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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-02-12 · Heft 7 (12.2.1867) · p. Seite 135

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 7 (12.2.1867)
Date
1867-02-12
Page
Seite 135 (sequence 11)
Language
German
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135 Sitze im Landtage gewinnen. Die Wiederwahl des Abgeordneten Dubs in Lembergs des Dr. Landesberger in Kolomea und des Dr. Hönigsmann tu Brody steht außer Zweifel; Krakau dürfte Dr. Ettinger oder Dr. Somelsohn in den Landtag entsenden. In Buczacz dürfte der Prediger der hiesigen Israeliten-Gemeinde, Dr. Bernhard Löwenstein, ein Mann von seltener Beredsamkeit, aus der Wahlurne hervorgehen. Letzterer ist übrigens auch von der jüdischen Gemeinde der Stadt Stanislau als Candidat aufgestellt worden. Pest, im Januar. (Privatmitth.) Der Borstand des Irwaeiita Magyar Egylet, d. i. des seit vielen Jahren für die Verbreitung der ungarischen Sprache unter den Israeliten Ungarn thätigen Vereins, dessen derzeitiger Präses der durch edlen Eifer ausgezeichnete vr. Heinrich Pollak ist, hat einen in ungarischer und deutscher Sprache abgefaßten Aufruf erlassen, um dem Vereine zahlreiche neue Mitglieder zu erwerben. Es heißt in demselben: „Die älteste wie die neueste Geschichte des Judenthums hat es unwiderleglich erwiesen, daß der Jude aller Orten die Ansprüche nationaler Bildung mit den ewigen Grundlagen seines confessionellen Lebens in den wohlthuendsten Einklang zu bringen verstand. Alle große Völker, in deren Mitte unsere Väter, oft als Verbannte, gelebt, zählen jüdische Namen auf, die als Sterne erster Größe eben so den Horizont der jeweiligen nationalen, als den der jüdisch-religiösen Literatur mit unsterblichem Glanze erfüllten. In dieser wundersamen Bildsamkeit und Aneignung fremder Culturelemente, mit denen unsere Väter den Urboden jüdischer Anschauungen zu befruchten und zeitgemäß zu veredeln gestrebt, — in diesem mehrtausendjährigen Vorgänge des jüdischen Geisteslebens liegt zum großen Theil die Lösung des Räthsels der fortwährenden Verjüngung des jüdischen Stammes und seiner Institutionen. Um würdige Nachkommen unserer frommen, großen Vorväter zu werden, müssen wir jene Epoche herbeiführen helfen, in welcher auch bei uns der gesunde Baum religiös-nationalen Erkenntnisses seine fruchtreichen Zweige über Synagoge und Schule, Leben und Gesellschaft ausbreite. Wir müssen daran arbeiten, die Freunde der ungarischen Literatur mit den Werken jüdischen Denkens und Strebens der alten und neueren Zeit bekannt zu machen, und unserseits als nationalgesinnte Kämpen für den Werth und die Bedeutung des Judenthums nach jeder Richtung hin einzustehen. Der „Jzraelita Magyar Egylet" scheint uns vorzüglich dazu berufen, die kostbaren Keime jüdisch-ungarischer Entwickelung zu pflegen und zur Blüthe zu bringen. Schon regen sich erfreuliche Anfänge zur Schaffung einer jüdisch-ungarischen Literatur. Junge Talente, zumeist wirkende Mitglieder unseres Vereins, entfalten auf verschiedenen Gebieten heimischer Literatur eine ehrenvolle Thätigkeit. Der Verein hat durch Ertheilung unentgeltlichen Unterrichtes in ungarischer Sprache, Abhaltung jüdischgeschichtlicher und gemeinnütziger Vorträge, Erhaltung eines Lesezimmers mit Zeitungen und einer gewählten ungarischen Bibliothek, Herausgabe jüdisch-ungarischer Schriften, Unterstützung jüdisch-ungarischer Schriftsteller, Aufmunterung jüdisch-ungarischer Schüler u. s. w. einen kleinen Therl seiner Pflichten zu erfüllen gesucht. Mehr zu leisten, gestatteten bei der besten Absicht die schwachen materiellen Kräfte des Vereines nicht. Damit nun der Verein den wichtigeren und größeren Theil der Aufgabe vollziehen könne, bedarf er der ausgiebigen Mithilfe und Unterstützung unserer verehrten Glaubensbrüder. Soll die Flamme auf dem Altäre des religiös-nationalen Heiligthums auch über unsere engern Kreise hinaus wärmend und erleuchtend wirken, so muß diese ausgiebig genährt werden. Dazu bedarf es nicht nur wohlmeinender Sympathien, die wir in den Herzen unserer Mitbrüder voraussetzen, sondern vorzüglich werkthätiger Theilnahme." Die Mitgliedschaft des Vereins erlangt man durch die Verpflichtung drei Jahre lang jährlich mindestens 4 fl. zu zahlen. Mit Vergnügen konstatiren wir, daß die früher von einigen Heißspornen angefochtene feindliche Haltung des Vereines gegen alle deutsche Elemente längst aufgegeben worden, und einem würdigen Streben Platz gemacht hat, das sich wohl bewußt ist, wie die bessere und weitere Entwickelung des ungarisch-nationalen Elements gerade auf dem Grunde und mit Hülfe der deutschen Kultur unter den Israeliten Ungarns am besten gefördert werden könne. Die durch geschichtliche Verhältnisse herbeigeführte Complikation des Jüdischen, Deutschen und Ungarischen im Israeliten Ungarns ist, wenn diese zu einander nicht in feindlichen Gegensatz, sondern zu gegenseitiger Unterstützung gebracht werden, 7*

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