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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-01-22 · Heft 4 (22.1.1867) · p. Seite 71

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 4 (22.1.1867)
Date
1867-01-22
Page
Seite 71 (sequence 11)
Language
German
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71 Paragrapye empfehlen, während die Minorität, in deren Namen Samelson referirte, die Weglassung derselben aus Rücksicht auf das Princip der Gerechtigkeit und das Wohl der Gemeinde beantragte. Im gleichen Sinne sprachen Dubs und Landesberger. Die fraglichen Bestimmungen würden zu Zweifeln Anlaß geben und damit den Zankapfel von Neuem unter die Bekenner der beiden Religions-Bekenntnisse werfen. Zyblikiewicz, der immer konstitutionelle Gewissensscrupel an den Tag legt, so oft es um jüdische Angelegenheiten sich handelt — in Sachen der Reichsverfassung ist er viel weniger scrupulös — hebt die Nothwendigkeit hervor, die Autonomie des Gemeinderaths zu wahren. Dr. Ziemialkowski, der nach seinen im israelitischen Tempel gegebenen feierlichen Versprechungen, für die Sache der Gleichberechtigung wirken zu wollen, zuerst mit Hilfe der Lemberger, und jetzt wieder mit Hilfe der Stanislauer Judenschaft in den Landtag gelangte, hielt es für überflüssig, in dieser Frage das Wort zu ergreifen. Dagegen hielt er sich allerdings für verpflichtet, gegen die Creirung zweier Wahlkörper zu sprechen, welche auch über seinen Antrag abgelehnt wurde. Da die Beibehaltung eines Wahlkörpers mit zu den Gründen gehörte, welche die Verweigerung der Sanction veranlaßten, so scheint das Statut auch in seiner neuen Form wenig Aussicht auf Bestätigung zu haben. Italien. Venedig, im Jan. (Presse.) Aus Venedig wird uns unter dem 6. d. geschrieben: „In Folge der Intoleranz eines katholischen Priesters ist es in Rovigo zu bedauerlichen Reibungen zwischen Christen und Israeliten und schweren Excessen gekommen. Es war nämlich der dortige Bischof, Conte Benzon, gestorben, und wurde, wie dieses gebräuchlich ist, sein Leichnam in der Domkirche aufgebahrt und öffentlich ausgesetzt. Nun war der verstorbene Bischof ein seiner liberalen Grundsätze und Herzensgute wegen in Rovigo allgemein beliebter und geachteter Mann, und es erbot sich daher die dortige Nationalgarde freiwillig, den Ehrenwachdienst in der Kirche zu versehen, und wurden unter anderem acht Nationalgarden zu beiden Seiten des Katafalks als Ehrenwache aufgestellt, welche alle Stunden abgelöst wurden. Noch müssen wir vorausschicken, daß in keiner Stadt Veneziens die israelitische Bevölkerung verhältnißmäßig so überwiegend vertreten ist als in Rovigo, und zufällig sind gerade die wohlhabendsten und industriellsten Bewohner Rovigos Israeliten, so daß in Folge dessen in der Nationalgarde sehr viele Israeliten sich befinden. Der böse Zufall nun wollte es, daß gleich bei der ersten Ehrenwache beim bischöflichen Katafalk vier Nationalgardisten israelitischer Religion aufgestellt worden waren. - Die Sache wäre vielleicht ganz unbeachtet vorübergegangen, wenn nicht ein glaubenseifriger Domherr, welcher zufällig die vier beim bischöflichen Katafalk haltenden israelitischen Nationalgarden persönlich kannte, ganz entsetzt zu dem die ganze Wache commandirendeu Nationalgarde-Officier geeilt, ihm das fürchterliche Ereigniß , daß Israeliten bei der Leichenfeier eines katholischen Bischofs amtlich fungiren, in grellen Farben geschildert und deren augenblickliche Entfernung und Ablösung gefordert hätte. Der commandirende Nationalgarde-Officier war tactlos genug, dem Wunsche des glaubenseifernden Domherrn sogleich nachzukommen, nicht einmal die Stunde der Ablösung abzuwarten, sondern die vier israelitischen Nationalgardisten sogleich durch ebensoviel christliche ablösen zu lassen, deren Glaubensbekenntniß das katholische Gewissen des Domherrn nicht verletzen konnte. Wie dieses gewöhnlich der Fall ist, verbreitete sich die Nachricht von dem Borgefallenen mit Blitzesschnelle in der Stadt, und versetzte den israelitischen Theil der Bevölkerung in große Aufregung. Die Excesse begannen damit, daß der von der Wache abzieheude Nationalgarde-Officier von einigeu Israeliten thätlich insultirt wurde, und alle Israeliten ihren Austritt ans der Nationalgarde erklärten. Die Erregung wurde immer größer, so daß die Stadt förmlich in zwei sich feindselig gegenüberstehende Parteien, Christen und Israeliten, getheilt wurde. Es kam zu Reibungen, Schlägereien und vorgestern war die Sache so weit gediehen, daß ein drohender Bolkshaufe die Häuser mehrerer Israeliten anzuzünden drohte und wirklich auch in das Haus eines jüdischen Banquiers Feuer legte. Zum Glücke gelang es der intervcnirenden gesetzlichen Macht, größeres Unheil zu verhüten; das Feuer wurde schnell gelöscht und, Dank der Intervention der Behörden und mehrerer angesehener 4«

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