Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1867)
- Date
- 1867-01-08
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Allgemeine Zeitung des Zu-euthums. FemUetoil-Seilage M Ar. 2. Leipzig, den 8. Januar 1867. Die Zukunft. Vor Dir sollt' ich, o meine Zukunft, zittern? Bor Deinen Schatten, Deinen Ungewittern? Furcht' ich den Tag, wenn aus dem Purpurmeer Der goldne Ball erscheint und schwebt daher? Fürcht' ich den Tag, wenn Dämmrung mich umfließt Und mich des Lichtes erster Strahl begrüßt? Du bist, o Zukunft, jedes Tages Morgen, Das Morgenroth, das um des Himmels Bogen In ew'gem Rundgang kommt dahergezogen, Und immer lichtet, was die Nacht verborgen! O meine Zukunft, Du, mein eigen Kind, Mein eigenstes, das langsam wand sich los Aus meines Willens, meines Schaffens Schooß, An meinem Herzen zog ich Dich dann groß — Dich sollt' ich fürchten, Dich, mein eigen Kind? Begegn' ich Dir, sollt' ich Dich nicht erkennen? Was auch geschah, Du trägst ja meine Züge, Und treu und wahr — an Dir schwand Schein und Lüge Von meinem Falle, wie von meinem Siege — Ich sollte Dich nicht als mein Kind erkennen? Im Geistesschacht der werdenden Gedanken Erzeugt' ich Dich, ich speiste Dich mit Mark Des Rathes und Entschlusses voll und stark, In meines wärmsten Höffens Kleide barg Ich Deiner Glieder Bau — wie sollt' ich schwanken, Trittst Du zu mir vollendet nun im Leben — Du reichst mir doch nur, was ich Dir gegeben. Verschenkt! — Verkauft! Novelle. (Fortsetzung.) Einige Augenblicke später brachen die Rüden, riesige Hunde, die muthig den Eber, den Wolf und selbst den Bären angrifsen, aus dem Gebüsche hervor. Als sie das Häuflein Menschen auf der Lichtung erblickten und bei dem furchtbaren Geschrei, das die Kinder und das Weib ausstießen, hielten sie einen Augenblick an. Aber die klugen Thiere bemerkten doch, daß sie hier etwas Fremdartiges vor sich hatten, und schon setzten sie an, sich auf die Gruppe zu stürzen, als ein wiederholter lauter und scharfer Pfiff, der selbst den Hülferuf der Menschen durchschnitt, sie zum Stillstand brachte. Bald darauf trat aus dem Schatten der Bäume ein Mann in halber ritterlicher Rüstung heraus, einen Wurfspieß in der Rechten, und hinter ihm wurden einige Reisige, mit Lanzen und Bogen bewaffnet, sichtbar. Der Ritter war nicht von großer Gestalt, aber ungemein kräftig gebaut, und sein Antlitz, wie der Blick seiner Augen trug den Ausdruck der Härte, ja der Wildheit. Wer ihm gegenüber stand, mußte ein muthiges Herz in der Brust tragen oder eine bedeutende Macht hinter sich wissen, wenn er sich nicht für verloren halten sollte. Die armen Wanderer bebten und zitterten daher, als sie sich so unverrnuthet diesem Ritter und seinen Bewaffneten gegenüber sahen. Bor den Hunden waren sie dadurch geschützt: wer aber wird sie aus der Gewalt dieser Menschen retten? Selbst dem Manne war aller Muth gesunken, trotzdem er den vermeintlichen Talisman in der Hand trug. Der Ritter trat einige Schritte näher, kreuzte die Arme und blickte mit Verachtung auf die Gruppe. „Wer seid Ihr?" hob er an, „doch was frage ich, sehe ich es nicht genugsam, Ihr seid Judengesindel, und wie könnt Ihr es wagen, auf meinem Grund und Boden zu erscheinen?" „Wir sind arme Leute, gnädiger Herr, und kommen weit her aus dem Münsterlande gepilgert, und wollten hier nur ein Stündchen rasten, da wir vom Wege und von der Hitze des Tages ermüdet waren. Wir werden gleich aufbrechen und die Grenzen Eurer Herrschaft wieder verlassen." „Und wo wollt Ihr denn hin?" „Nach Wasendorf, gnädiger Herr; doch auch dort wollen wir nicht bleiben, sondern gen Speyer ziehen." „Nach Wasendorf? .. . Das besteht nicht mehr. Das ist ein Schutthaufen, denn selbst das Holz und die Steine aus seinen Trümmern wurden von den diebischen Nach-