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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-02-05 · Heft 6 (5.2.1867) · p. Seite 121

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 6 (5.2.1867)
Date
1867-02-05
Page
Seite 121 (sequence 17)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Zu-enthums. Feuilleton-öeilage M Nr. 6. Leipzig, den 5. Februar 1867. Verschenkt! — Berkanst! Novelle. (Fortsetzung.) Als die Wallfahrer in die Nähe von Speyer kamen, stieg in ihnen das Bewußtsein auf, daß sie ganz ohne Führer seien, daß dem regellosen Haufen jeder ordnende Befehl mangle. Sie hatten niemand unter sich, dem sie gehorchen wollten, und der sich im Nothfalle Gehorsam erzwingen konnte. Sie beriethen sich mit einander, und einer, der in der Gegend Bescheid wußte, machte sie auf den Grafen Geroldstein aufmerksam, der zwar nicht das Kreuz genommen, jedenfalls aber bereit sein würde, den Ueberfall über die Juden zu leiten. Man beschloß daher, Boten an ihn zu senden, um ihn in die Mitte der Wallfahrer zu rufen. Eben hatte der Graf mit seinen Gefangenen seine Burg erreicht und sich zum reichlichen Mahle niedergesetzt, als der Thorwart die Ankunft Fremder anzeigte. Die Unterhandlung war kurz. Der Graf liebte Kampf und Mord zu sehr, und war den Bewohnern von Speyer, deren Macht er stets zu fürchten hatte, zu gram, um nicht gern an der Spitze einer bewaffneten Horde in die Stadt dringen und darin einige Tage den Herrn spielen zu wollen. Aber schon daß es gegen die Juden gehen sollte, hätte ihn zur Annahme des Antrages bewogen. Eine Stunde später saß er zu Roß und verließ mit seinen Reisigen, deren Zahl jedoch bei der Eilfertigkeit des Zuges nicht groß war, die Burg. Er hatte bald seinen Pakt mit den Häuptern des wilden Haufens geschlossen, wobei er sich einen guten Theil des zu erwartenden Raubes ausmachte, ohne jedoch andererseits mehr zu erreichen, als an der Spitze marschiren zu können, und den ersten Sturm des Angriffs auszuführen. Man setzte sich gegen die Stadt in Bewegung. Unterdessen hatten in der Judenstadt unter der Leitung Meschullam's und seiner Genossen die Dinge gewissermaßen eine regelmäßige Gestalt angenommen. Zwar gab es des Wehklagens und Jammerns und der erschütternden Scenen genug, da die Frauen von ihren Männern, die Eltern von ihren Kindern, allesammt von ihren Hausern und ihrem Eigenthum Abschied zu nehmen hatten, und Niemand die Wiederkehr voraussehen konnte — aber die eiserne Nothwendigkeit und das Gefühl, hierin allein eine Bürgschaft der Rettung zu finden, ließ die Anordnungen der Führer willigen Gehorsam erlangen. Nach einigen Stunden war alles Nöthige geschehen und auf die so bewegte Judenstadt legte sich eine Todtenstille, die nur dann und wann durch einen Trupp bewaffneter Männer unterbrochen ward, welcher nach dem ihnen angewiesenen Posten eilte. Einige Reisige des Grafen Geroldstein sprengten voran in die Stadt, um den Stand der Dinge auszukundschaften. Sie wurden von Stadtwächtern in Empfang genommen und nach dem Rathhause geführt, wo ihnen der Bürgermeister den Auftrag an den Anführer der Wallfahrer ertheilte: er möge wohl wahrnehmen, daß keiner seiner Leute in der Stadt selbst eine große Unordnung begehe, da sonst die auf bestimmten Plätzen postirten Mannschaften der Stadt dafür Rache nehmen und sämmtliche Wallbrüder mit Gewalt aus der Stadt vertreiben würden. Uebrigens gab es Leute in der Stadt genug, welche den Untergang der Juden gern gesehen hätten, Einige aus Haß und Fanatismus, die Meisten, weil sie sich Vortheil daraus versprachen. Diese ertheilten den Reisigen des Grafen genaue Kunde von Allem, was geschehen, so daß der Letztere seinen Angrifssplan entwerfen konnte. Er wandte sich daher zuerst dahin, wo er die meisten Kostbarkeiten zu finden hoffte, und am ungescheutesten angreifen durfte, nach der kaiserlichen Burg. Mit Ungestüm warf sich der Graf mit seinen Reisigen und einem Haufen kräftiger Kreuzfahrer auf den Eingang derselben; aber der breite waffergefüllte Graben, die aufgezogene Zugbrücke, das feste Thor', die hohen Mauern schienen jedem Angriff Trotz zu bieten. Es wurden Balken herbeigeschafft, um den Graben überschreiten zu können, und Männer mit Aexten stürzten darüber hin, um die Ketten zu zerhauen und das Thor einzuschlagen. Jetzt aber schütteten die Belagerten über die Angreifer einen Hagel von Pfeilen und Wurfspießen aus und der Ritter Georg ließ sogar einige Wurfgeschosse mit großen Steinstücken spielen, daß die Stürmenden mit namhaftem Verluste zurückweichen mußten. Die wenigen, welchen es gelang, über die Balken hinüberzukommen, wurden von der Mauer aus getödtet. Dreimal stürmten die Kreuz- \

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