeit dringt, so erfährt man auch wenig von den zahlreichen, wenn auch nicht großen israelitischen Gemeinden Frankreichs. Man weiß, sie stehen unter Consistorien, welche aus gewählten Laien zusammengesetzt sind und an deren Spitze sich ein Großrabbiner befindet, daß die größeren Gemeinden auch Commu-