Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1867)
- Date
- 1867-02-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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3i, Jahrgang. Allgemeine M *♦ Zeitung des ZudcnthumS, Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 12. Februar 1867. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 2 bis 2V2 Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2Thlr. Vierteljährig I Thlr. Inserate werden mit t */2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Burcau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel.: Polemisches: III. Emile Burnouf über Beredsamkeit. — Die Petition an das norddeutsche Parlament. — Literarischer Wochenbericht. — Schrifstücke mit hebräischer Namensunterschrift. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Aus Württemberg, Breslau, Merzig, Meisenheim. O esterreich i s ch e r K a i s e r st a a t: Prag, Lemberg, Pest. Donauf ü r st e n t h ü in e *»:. Bukarest. Arankreich: Paris. Italien: Florenz. Palästina: Jerusalem. Feuilleton-Beilage: Verschenkt! Verlauft! (Forts.) — Rachel. — Eine Verirrung der Bekehrungsincht. Leitende Artikel. Bonn, den 1. Februar 1867. Polemisches. III. Emile Burnouf über Beredtsamkeit. Wir haben vor einiger Zeit wiederholt Gelegenheit genommen, den Racenschematismus zu bekämpfen, in welchen sich insonders mehrere französische Gelehrte, und unter ihnen vorzugsweise Herr Emile Burnouf verrannt haben. Man könnte es eine Manie nennen. Niemand leugnet, nach den großen Sprachfamilien die Scheidung des Menschengeschlechts in mehrere Racen, unter welchen die Arier*) *) D. s. Inder, Perser, Griechen, Römer, Germanen, Romanen, Slaven. und die Semiten*) den Hauptrang einnehmen. Die größten Sprachvergleicher unserer Zeit aber, zum Beispiel Jakob Grimm,**) Max Müller***) u. A. nehmen, auf viele Gründe gestützt, an, daß auch den ältesten Gestaltungen dieser Sprachstämme eine ursprüngliche Wurzel vorhergegangen, so daß also doch eine Ursprache allen anderen zu Grunde liege. In der Geschichte selbst sehen wir die verschiedenartigen Völkerstämme in immerfortiger Wechselwirkung, Verbindung, Eingliederung, Verschränkung und Aufgehen des einen in den anderen, f) Dies stört aber die Racenfanatiker nicht. Ihnen ist es darum zu thun, das Menschengeschlecht in bestimmte Fächer zu bringen und zu scheiden, und jedem Fachwerk seinen besonderen Inhalt an Eigenschaften, Kräften und Richtungen zu geben, wobei es dann wieder sehr natürlich ist, daß das eine Fach sehr groß und strotzend von Herrlichkeiten, das andere sehr klein und von magerem Gehalt geräth; ebenso natürlich ist es, daß das erstere gerade dasjenige ist, in welches der betreffende Autor hineingehört. Wir sahen $. B. damals, daß Herr Burnouf den Ariern eine Natur zuschreibt, welche lediglich des Be- *) D. s. Hebräer, Araber, Phönizier, Syrer, Chaldäer, Assyrer. **) Vgl. Ueber den Ursprung der Sprache (Kleinere Schriften von I. Grimm, Bd. I. Berlin 1864, S. 255 ff.) ***) S. Vorlesungen über die Wissenschaft der Sprache Bd. I. (Leipzig 1866, 2. Aust., S. 298 ff.) ‘ f) Vgl. das sehr gründliche Werk „Anthropologie der Naturvölker" von Theodor W aitz, (Leipz. 1859), das wir Herrn Burnouf zu nachhaltigem Studium empfehlen. Vgl. Collectaneen in Nr. 5st, Jahrg. 1865 dieser Zeitung.