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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-01-22 · Heft 4 (22.1.1867) · p. Seite 80

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 4 (22.1.1867)
Date
1867-01-22
Page
Seite 80 (sequence 20)
Language
German
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80 Kuriosa. Eine Lraut in Äengsten. Es muß unangenehm sein, wenn der Bräutigam, nachdem er einmal Ja gesagt hat, die nicht tröstliche Wahrnehmung machen muß, daß die ihm vielfach versprochene Mitgabe seiner Braut ziemlich auf Null reducirt wird. Ein jüdischer Bräutigam in Crenzberg (Oberschlesien) wollte sich einer solch unangenehmen Situation nicht aussetzen, und verlangte daher, vor der Trauung die versprochene Mitgabe seiner Braut, 600 Thaler, ausgezahlt zu erhalten. Der Vater der Braut, ein armer Mann, hatte mit aller Mühe 350 Thaler zusammengescharrt, welche er dem mehr geldals liebedurstigen Schwiegersöhne hinzählte. Dieser jedoch, nicht gesonnen, von der versprochenen Summe abzugehen und jedenfalls von seinem eigenen Werthe überzeugt, wies die Summe mit Entrüstung von sich, setzte sich an seinen Werktisch und begann, unbekümmert um die Braut und die geladenen Gäste, zu arbeiten. - Zureden, Vorstellungen, Versprechungen, nichts half — er blieb unerbittlich und arbeitete fort bis gegen Abend, wo sich die liebe Jugend vor seinem Fenster euifanb und dem eigensinnigen Bräutigam ein Ständchen nach eigener Art brachte. Endlich erbarmte sich die Mildthätigkeit der Glaubensgenossen der seit dem Morgen im Brautkleide eingezwängten, des Bräutigams harrenden Braut, indem durch Sammlung die fehlende Summe aufgebracht und ihm zmn größten Theile in baarem Gelde, zum kleineren Theile in einem Wechsel, acceptirt und girirt von zwei seiner Glaubensgenossen, übergeben wurde. Der Bräutigam hatte aber an diesem Tage seine eigensinnigste Laune angenommen, er verlangte einen christlichen Giranten, was ihm auch gewährt werden mußte — nun endlich entschloß er sich, die Arbeitstracht mit seinem Bräutigamsanzuge zu vertauschen und die Braut mit seinem Namen zu beglücken. — „Was heißt Liebe? - Geld will ich'." waren seine Worte, als ihm von verschiedenen Seiten Vorwürfe ob seines lieblosen Betragens gemacht worden waren. Eine Ausführung Der „Makkabäer" von ©tto Ludwig in Wien. (Aus der Presse.) Im Grunde muß bei jedem rechten Stücke das Publicum mitspielen. Wie ärgerte sich nicht Börne über das Volk, das im Theater saß, Anspielungen auf ihm naheliegende Zustände hörte und dabei kein Goldsingerchen rührte, nicht mit einem Athemzuge seine Theilnahme verrieth. Heute ist das besser geworden, man brauchte blos am Reujahrstage im Burgtheater zu sein, um sich davon zu überzeugen. Es wurden „die Makkabäer" von Otto Ludwig gegeben und neben Joseph Wagner wüß- Verlag von Baumgartners Bucktzandlung i Verantwortlicher Reda ten wir keinen zu nennen, der dabei mit solchem Eifer seine Sache geführt hätte, als das „verehrte Publicum". Es spielte im wahrhaften Sinne des Wortes mit, ungefähr wie der Chorus in der alten Tragödie, der die Thaten der Helden mit seinen Glossen begleitet. Im zweiten Akte, da sich die Handlung zum höchsten dramatischen Effecte steigert — die Syrer kommen und errichten den Altar ihrem Götzen, auf dem die Juden opfern sollen, Angst und Zagen unter dem Volke; ein jüdischer Priester tritt: weil „der Mensch leben will, wenn er sonst nichts will", zum Altar, um nach heidnischer Art zu beten; der Uebermuth der Syrer wächst wie die Verzagtheit der Juden; da stürzt Judah i Wagner) vor, zerschmettert den Götzen und predigt dem Volke von dem Gotte, „der auf Feuersäulen wandelt, der da war, der ist, der ewig sein wird — in diesem Augenblick glich das Theater einer großen Gemeinde aus dem Volke, dessen Geschichte auf der Bühne wiedergespiegelt wurde, und der donnernde Applaus, der nach diesen Worten ausbrach, hatte eine merkwürdige Ähnlichkeit mit dein fremdartigen Murren und Rauschen, das man in Vorhallen israelitischer Tempel zu hören bekommt — wenn dort ein wichtiger Tag durch Gebet gefeiert werden soll. Das Publicum schien in diesem Applaus sein Glaubensbekenntniß ablegen zu wollen und nach dem mächtigen Wiederhalle desselben wäre für die Andersgläubigen ein etwa im Theater improvisirter Religionskrieg von den ungünstigsten Chancen gewesen. Wahrhaft schmerzlich mußte es dies Publicum berühren, Sonnenthal*) unter den Abtrünnigen zu sehen und das Jauchzen der Gallerie, da er im letzten Akte reuig zum Glauben seiner Väter zurückkehrt, galt diesmal keineswegs dem Künstler allein. Dem „Volksfreund" **) aber mag es zu Beruhigung dienen, daß gerade der einzige von den Makkabäern, welcher mit dem Feinde der Israeliten gemeinsame Sache macht, regelmäßig von einem Juden (ehemals Davison, nun Sonnenthal) gespielt wird. Sein frommes Gemüth wird gegen diese Art der „Berjudung der Hofbühne" kaum etwas einzuwenden haben. Man erzählt in Berlin folgenden Scherz: Kürzlich unterhielt sich hier bei einer patriotischen Festlichkeit, wo die Geistlichkeit aller Confessionen versammelt war, ein katholischer Geistlicher mit einem jüdischen und stellte an letzteren dabei die Frage, wann die Zeit kommen werde, wo sie endlich gemeinschaftlich an einer Tafel speisen könnten. Der orthodoxe jüdische Geistliche gab, ohne sich zu besinnnen darauf die Antwort: „Bei Ihrer Hochzeit!" *> sonnenthal, einer der vorzüglichsten Schauspieler des Burgtheaters, ist Jude. **) Der „Volksfreund" ist ein ultramontanes Blatt. Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld, eur Dp. H. Lotze.

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