Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1867)
- Date
- 1867-01-15
- Page
- Seite 50 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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50 bas Konkordat, sondern durch die Juden ins Verderben gestürzt worden sei. Die Spitze geht dann auf Kuranda, der mit allerlei Ekelnamen belegt wird. Zur Steuer der Wahrheit muß übrigens bemerkt werden, daß das betreffende am Sitz der Kurie erscheinende Blatt stets über Mangel an lluterstützung klagt." St. Johann-Saarbrücken, 1. Januar 1867. (Privatmitth.) Soeben lese ich im Courier de Luxemburg, d. d. :t(l. Dcc. 1866, folgenden Bericht, den ich Ihnen sofort im wortgetreuen Auszug zur Veröffentlichung in Ihre geschätzte Zeitung zugehen zu lassen mich beehre: ' „Am 22. Dccember war das Torf Straßen <1 Stunde von Luxemburg) Zeuge einer Begebenheit, die »vir in unserem Lande für unmöglich gehalten hätten. — Die in Straßen wohnende Wittwe Louis Lewh hat ein Töchterchen von 14 Jahren, welches die dortige Schule besucht. Nun ist die kleine Henriette Lewh israelitischer Confession, und die Straßener Schule wird durch Ordensschwestern geführt. Die Schwestern konnten, wie es scheint, dem frommen Wunsche, dem lieben Herrgott ein Weihnachtsgeschenk mit einer getauften israelitischen Seele zu machen, nicht widerstehen und zettelten mit dem Pastor und sonstigen frommen Seelen ein Komplott gegen die religiösen Ueberzeugungen der kleinen Henriette und gegen die heiligen Rechte ihrer Mutter auf die Unmündige an, das am 22. dadurch glücklich zu Ende geführt wurde, daß dasMädchen in der Kirche, im Beisein zweier Gemcindcrathsmitglieder und mit Assistenz eines anderen Geistlichen durch den Pastor getauft wurde. Die durch das ungewohnte lange Ausbleiben des Kindes besorgte Mutter suchte sie allenthalben, und erfuhr endlich, daß ihr Kind in der katholischen Kirche sei. Entsetzt läuft sie hin, aber zu spät, die Taufe ist vollzogen. Kaum ist das Kind in das älterliche Hans zurückgekehrt, als auch die beiden abwesenden Brüder heimkehrcn, und nicht zu früh, denn einige fanatisirte Bauern »rollten die neue Christin mit Gewalt entführen. Es wurde sogar des Nachts noch eine Leiter an ein Hinterfenster des Hauses angelegt. Der Entführungsversuch mißlang. Der Vorstand der israel. Gemeinde hat die Sache in die Hand genommen und bei den betreffenden Behörden anhängig gemacht. Durch eine unter den Israeliten veranstaltete Eollekte ist die erforderliche Summe znsammengebracht, um die kleine, über ihren Schritt reuige Israelitin nach einem Institut nach Frankreich zu bringen. Man wird schwerlich eines gewählt haben, das durch Ordensschwestern geführt wird. Wir können es nicht über uns bringen, unsere Gefühle über das Vorgesallene zu verbergen, sollte „das Wort" uns auch steinigen lassen. „Wir tadeln und verabscheuen die Handlung des Pastors von Straßen, denn er hat mit frevelnder Hand die heiligen Rechte der Eltern auf ihre unmündigen Kinder angegriffen. Er hat unsere israelitischen Mitbürger tief beleidigt. Dieser Theil unserer Bevölkerung, der den anderen Luxemburgern an Patriotismus, Freiheitslicbe, Gehorsam vor dem Gesetze und in der Erfüllung aller Bürger- und Menschcnpflichten in nichts nachsteht, hat unsere ganze Achtung und Sympathie, und wir glauben ini Namen aller Ehrenmänner des Landes zu sprechen, wenn »vir der Entrüstung Ausdruck geben, die bei Anhörung der Straßener „Mortara"-Geschichte allgemein empfunden wurde." Sotveit der Lnxeinburger Courier. — lieber die Einzelheiten des in unserer aufgeklärten Zeit sich ereigneten traurigen Vorfalles könnte ich Jhnen noch nähere Mittheilungen machen, da ich mit einem Augenzeugen darüber gesprochen, welcher selbst auch die unglückliche Henriette Lcivy in einer französchen Stadt, woselbst sie' in Pension ist, gesprochen. Ich ziehe es jedoch vor, meinen Bericht für heute zu schließen, da ich beabsichtige dies später, »venn möglich, zu thun, um Ihnen alsdann gleichzeitig den »veitcren Verlauf der Geschichte mitzuthcileu. Ich erlaube mir nur noch die Bemerkung, »vie den resp. Eltern nicht genug an's Herz gelegt »verden kann, daß sie bei der Wahl einer Lehranstalt für ihre Kinder sehr behutsam zu Werke gehen mögen. Leider aber scheint bei Biele»: diese Lehre, »vie dieser erwähnte Fall zur Genüge beweist, noch nicht Platz gegriffen zu haben, »vas allerdings sehr zu beklagen ist. — Möchte es doch dainit bald besser »verden. — T.r. Saarlouis, im Deccmber »Privatmitth.» Welcher Fortschritt in der zwingenden Macht der Verhältnisse liege, dereir Einwirkung sich auch der strengste Eonservatisinns auf die Dauer nicht erwehren kani:; »vie den: Rechte sein Sieg endlich »vird, — »venn auch stetig u»:d langsam — so nur auf Seiten der Rechts-Ent-