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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-01-29 · Heft 5 (29.1.1867) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 5 (29.1.1867)
Date
1867-01-29
Page
Seite 104 (sequence 24)
Language
German
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104 dienste zuzumuthen: allein diese waren jedesmal so gern dazu bereit, daß sie.mit wahrer Frische und Freudigkeit erschienen und in frommer Andacht bis zu Ende verharrten. Diese Thatsache ist in dem Wesen des Menschen begründet, das zumeist in den Stürmen, die ihn umtoben, in den Gefahren, die ihn umlagern, in dem Zustande, der in jedem Augenblicke das Leben mit sich abzuschließen zwingt, mit dem Lenker der Geschicke Zwiesprache hält und durch die heiligen Formen der angestammten Religion und mit dem Gebet des anerzogenen Glaubens die Seele erläutert und erfüllt. Ich hatte oft Gelegenheit, diese Gewalt des religiösen Glaubens am Krankenbette der Soldaten wahrzunehmen, die an ihrer Genesung verzweifelnd, sich an dem Trost der Religion erhoben. Je vorteilhafter aber die Belehrung über das Heilige auf das Herz und Gemüth des Kriegers einwirkt, desto mehr ist es zu bedauern, daß der jüdische Soldat dieses Vortheils entbehrt und ihm in den verschiedenen Lagen, in welche ihn der Feldzug bringen kann, der geistliche Zuspruch, die Aufrichtung der Religion fehlt. Man sage nicht, daß den einzelnen Truppentheilen eingereiht die jüdischen Soldaten zu sehr zerstreut und in zu geringer Anzahl Vorkommen, als daß es zweckentsprechend wäre, ihnen Feldgeistliche beizugeben. Denn gerade der jüngste Krieg hat gezeigt, wie oft die verschiedenen und in Friedenszeit weit von einander garnisonirenden Truppentheile an einem und demselben Orte neben einander rasten, so daß häufig eine große Anzahl jüdischer Soldaten sich zu einem gemeinsamen Gottesdienst vereinigen ließ. Die preußische Armee zählte in dem verflossenen Kriege 8000 Soldaten jüdischen Glaubens, in Zukunft wird durch die neuerworbenen Länder und durch die Bundesverfassung diese Zahl sich-bedeutend steigern: die Zweckmäßigkeit der Anstellung von jüdischen Feldgeistlichen dürfte daher wohl einleuchtend sein. Die ernsten Anregungen, welche ich aus dem Vortrage schöpfte, wurden am Ende desselben durch eine Mittheilung unterbrochen, die ein wahres Kuriosum enthielt und den Juden, der bisher ungenannt blieb und nur mich beschäftigt hatte, handelnd einführte. In Böhmen kamen die Truppen bisweilen durch Dörfer, in welchen eine kleine evangelische Gemeinde seßhaft ist und durch die Fürsorge des Gustav-Adolf-Vereins ein evangelisches Gotteshaus besteht. Da jedoch der evangelische Geistliche in der Regel zehn Meilen und noch weiter von solcher Gemeinde entfernt seinen Wohnsitz har, so existirt — mitten in diesem Heimathland der Hussiten — die evangelische Gemeinde nur dem Namen nach, und die geistlichen Functionen, welche in derselben zu vollziehen sind, werden von dem Seelsorger erledigt, wenn derselbe in langen Zwischenräumen einmal das Dorf besucht. Der Durchzug der preußischen Truppen durch ein solches Dorf gab in der evangelischen Gemeinde einem Vater die erwünschte Gelegenheit, sein neugeborenes Kind Verlag von Baumgartner s Buchhandlung i Verantwortlicher von dem anwesenden Feldgeistlichen taufen zu lassen. Als dieser zur Vollziehung des Actes schreiten wollte, ergab sich, daß der Vater, wie sämmtliche Bewohner des Dorfes nur böhmisch sprachen, der Geistliche hingegen nur deutsch verstand. Da wurde ein Jude, der in dem Dorfe lebt und deutsch spricht, requirirt, zum Dollmetscher bestellt und unter seinem Beistand die heilige Handlung vollzogen. Was aber für den Einzelnen erreichbar war, konnte das nicht auch die ganze Gemeinde für sich ermöglichen? Die Gemeinde hatte das heilige Verlangen, nun auch das Abendmahl zu genießen, dessen sie schon lange entbehrte. Der Geistliche war bereit, es zu ertheilen, und da wiederum die Uukenntmß der Sprache hinderlich war, wurde in gleicher Weise, wie früher, der Jude citirt, und die Gemeinde empfing aus den Händen des Geistlichen und unter der Weihe des Juden das Abendmahl, kelata retoro. Ob und welche Seelenruhe die Andächtigen daraus gewannen, daß an ihnen die heiligsten Sacramente ihres Glaubens durch den Beistand eines Juden ausgeführt wurden, ist in dem Vortrag nicht weiter ausgesprochen worden. Als ich nach dem Vorträge aus der Versammlung nach Hause zurückgekehrt war, las ich die Verhandlungen de§ Abgeordnetenhauses über die Petition der 304 jüdischen Gemeinden, in deren Verlauf der Abgeordnete Wagener unter manchem Andern, das hierher paßt, sich dahin äußerte, daß ein Jude als Richter einem Christen einen Eid nicht abnehmen dürfte, weil der Christ von dessen Admonition nur chokirt wird, und das Kreuz, vor dem der Eid geschieht, dem Juden ein Spott sein Dr. T. C. Kuriosa. Vor Kurzem zählte Jemand aus dem Adreßbuchs von Berlin zusammen, wie viele des gleichen Namens sich in dieser Stadt befänden? z. B. der Müller, der Schulze, der Schmidt u. s. w. Da fand sich denn auch, daß den Namen Cohn >95 führten — abgesehen von den „Kuhn, Kahn, Cohen" u. dgl. Varietäten derselben Spezies. Vcsterrcichisches Museum in Wien. In demselben ist jetzt eine ciselirte silberne Menora leine Lampe, welche am Chanuka, Makkabäer-Feste, gebraucht wird» ausgestellt. Dieselbe wurde von einem israelitischen Goldarbeiter in Wien, Beer Zoref, angefertigt. Dieser gehörte zu den Exulanten, welche im Jahre 1070 Wien verlassen mußten. Uin sich und seinen Sohn, Namens Hirsch zu verewigen, brachte er an dem Leuchter die Einbleme eines Bären und eines Hirsches an. Ehemals Eigenthum eines Nachkommen des Verfertigers, des Herrn Di'. B. Beer in Dresden, gehört sie jetzt Herrn Dr. G. Wolf in Wien. Leipzig. — Druck von I. B. Hirfchfeld, tcur l>r. H. Lotze»

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