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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-01-01 · Heft 1 (1.1.1867) · p. Seite 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 1 (1.1.1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 Prozeß gegen die Hostomitzer, meistens Nagelschmiede, welche den Reigen dieser Tumulte begonnen hatten. Der Gerichtssaal hat das Aussehen eines Schulzimmers; nicht weniger als acht Bänke sind mit den Ängeklagten angefüllt. Es sind meistens junge Leute, ihres Zeichens Nagelschmiede, deren eingefallene und ausgezehrte Gesichter keinen Ueberfluß an Lebensgütern verrathen. Ihre Kleidung ist ziemlich reinlich, ihr Benehmen anständig. Es erscheinen 46 Angeklagte, darunter 2 Frauenzimmer; wohl sind noch mehr Personen angeklagt, es haben jedoch einige gegen die Entscheidung der ersten Instanz Berufung erhoben, und konnte daher mit diesen die Verhandlung noch nicht vorgenommen werden. Der Thatbestand der Anklage liegt in den zu Ende des Monats Februar verübten Excessen, die wir größtentheils als bekannt voraussetzen dürfen, und darum nur insofern berühren wollen, als sie die strafbaren Handlungsweisen der einzelnen Angeklagten charakterisiren. Am 26. Februar d. I., um die Mittagszeit, entstand in der Wohnung des Hostomitzer Nagelhändlers Samuel Brunner zwischen diesem und dem Nagelschmiede Joseph Prepsel ein Streit, angeblich wegen Abzuges vom Lohne. Zu derselben Zeit gerieth auch der Knabe Wenzel Nahlowsky und sogar aus derselben Ursache mit Brunner in Streit. Bei der Gelegenheit erhielt der Knabe einige Verletzungen im Gesichte, von denen er behauptete, daß ihm Brunner dieselben zugefügt habe. Der Knabe verließ die Wohnung Brunner's, erhob draußen ein Geschrei, daß ihn der Jude mißhandelt habe, und die Gesellen des Prepsel singen gleichfalls zu lärmen an. Da an jenem Tage in Hostvmitz Jahrmarkt war, so entstand ein Zusammeulauf, uud obgleich der städtische Polizeimann die Menge, namentlich die Gesellen des Prepsel, zur Ruhe wies, so sing die Menge doch an „sttfbro“ zu rufen. Der Polizeimann Laschtowka wollte den ärgsten Schreier, Mathias Thuma, vom Hause des Brunner entfernen, allein der Pöbel siel über Laschtowka her und befreite Thuma aus seinen Händen. Der Menschenhaufe vor Brunner's Hause schwoll immer mehr an, und nun begannen die Steine in die Fenster zu fliegen. Bei Einbruch der Nacht wurden die Fensterläden gänzlich zertrümmert, eine Pöbelmasse drang in das Haus und richtete dort schreckliche Verwüstungen au. Als hier das Werk der Zerstörung vollkommen durchgeführt war, wälzte sich der ganze Haufe zum Hause des zweiten Juden, Philipp Löwy, zertrümmerte auch dessen Fenster, stürmte sodann das Haus und zerstörte und plünderte wie bei Brunner. Dasselbe setzten sie dann in den Wohnungen der anderen Juden fort, und erst dann verlief sich die Menge nach und nach. Noch in derselben Nacht wurde der Excedent Wenzek Gerabek von den Gensdarmen Johann Ventura und Wenzel Dworzak verhaftet und im Rathhause eingesperrt. Am Morgen des folgenden Tages gegen 7 Uhr arretirten dieselben Gensdarmen vor der Stadt den Joseph Prepsel und Mathias Thuma und führten die Beiden in die Stadt. Hier forderte aber ein Haufe von Menschen, an deren Spitze sich Ludwig Krzistal und Franz Holub befanden, die Freilassung der Gefangenen. Der Haufe vergrößerte sich immer mehr, drängte die Gensdarmen in eine Gasse und bemühte sich, ihnen die Gefangenen zu entreißen. Joseph Klan forderte die Menge auf, über die Gensdarmen herzufallen, ihnen die Gewehre zu zerbrechen und die Gefangenen fortzuführen. Der Pöbel schrie den Gensdarmen zu: „Lasset sie los, sonst schlagen wir euch hier zusammen!" Ludwig Krzistal ergriff das Gewehr des Gensdarmen Dworzak und versuchte es ihm zu entreißen. Wenzel Nowotny rief: „So brich doch das Bajonnet entzwei", und Wenzel Holub faßte den Gensdarmen beim Riemzeug, ihm drohend, ihn sofort niederzuschlagen, falls er das Gewehr dem Krzistal nicht lassen werde. (Schluß folgt.) Kuriosum. Ein Missionär im Libanon, Herr Jules Ferrette berichtet Folgendes: Als die ersten Drusen vor dem Volksunwillen und der Verfolgung flohen, als sie sich von Egypten nach Syrien retteten, warf sich einer der größten Lehrer der albernen neuen Religion halb todt vor Ermüdung und Hunger, mit brennendem Durste, allein in der großen Einsamkeit, am Rande der Landstraße auf die Erde, wie um nicht wieder aufzustehen. Ein Handelsjude, welcher vorbeikam, gab dem armen Sterbenden zu trinken und zu essen, half ihm auf seinen Esel, führte ihn nach einem bewohnten Orte, kurz, rettete ihm das Leben. Als der heilige Lehrer und Prophet, der das Licht seines Volkes geworden, seine Dankbarkeit thatsächlich bezeugen konnte, segnete er feierlich alle Juden; oder vielmehr, da die Inden zu verflucht waren, um jemals gesegnet zu werden, nahm er zwanzig der Verwünschungen die auf ihnen lasteten, und übertrug sie auf die Muhammedaner. Bis dahin betrug die Zahl der Verwünschungen gegen die Muselmänner zehn; zwanzig ruheten auf jcbem Christen, dreißig auf jedem Juden; von da ab blieben nur zehn auf jedem Juden; zwanzig lasten auf jedem Christen, dreißig auf jedem Muhammedan er. Folglich werden bei der allgemeinen Auferstehung alle Drusen Könige, Fürsten und reiche, hohe Herren seien; die Juden werden als Eseltreiber erwachen; die Christel: in der Gestalt von Affen und die Muhammedaner als Esel, welche die Juden lustig, die Geißel in der Hand, besteigen werden. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck vor» I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redakteur Ör. H. Lotze.

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