Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1867)
- Date
- 1867-02-05
- Page
- Seite 111 (sequence 7)
- Language
- German
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111 Die ganze Broschüre trägt in ihrer Einfachheit, ihrem ungekünstelten Inhalt den Stempel der Wahrhaftigkeit. Daß der Vers, so viele Einzelheiten im Gedächtniß bewahrt hat, ist um so erklärlicher, als das Schicksal seiner Familie eine so traurige Wendung durch diese Borgänge genommen. So viel ist gewiß, daß diese Mittheilungen über Alles, was im Innern der Familie und ihrer Wohnung vor sich ging, nicht den geringsten Aufschluß bieten, und ebenso wenig erhält die Person des Frank eine positive Aufklärung. Dagegen scheint es entscheidend gegen die Annahme, daß wir es hier mit einerjüdischen Sekte zu thun haben, zn sein, daß die Herren vom Hofstaat des Fremden Hochpolen gewesen, das übrige zahlreiche Gefolge in Aussehen und Jargon nichts Polnisch-Jüdisches gehabt, und das Fräulein Dch in einem gerichtlichen Akt als Romauowna unterzeichnet hat. Andererseits scheint irgend ein Beweis für die Identität des Barons von Frank mit einem jüdischen Sektirer in Polen bis jetzt noch nicht geführt zu sein. Was Jost Bd. VIII. S. 129 anführt, beziebt sich eben nur auf den polnischen Sektirer. Als Zeugniß betreffs des Frank in Offenbach führt er ein mit rother Dinte geschriebenes Rundschreiben an die jüdischen Gemeinden Deutschlands an. Allein dieses Schreiben war von 1767 und 176S datirt und von drei Anhängern unterschrieben. Zu jener Zeit war aber der Baron von Frank noch nicht einmal nach Wien gekommen, wo er erst 1778 erschien. So lange wir daher nicht von glaubwürdigen, jüdischen Zeugen, die selbst bei Frank in Offenbach gewesen, die Identität versichert erhalten, müssen wir jetzt die Geschichte einer sabbathäischen Sekte in Offenbach streichen. Es bleibt Nichts übrig, als daß in den sechsziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Polen die letzten Zuckungen des sabbathäischen Schwindels stattgefunden. Polemisches. II. Die neuen Romanciers und die Luden. Von Rabb. Dr. Buchholz in Mark. Friedland. (Schluß.) Allein hiermit hält Herr D. seine Pflicht als christlicher Schriftsteller noch nicht erfüllt. Die Juden erringen ja nicht blos Bortheile auf dem Gebiete der Journalistik und der Presse, sondern ganz besonders ja auch im Handel, und Herr D. glaubt keine Gelegenheit unbenutzt vorüber lassen zu dürfen, die auch nur im Entferntesten einen Anhaltspunkt ihm bietet, seine Schuldigkeit gegen die Juden zu thun. Der immer humoristische und geistreiche Herr führt den Leser in die sehr großen Geschäftsräume eines gewaltig reichen Kaufmanns mit folgenden Worten ein: „Zieh' die Schuh' aus, miserabler Leser, der Du zu Fuß durch unsere fashionable Geschichte gehst; zum Mindesten die Ueberschuhe, wenn Du das Unglück hast, mit diesem Erzeugniß unseres Kautschuk-Zeitalters auf Deinem schmutzigen, leichdornenvollen Lebenswege behaftet zu fein. Hut ab, ihr Alle, weß Standes und Alters ihr seid, mit Ausnahme des ehrwürdigen Hebräers, der lieblichen Tochter aus dem Stamme Judah, die uns folgen. Sie mögen nach alttestamentarischer Sitte ihr Haupt bedecken, da wir in den Tempel desjenigen^ Gottes treten, den in prophetischem Fernblick ihr auserwähltes Volk schon vor etwelchen Jahrtausenden anbetete — das güldene Kalb!" Nach diesem geistreichen Prolog erwartet der Leser gewiß in das Geschäft eines Juden eingeführt zu werden, doch weit gefehlt! Die Firma heißt: Hans Heinrich Kr afft und gehört einem ehrlichen Christen, der sich durch angeborenen Geschäftsgeist vom letzten Abläder zmn ersten Kaufmann der Residenz emporgeschwungen. Seine Geschäfte sind, wie uns Herr D. weiter erzählt, eben nicht immer harmloser, streng reeller Natur, allein es ist die Geschicklichkeit und der angeborene Kaufmannsgeist Kraffts, der die moralischen Löcher in diesem güldenen Mantel zudeckt und den Träger obenein mit dem Glorienschein eines gemeinnützigen Mannes, eines Wohlthäters der Residenz umgiebt. Wenn nun aber auch einem Christen dieser Handelsgeist angeboren sein kann, wenn auch von Nichtjuden das Geschäft in allen seinen Schlichen und krummen Wegen so wohl verstanden und mit so glänzendem Erfolge in Scene gesetzt wird', warum gerade die Hebräer, „das auserwählte Volk" als Priester des goldenen Kalbes hinstellen? Weil Herr D. es den Juden nicht verzeihen kann, daß Viele unter ihnen durch den Handel und das Geschäft Vermögen erworben haben, weil er die Juden als Träger des Schwindels, als Blutsauger und Halsabschneider par excellence verschreien möchte, wie er denn auch weiterhin den Juden mit diesen in eine Reihe stellt. Als nämlich Herr Krafft den kleinen Leuten, den Handwerkern und Subalternbeamten, scheinbar aus seine Kosten, in Wahrheit aber